Der DJV fährt sich aufs Abstellgleis

Ich bin eben über Twitter auf den aktuellen Blogeintrag des geschätzen Kollegen Christian Jakubetz gestoßen: Er hat über eine Mitteilung des DJV gebloggt. Sein Text betitelt er mit „Erkenntnislose Bekenntnisse“ und spricht mir mit diesem Beitrag aus dem Herzen. Ein Verband, der den aktuellen Entwicklungen gegenüber nicht offen ist, gräbt sich doch selbst ein Grab. Auch der Verband muss – wie die Printmedien – neue „User“/Mitglieder finden. Dabei gilt zu beachten: Die jungen Redakteure von heute sind die Mitglieder von morgen. Der Journalismus entwickelt sich stetig weiter. Wer derweil meint, dass alles beim Alten bleiben soll, parkt sich auf dem Abstellgleis.

Hier einige Auszüge des Blogs:

(Zitatanfang) „… Der Deutsche Journalistenverband (DJV) beispielsweise hat heute während seiner Jahresveranstaltung in Essen eine nach dem Tagungsort benannte Erklärung herausgegeben, die beispielsweise der Zeitungsverlegerverband sofort ohne größeres Redigieren unterschreiben würde. Auf einen simplen Nenner zusammengefasst bedient der DJV leider einen Reflex, den man allenfalls als menschlich bezeichnen könnte: Man möchte, das alles so bleibt, wie es ist. … Der DJV setzt sich massiv für das Leistungsschutzrecht und damit jene Bewahrermentalität ein, die die Probleme unseres Berufs mehr verstärken den lindern wird.

… Mag ja sein, dass solche Sachen wie Flashmobs in Essen plötzlich schick sind, kann auch sein, dass man die eine oder andere Demoaktion originell fand (man trifft sich um 5 vor 12, um sich dann den Strick….gähn). Es ist nur einfach ärgerlich, dass der immer noch größte Journalistenverband in Deutschland es nicht der Mühe wert findet, sich wenigstens ein paar Gedanken darüber zu machen, wie unser Job in Zukunft aussehen und finanziert werden könnte. Stattdessen will man seine eigenen Leistungen geschützt sehen und verweist mantraartig darauf, dass es ohne sie nicht gehen wird. Exemplarisch dafür ist die Auffassung, dass „Soziale Netzwerke und Blogs“ zwar „neue Formen der Öffentlichkeit und neue Möglichkeiten der Meinungsäußerungen“ schaffen würden, gleichzeitig aber „seriöse Meinungsbildung durch qualifizierten Journalismus“ nicht ersetzen könnte.

Das alles ist ein kleines bisschen langweilig. Niemand, der noch halbwegs klar bei Sinnen ist, hat das jemals behauptet. Es ist eine uralte Debatte, bei der man sich wundert, das sie Ende 2010 noch geführt wird und für die der DJV allen Ernstes noch eine eigene „Erklärung“ rausgibt. Vor allem ist das nicht das eigentliche Thema, das für die Zukunft des Journalismus relevant ist. Kein einziges Wort verliert der Verband über die gravierenden Veränderungen sowohl in der Ökonomie des Journalismus als auch in den Veränderungen unseres Berufsbildes.

Vergesst Paid Content, schafft endlich neue Finanzierungswege für den Journalismus! Eine solche Forderung hätte man gerne in der Erklärung, anstatt der ewigen Bewahrungslitanei. Man muss nicht jede dieser neuen Formen, die es vor allem in den USA immer häufiger gibt, kritiklos gut finden. Aber schön wäre es, wenn der DJV sich damit zumindest auseinandergesetzt hätte. Wenn er sich als Ideengeber präsentiert hätte, als ein Verband, der sich mit den Veränderungen offensiv auseinandersetzt.

Das gilt auch für unser Berufsbild …

Kein Wort davon, leider, in der „Essener Erklärung“. DJV-Vorsitzender Michael Konken spricht stattdessen davon, die Erklärung sei ein „klares Bekenntnis zu den Grundwerten des Journalismus“.

Aber wer, lieber Herr Konken, hat die eigentlich in Frage gestellt?“ (Zitatende)

Katrin Steinert

3 Gedanken zu „Der DJV fährt sich aufs Abstellgleis

  1. Hendrik Zörner

    Sie fragen, wer eigentlich die Grundwerte des Journalismus in Frage stellt. Sie werden immer wieder in Frage gestellt, nicht zuletzt von den Verlagsmanagern. Wir kämpfen dafür, dass sie erhalten bleiben.
    Die Branche verändert sich grundlegend. Das Berufsbild ändert sich. Das ist uns nicht entgangen. Dem tragen wir Rechnung – mit unserer täglichen Arbeit. Wir führen fortlaufend Tarifverhandlungen, kämpfen um die Durchsetzung der Gemeinsamen Vergütungsregeln und ziehen für unsere Mitglieder vor Gericht. Gestern sind die DJV‑Delegierten zudem für die Zukunft des Journalismus auf die Straße gegangen: http://www.youtube.com/watch?v=Gt_xM6dkwwU .
    Fest steht auch, dass das Leistungsschutzrecht kommt. Daran ist nichts mehr zu rütteln. Nicht nur ist es im Koalitionsvertrag festgehalten, sondern die Bundesjustizministerin hat dies mehrfach öffentlich betont. Wir kämpfen dafür, dass von einem solchen Gesetz nicht nur die Verlagsmanager, sondern auch die Urheber profitieren. Schön wäre es, wenn auch die Verlagsmanager die Essener Erklärung unterschreiben würden. Das tun sie aber bestimmt nicht.

    Antworten
  2. Stefan

    Zunächst dachte ich eben: Das letzte Blog noch nicht „aufgearbeitet“ – und schon wieder eins?

    Aber nach (aus Zeitgründen nur) Überfliegen des Textes, finde ich das okay.

    Also: der Journalistenverband scheint ziemlich „hohle“ Statements von sich zu geben!

    Und was wären neue Finanzierungswege für guten Journalismus statt paid Content? Ob ich mit meinen bald 60 Jahren mir vorstellen kann, für gute Texte im Internet einen Euro zu überweisen? Eigentlich schon. Halber Text freigeschaltet – der Rest nach Überweisung???

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Captcha *