Superhelden im Kapuzenpulli

chronicle Filmplakat

Röntgenblick, Gedankenlesen, Fliegen oder Spinnweben aus dem Handgelenk – welches ist wohl die beste Superheldenkraft? Zahlreiche Comic-Heldenfiguren haben uns die verschiedensten Talente schmackhaft gemacht, doch eins wird bei jedem der Helden schnell klar – große Kräfte bringen große Verantwortung mit sich und mit dem normalen Leben ist es schnell vorbei. Was passieren kann, wenn Teenager voller Flausen im Kopf unverhofft zu übernatürlichen Kräften kommen, das gibt es in “Chronicle – Wozu bist du fähig” zu sehen.

Schwarze, gähnende Leere – das Erdloch im Wald ist alles andere als einladend, doch die drei Highschool-Jungs Andrew, Steve und Matt tauschen die Party, von der sie kommen, gegen das Abenteuer, ins Loch hinab zu steigen. Seltsame, wiederkehrende Töne begleiten sie durch den Erdtunnel bis hin zu einem wahrlich sonderbaren leuchtenden Objekt. Sie berühren den bergkristallähnlichen Gegenstand und sind danach nicht mehr dieselben. Sie wissen nicht, was mit ihnen passiert ist, doch plötzlich können sie Kraft ihrer Gedanken Dinge bewegen. Je mehr sie ihre Fähigkeiten in Streichen und alltäglichen Dingen trainieren, desto stärker werden sie, bis sie schließlich wortwörtlich abheben.

Superman im Blair-Witch Stil

Chronicle2

Blair-Witch Project, Cloverfield und viele andere Gruselfilme haben es vorgemacht, wie man mit der Handkamera eine Atmosphäre schaffen kann, die dem Kinobesucher die Haare zu Berge stehen lassen kann. In Chronicle wird diese Technik angewendet, um einen neuen Blickwinkel zu schaffen. Alles, was der Zuschauer zu sehen bekommt, stammt aus der Sicht irgendeiner Kamera. Was passiert, wenn die Kamera aus ist, bleibt uns verborgen. Der Film ist im Grunde so etwas wie ein riesiges Youtubevideo, größtenteils Video-Tagebuch, teils Homevideo, teils Überwachungskamera-Zusammenschnitt. Das das Bild mal wackelt ist hier vorprogrammiert, doch das Ganze hält sich in Grenzen und ist irgendwie aufregend anders.

Schabernack statt Verantwortungsgefühl

Spannend ist es vor allem zu sehen, wie die Jungs mit ihren neuen Kräften umgehen, sich selbst trainieren und immer mehr Möglichkeiten entdecken. Zunächst überwiegen die Freude und das Erstaunen über die Fähigkeiten, die sie immer wieder in kleinen Mutproben austesten. Im Supermarkt lassen sie einen Teddy tanzen, im Diner wird das Verbiegen von Gabeln erprobt und auf dem Parkplatz ein Auto in eine andere Lücke geschoben. Ohne Angst, entdeckt zu werden, treiben sie es immer bunter, bis Andrew eine Grenze überschreitet – er drängt kraft seiner Gedanken ein fahrendes Auto von der Straße ab.

Andrew ist der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte. Er ist derjenige, der mit seiner Kamera alles filmt, an dessen Leben wir neben seinem Superheldentum teilhaben. Außenseiter, Sonderling und Kind eines versoffenen Vaters, der seinem Sohn das Leben zur Hölle macht. damageNur seine Mutter scheint ihn wirklich zu lieben, doch die liegt im Sterben. Andrew ist derjenige, der die Telekinese am besten beherrscht – doch seine Gefühle beherrscht er nicht halb so gut. Irgendwann dreht er schlicht und einfach durch. Wir dürfen die Geburt eines Superhelden-Psychos miterleben. Grandios gespielt von Nachwuchsschauspieler Dane DeHaan.

Abschließendes Urteil: Chronicle ist witzig, intelligent und verstörend. Zwischen High-School-Leben und Superheldendarsein werden philosophische Überlegungen gemischt, die den Film zu einem erstaunlichen Werk machen, das nachwirkt. Zwar erscheinen die Special Effekts manchmal etwas unprofessionell – doch das passt zur Homevideo-Optik. Manchmal ist das Abschalten der Kamera etwas tragisch und doch ist es interessant, eine Geschichte auf diese Art zu erleben. Auch wenn nicht alle Schauspieler von Chronicle preiswürdig agieren und ihre Charaktere in Sachen Coolness nicht ganz mit den Marvel-Helden mithalten können, ist Chronicle doch eine gute Alternative zum Hollywood-Feuerwerk „The Avengers“.

Bewertung c

Christina Nover

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