Krass: Die lieben Kollegen

Über diesen merkwürdigen Text aus FAZ.net vom 26. Mai 2012 möchte ich nicht so schnell Gras wachsen lassen. Gedruckt erschien er einen Tag später in der Sonntags-FAZ, und es war rückblickend, bis zum Aufschlagen der ersten Seite des Feuilletons, die letzte Möglichkeit, das Feuilleton dieser angesehenen Zeitung weiter zuverlässig ernst zu nehmen zu können.

Dieser Text war der Beleg für die Unfähigkeit der FAZ zur Kommunikation mit ihren Lesern. Ich kann noch größer: Er war der Beleg für die Unfähigkeit eines der letzten verbliebenen Dinosauriers unter den Zeitungen, sich aufs Digitale einzulassen.

Und das geht so.

Da veröffentlichte Volker Weidermann zunächst online unter einem Registerreiter „Artikel“ und dann im Print unter der Zeile „Nachrichten“ Folgendes:

Dem Satiremagazin „Titanic“ ist es gelungen, ein Gedicht unter dem Namen „Günter Grass“ im Feuilleton der„Süddeutschen Zeitung“ zu platzieren. Als am Freitagnachmittag die Redakteure der Humorzeitschrift die Nachricht erreichte, dass die „SZ“ dieses besonders alberne und unglaubwürdig schlechte Gedicht unter der Überschrift „Europas Schande“ als echtes Grass-Gedicht in ihrer Samstagsausgabe publizieren würde, lagen sich die Kollegen der„Titanic“ lachend in den Armen.

(… Diverses Niedermachendes übers Gedicht)

Das alles liest sich, wenn man die wahren Urheber des Textes kennt, wirklich ganz lustig.

(… Diverses Niedermachendes über Günther Grass)

Dieser Gestus des Moralmeisters ist in der Folge seines langen Schweigens hohl, unglaubwürdig, peinlich und – im besten Falle – lächerlich geworden. Ich glaube, viel mehr wollte die „Titanic“ mit ihrer lustigen Aktion gar nicht zeigen. Und das ist ihr gelungen.

Nun ist die „Titanic“ für ihre Respektlosigkeit gegenüber Institutionen spätestens seit dem Gottschalk-Brillen-Trick bekannt. Volker Weidermann habe ich als Max-Frisch-Biographen schätzen gelernt. Hieraus 1 und 1 zusammengezählt: Die Nachricht erschien plausibel. „Die SZ hat ein falsches Grass-Gedicht gebracht, oje“ – so mein Gedanke beim ersten Lesen dieses Textes. Etwas ungelenk schien da allenfalls der grau dargestellte Teaser zu diesem „Scoop“. Unter der Heinz-Erhardt-Dachzeile „Noch ’n Gedicht“ und nach einem Verriss des Gedichts in Schlagworten stand da: „Das Satiremagazin ,Titanic‘ hätte die Persiflage eines Grass-Gedichts auch nicht besser hinbekommen.“

„Hätte“? Klingt merkwürdig. Aber man weiß ja, wie die traditionell für Teaser zuständigen Online-Redaktionen samstags besetzt sind und arbeiten: Zumal in einer langen Nacht wie dem Eurovision Song Contest dürfte da auch bei der FAZ nur mit Wasser gekocht werden. Da kann der Teaser schon mal nicht ganz treffen.

Wie andere bei Twitter, die zum Zeitpunkt der Veröffentlichung auf faz.net über verschiedene Wege darauf aufmerksam wurden, gab ich die Entdeckung direkt an meine 4000 plus x Follower bei Twitter weiter:

Doch siehe da: Kurz darauf kamen bei Twitter Zweifel an der Ernsthaftigkeit des FAZ-Beitrags auf. Es gab Hinweise auf einen dpa-Text vom selben Tag, laut dem sich Grass nicht weiter zum Gedicht äußern wollte (er also nicht klargestellt hat, dass es nicht von ihm sei). Aus seinem Urlaub in Paris meldete sich SZ-Chefredakteur Stefan Plöchinger und betonte: Das neuerliche Gedicht ist tatsächlich von Grass. Er zeigte auf ein Video des NDR, in dem Grass das Gedicht am Samstag selbst vorgetragen hatte.

In der Folge hatte Kollege Plöchinger alle Hände voll zu tun, die Anwürfe der FAZ-Kollegen richtigzustellen. Während die FAZ in diesem Nachrichtenkanal schwieg und schlief, etablierte sich das Nachrichtendrama zu einem Ungetüm schlechter Laune: Was stimmt denn nun?

Und ich war reingefallen auf – ja, was eigentlich? Derweil verbreitete sich meine vermeintliche Breaking-Nachricht immer weiter.

Ich war wie viele andere auf den Irrglauben hereingefallen, die FAZ hätte sich inzwischen auch ihrer Internetleserschaft zugewandt. Hat sie aber nicht. Der für jedermann unerreichbare Herausgeber der FAZ, Frank Schirrmacher, lebt es seinen Mitarbeitern in der Redaktion vor. Was hat die FAZ damit online gemeint?

Über Pfingsten gab es keine Klarstellung von Seiten der FAZ. Schirrmacher blödelt hinter den Kulissen, lässt seine Leser aber gerne weiter im Unklaren, selbst zwei Nächte später. Er ist bei Twitter unterwegs, mag aber nichts klarstellen.

Der Beweis: Frank Schirrmacher ist in der Lage, auf Twitter-Anfragen zu reagieren.

Der Beweis, und den bedurfte es: Frank Schirrmacher ist in der Lage, auf Twitter-Anfragen zu reagieren.

Die bei der FAZ nehmen die Internet-Offentlichkeit einfach nicht ernst.

Die sechs Sätze langen vermeintlichen Tatsachen aus dem FAZ-Online-Artikel enthalten und entfalten in Form eines verlinkten Textes ohne das Layout der Zeitung und mit den minderen, falsche Dinge betonenden Layoutmitteln eines Onlineauftritts selbstverständlich eine Brisanz, die aufrührt, aber auch Dinge beschreibt, die nicht unwahrscheinlich sind. Nobelpreisträgers Veröffentlichung ein Fake! SZ hereingefallen! Weidermann schrieb mir dazu ein paar Stunden nach der ersten Veröffentlichung:

ja, leider nur ein scherz von mir. Tut mir leid. (koennte aber unbedingt auch wahr sein, finde ich)
Schoene Gruesse!

 

Damit wäre das Thema eigentlich beendet gewesen (vielleicht von der flegelaten Rechtschreibung abgesehen).

Die etwas schmerzende Richtigstellung meines Tweets habe ich wie manche andere Kollegen auch noch in der Nacht veröffentlicht, was nicht jeder mitbekommen hat. Ich bin da öffentlich humorlos, denn es geht um einen der Punkte, die wir Journalisten besonders im Digitalen entweder erringen oder kraft einer Medienmarke im Hintergrund halten und jedenfalls verteidigen müssen: Glaubwürdigkeit.

Dass nun auch ich auf das Gewese des Nachrichtengeschäfts hereingefallen bin, könnte ich mit öffentlicher Zerknirschtheit abhaken, daraus lernen, darüber grienen und bei nächster Gelegenheit als Anekdote abtun. Mich ein bischen ärgern, Demut lernen. Wenngleich ich den Gag bis heute nicht verstanden habe und eher als misslungen einschätze: Es wurde niemand verletzt, Roman Lob landete auf Platz 8, und zu Pfingsten schmeckt der Spargel. Und gut.

Bis Sonntagmittag.

Da erschloss Weidermann der inzwischen bei den sozialen Medien wunderbar aufmerksamen Deutschen Presse-Agentur den Sachverhalt so:

«Fiktion und Wahrheit sind ja nicht mehr wirklich zu unterscheiden», sagte Volker Weidermann der Nachrichtenagentur dpa am Sonntag. «Ob sich das jetzt die „Titanic“ oder Günter Grass ausdenkt, ist für mich kein großer Unterschied.» Entschuldigen in einem ernsthaften Sinne wolle er sich «ganz bestimmt nicht». «Günter Grass wird es immer weiter treiben mit der Absurdität seiner Selbstgewissheit und das ist dann genauso lustig, wie wenn es die „Titanic“ schreibt.»

Lieber Herr Weidermann, ich übersetze das mal für mich und andere minderbemittelte Lesepuppen im Netz: Ob sich das jetzt die FAZ ausdenkt oder wahr ist, macht für Sie keinen großen Unterschied. Entschuldigen in einem ernsthaften Sinne wollen Sie sich „ganz bestimmt nicht“, das sagen Sie so in einer Art Gegendarstellung zu der Mail an mich von ein paar Stunden vorher. Sie werden es immer weiter treiben mit der Absurdität Ihrer Selbstgewissheit, und das ist dann genauso lustig, wie wenn es die SZ schreibt.

Ja, leider nur ein Scherz von mir. Tut mir Leid. (Könnte aber unbedingt auch wahr sein, finde ich.)

Es könnte zum Beispiel wahr sein, dass Sie durch solch ein Spiel mit falschen Fakten den wichtigsten Vorteil der etablierten Redaktionen verspielen: Ihre Glaubwürdigkeit. Und es könnte sein, dass unter Ihren Hunderttausenden Lesern in der gedruckten Sonntags-FAZ der eine oder andere nun glaubt, dass die in München auf einen vermeintlichen Karnevalsscherz der vermeintlichen Titanic hereingefallen sind, über die die SZ selbst nun vermeintlich schweigt.

Wie auch wir aus Ihrer ansonsten unbeachteteten Online-, Handy-, iPad-, Twitter-, Forums-, Facebook- und sonstigen niederen Leserschaft nur dank anderer erahnen, was Sie und Ihr Feuilleton und Ihre Zeitung gemeint haben könnten.

Nennen Sie mich einen humorlosen Norddeutschen im fröhlichen Rheinland. Ich gebe Ihnen folgenden Rat. Sie sollten besser dem Leser die Wahrheit, Ihre Wahrheit, wie einen Mantel hinhalten, in den er hineinschlüpfen kann.

Sie sind unwissend, wie das geht? Die beste und sicherste Tarnung ist immer noch die blanke und nackte Wahrheit. Die glaubt niemand.

Von Marcus Schwarze, Redaktion Rhein-Zeitung

Marcus Schwarze

68 Gedanken zu „Krass: Die lieben Kollegen

  1. Pingback: Das wird niemals zur Belastung | katrin schuster

  2. ekkemel

    Lieber Marcus Schwarze,

    „reingefallen – ja, aber worauf?“ ist exakt die richtige Frage, die mich zu drei Antworten inspiriert hat.

    Erstens: „Reingefallen“ auf die institutionelle Wichtighuberei des FAZ-Feuilletons. Generationen von FAZ-Feuilletoniker haben ihre eigene Bedeutung unter anderem dadurch betont, dass sie mit besonderem Genuss den Gegenwartsautor Günter Grass herabschreiben. Das wissen wir nicht erst seit Marcel Reich-Ranicki. Ok, daran hätten wir denken können, und den Artikel mit entsprechend kritischer Distanz lesen können.

    Zweitens: „Reingefallen“ auf den alten Journalisten Trick, dann zum Konjunktiv zu greifen, wenn man etwas eigentlich nicht schreiben kann, aber gerne trotzdem gerne schreiben möchte. Die BILD-Überschrift „Könnte der Pabst abdanken?“ ist da eindeutig.

    Der FAZ-Satz „Das Satiremagazin ,Titanic’ hätte die Persiflage eines Grass-Gedichts auch nicht besser hinbekommen.“ ist jedoch zweideutig. Er kann einerseits bedeuten, ‚die Titanic persifliert Grass so gut, niemand kann das besser.‘ Oder die offenbar intendierte Bedeutung, ‚Grass ist inzwischen so sehr die Persiflage seiner selbst, selbst Titanic kann es nicht besser.‘ Meiner Ansicht wird die Mehrdeutigkeit durch „auch“ hervorgerufen, dessen Bezug nicht klar ist (möglich ist theoretisch Bezug auf „besser“ oder auf „Titanic“) und die mögliche Verwendung von „auch“ als Modalpartikel (siehe dazu http://edoc.ub.uni-muenchen.de/4877/1/Kwon_Min-Jae.pdf S.69 ff). Zumal der Autor später, im letzten Satz seines Artikels, auf den Konjunktiv verzichtet, sodass die Aktion der Titanic nunmehr als Fakt berichtet wird.

    Ok, genug Wundenlecken, kommen wir zum eigentlichen.

    Drittens: Wir sind „reingefallen“ auf unseren hartnäckigen Irrglauben an die besondere Seriösität von Printmedien. Hätte ein Twitter-User mit dem Namen „Volker_Wiedermann1“ oder ein „Marcel-Reich-Ranicki“ diesen Unsinn verbreitet, hätte zumindest jeder Journalist eine zweite glaubwürdige Quelle eingeholt, bevor er dies ernst nimmt.

    Wir Digitalen-Naiven tendieren immer noch dazu, scheinbar seriösen Tageszeitungen eine hohe Glaubwürdigkeit zuzubilligen. Und Journalisten verlassen sich sowieso gerne darauf, dass ihre Kollegen ihr Handwerk ebenfalls beherrschen und glaubwürdig und unvoreingenommen und vorurteilsfrei berichten.

    Aus meiner Sicht zeigt der Fall die eigentliche Stärke des Medium Internet. Manipulationen einzelner werden schwieriger, denn Rezipienten betrachten Informationen aus dem Internet kritischer, als solche aus klassischen Printmedien. Und das ist die eigentliche emanzipatorische Errungenschaft der Internet-Öffentlichkeit, der es im übrigen total egal sein wird, ob sie vom Feuilleton oder den Motorjournalisten der FAZ ernst genommen wird oder nicht.

    Also, nicht hadern, sondern demütig weitermachen.

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  3. Markus Merz | Hamburg St. Georg

    Herr Schwarze, ich bin auch Ihrer Meinung. Eine Aneinanderreihung von Tatsachenbehauptungen im Nachhinein als Scherz zu verkaufen ist unseriös. „Das ist der Mörder. Holt ihn aus der Polizeiwache und lyncht ihn.“ ist zu Recht auch nicht im Nachhinein als Scherz erklärbar.

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  4. wabble

    Man kann sich wirklich fragen, wer hier eigentlich die Internetöfentlichkeit nicht ernst nimmt: Eine Zeitung, die eine satirische, durch Irrealis markierte Glosse veröffentlicht, oder jemand, der seine Aufgabe darin sieht, solche Meldungen ohne eigenen Beitrag oder Recherche nachzuplappern, und der dann beleidigt ist, weil er es falsch verstanden hat.

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  5. hiro

    Ich habe den diskutierten Artikel im Internet gelesen und bin voll drauf reingefallen. Ich habe es tatsächlich für möglich gehalten, daß den kreativen Köpfen der Titanic ein solcher Coup tatsächlich gelungen sein könnte. Asche auf mein Haupt.

    Jetzt habe ich gelernt, daß es doch kein Coup war, sondern offenbar nur eine Steigerung der Peinlichkeit eines eins hochgeachteten Schriftstellers. Was ich diesem – mittlerweile – ebenfalls zutraue. Traurig, aber so ist die Welt.

    Was ich nicht verstehe: Wie man sich über ein schlechtes Gedicht so aufregen kann, wie man sich über einen schlechten Witz über ein schlechtes Gedicht so aufregen kann, wie man sich darüber aufregen kann, daß man einen schlechten Witz über ein schlechtes Gedicht nicht verstanden hat, und wie man Twitter irgendeine Relevanz beimessen kann.

    (Ernsthaft, ich habe von dem Gestammel im Screenshot kein Wort verstanden.)

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  6. Pingback: Too much information - Papierkorb - Lesezeichen vom 29. Mai 2012

  7. Alex

    Sie entlarven Ihre mangelhafte Recherche doch gerade dadurch, dass Sie hier so tun, als wäre Twitter das einzige Medium, wo man etwas in Erfahrung bringen könnte, zumindest weckt Ihr Blogbeitrag diesen Eindruck. Twitter hier, Twitter da, was kann man denn mit 140 lächerlichen Zeichen schon ausdrücken? Nichts. Und wenn Sie sich dann mit „Breaking“ noch besonders wichtig machen, geschieht es Ihnen gerade recht, dass sie damit baden gegangen sind. Ihr Versuch einer Rechtfertigung mutet, wie andere hier auch schon geschrieben haben, wirklich selbst wie eine Satire an, nur ist sie das nicht. Schön, dass Sie mit ihrem Pseudonym ausgerechnet dem Frisch-Biographen auf den Leim gegangen sind. Und vielleicht verabsolutieren nicht mehr ganz so viele Twitter und lernen etwas daraus, weil die gescheiterte Kommunikation nicht bei der FAZ und ihren Lesern zu suchen ist, sondern bei denen, die meinen, mit 140 eine Meinung oder einen Inhalt zum Ausdruck bringen zu können.

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    1. Marcus Schwarze Artikelautor

      Die Fehlinterpretation fand nicht wegen eines Tweets statt, sondern wegen eines Artikels in der Online-FAZ.

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      1. Michael

        Das war ein Artikel im Feulleton!

        Und spätestens am letzten Absatz des FAS-Artikels — der hier schöenrweise weggemardert wurde — wird man doch sofort stutzig:
        „Einen kleinen Hinweis gibt es aber doch, dass die „Süddeutsche“ den Scherz vielleicht selber ahnte. An einer Stelle ihres Begleittextes heißt es: „Als Mitglied der Gruppe 47 verstand er in den Jahren nach dem Krieg die Literatur noch als ,Schreiben gegen das Vergessen.‘“ Die haben einfach Humor.“

        Wer das dann – ohne vorherige Verifikation – als „Breaking News“ weiterverbreitet, ist einfach ein schlechter Journalist (bzw. gar keiner).

        Aber rumheulen, weil man auf eine recht offensichtliche Satire hereingefallen ist und damit seine eigene mangelhafte Medienkompetenz offenbart hat, ist schlichtweg jämmerlich.

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  8. Pingback: Wie ich eine Ente wurde und Günter Grass für die Titanic schrieb – SOCIAL MEDIAS RES

  9. th0rs

    Das Urteil über das Gedicht wäre genauso gut gewesen, wenn der Titanic-Teil komplett im Konjunktiv geschrieben gewesen wäre. Worin besteht die Satire, wenn man den Teil im Indikativ schreibt? Das sich „Fiktion und Wahrheit“ vom Leser nicht unterscheiden lassen? Das hat aber doch nichts mit Grass und dem Gedicht zu tun. Wenn es ein Witz für das oder über das Internet gewesen sein soll, hätte er den Printlesern erspart bleiben können.

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  10. Don Alphonso

    Ein paar haben tatsächlich noch das Ruder herumgerissen, aber was mich wirklich beschämt und froh macht, nicht bei Twitter zu sein, ist der Hass auf die Intellektuellen, der sich da Bahn gebrochen hat. Dass so etwas von Herrn Weidermann befeuert wird, macht die Sache natürlich noch unschöner. Ich bin ziemlich angeekelt von den ganzen Vorgang.

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    1. Jemand

      Lieber Don Alphonso (wenn du kein Fake bist):

      Die schweigende Mehrheit auf Twitter ist viel klüger als die paar Marktschreier, die sich immer wieder nach vorne drängen. Und Twitter bräuchte dringend ein paar mehr Menschen wie dich. Gib dir einen Ruck, melde dich dort an und guck mal, was passiert.

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      1. Don Alphonso

        Ich halte einfach nichts von Twitter. ich kann mich nicht in 140 Zeichen ausdrücken, und andere Leute würden auch an den Strukturproblemen nichts ändern: bei Twitter kann man Aufmerksamkeit eben nur durch diese 140 Zeichen erringen. Und das zwingt nachgerade zum Schnellen, Lauten und Krassen. Nicht meine Welt.

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        1. Marcus Schwarze Artikelautor

          Das sei Ihnen unbenommen. Das Format zwingt zu Genauigkeit und Fairness, die in 280 oder 5000 Zeichen leichter zu bewerkstelligen ist. Aber auch dann geht das nur, wenn die Essenz klar ist. Hier schien sie es – und entpuppte sich als falsch.

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  11. Gast

    Selbst bei einem Tweet ist Platz für ein „…soll laut FAS… haben“. Wäre journalistisch sauber (print wie online) und würde ob der vermittelten Distanz nicht an der eigenen Reputation kratzen.

    Ein Tipp, den eigentlich jeder Praktikant bekommt…

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  12. Wendy Gondelntrauertragen

    Noch was: Wenn ich es richtig sehe, besteht der Skandal für Sie vornehmlich darin, dass die FAS das Ganze unter „Nachrichten“ lanciert hat, einem Format also, das neutral und faktenbasiert zu benachrichtigen hat. Selbst wenn der „Hätte“-Satz in der Printversion fehlt: Finden Sie nicht, dass eine für eine Nachricht offensichtlich unangemessene Wendung wie „dieses besonders alberne und unglaubwürdig schlechte Gedicht“ Sie zumindest hätte stutzig machen müssen?

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  13. Raventhird

    Man musste sich ja schon ob die vielen Leute fremdschämen, die die Satire nicht erkannten, tatsächlich glaubten, die Sueddeutsche wäre dumm genug, ein von irgendwem eingeschicktes Gedicht als Grass-Lyrik zu veröffentlichen und das (natürlich mit viel Häme über die ‚dummen Journalisten‘ garniert) über die digitalen Kanäle so weiterverbreiteten. Dieser Artikel setzt aber in Sachen Fremdschampotential noch mal locker eins (eher drei bis vier) obendrauf.

    Wenn man selbst zu den Leuten gehörte, die nicht in der Lage waren, die Satire trotz ziemlich eindeutiger Kennzeichnungen (beispielsweise dem Konjunktiv im Teaser / die übrigens nicht nötig gewesen wären, wenn man wenigstens ganz kurz darüber nachgedacht hätte, wie absurd die Behauptung ist) als solche zu erkennen, dann wäre etwas Demut die angemessene Reaktion, vielleicht auch eine Entschuldigung für den eigenen Fehler und die eigene „Breaking-News“-Geilheit, die anscheinend oft das Oberstübchen ausknipst. Stattdessen dann diesen Artikel zu schreiben, das erfordert einiges an Überheblichkeit.

    Ich bin echt froh, dass die Mehrheit der Kommentare das ähnlich sieht, ansonsten müsste man endgültig am Verstand der Ins-Internet-Reinschreiber als Kollektiv zweifeln, denn die sind schon wieder dabei, diesen Artikel fleissig mit reißerischen Überschriften wie „Irrungen der FAZ“ oder „FAZ nimmt das Netz nicht ernst“ fleißig weiterzutwittern und haben anscheinend nichts aus der Geschichte gelernt.

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  14. aLkO

    Ich hatte dieses Grasswerk bei der SZ online gelesen und im gleichen Atemzug in mein Gesichtsbuch geschrieben, dass die titanic der SZ eins untergejubelt hat. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hatte sich das als Mem verbreitet; die FASZ hat es Stunden später schön aufbereitet ins Netz und in die toten Bäume gestellt. Tut mir ja echt leid, dass einige Rezipienten das durchsichtige Doppelspiel nicht begriffen, aber muss man sich dessen auch noch wehleidig und mit großer Verve selbstbezichtigen? Im übrigen ist es höchst erfreulich, dass die ehemals staubtrockene FAZ bei solchen Gelegenheiten schon mal vom Zeitungsbeamtentum Abstand nimmt. Der intentionierte Lernimpuls scheint jedoch bei den beleidigten Nichtverstehern nicht durchgedrungen zu sein.

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  15. w-alter

    Dass Herr Weidermann in einer Satire das Grass’sche Gedicht als Fake der „Titanic“ darstellt und damit ein trefflich treffendes Werturteil abgibt: köstlich.
    Dass der Artikel irreführenderweise unter der Rubrik „Nachrichten“ erscheint: irritierend.
    Dass der Profi-Journalist Marcus Schwarze unter Missachtung grundlegender Berufsregeln, nämlich ohne eigene Recherche, sofort eine Twitter-„Breaking“-Nachricht über diesen vermeintlichen Scoop losschickt: peinlich, aber gleichwohl wenig überraschend.
    Dass er nach der Erkenntnis, einem Verwirrspiel aufgesessen zu sein, lamentiert, statt seinen Irrtum einfach zuzugeben: oberpeinlich.
    Dass die FAZ/FAS ihr Verwirrspiel nicht offenlegt: wenig vertrauenerweckend.
    Dass hier viele Kommentatoren im Nachhinein das Spiel sofort durchschaut zu haben behaupten: besserwisserisch.
    Bleiben zwei Erkenntnisse. DIe eine für Herrn Schwarze: Auch und gerade bei Sensationsmeldungen die Grundregel der Überprüfung wieder anzuwenden, verhindert zuverlässig Blamagen. Die andere für mich: Glaub nie einer einzelnen Nachrichtenquelle.
    Ach ja, und noch ein Nachsatz: Take it easy!

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    1. Gerald

      Also, ich habe das „Spiel“ tatsächlich in dem Moment „durchschaut“, in dem ich es gelesen habe, und danach habe ich mal auf der (öffentlichen) Facebook-Seite von Martin Sonneborn und weiterer noch lebender Titanic-Ex-Chefredakteure nachgeschaut, ob der Weidermann überhaupt verifizierter Satiriker ist und da stand: Nein!

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  16. Martin Schulze

    Wer ist überhaupt dieser Weidermann? Der sich das Recht nehmt über einen Nobelpreisträger sowas negatives zu schreiben? Was hat dieser Weidermann überhaupt studiert? Was hat er denn in seinem Leben erreicht? Ist Weidermann auch Nobelpreisträger? Bestimmt! Nobelpreisträger seines Dorfes. Toll! Dann soll man FAZ Glaubwürdigkeit schenken.

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  17. puck of pook's hill

    „Nun ist die “Titanic” für ihre Respektlosigkeit gegenüber Institutionen spätestens seit dem Gottschalk-Brillen-Trick bekannt.“

    ojojoj. wer den „Gottschalk-Brillen-Trick“ allen ernstes als „Respektlosigkeit gegenüber Institutionen“ betrachtet, der sollte vielleicht besser auf ganz kleiner flamme kochen. im übrigen ist der obige artikel ein peinliches zeugnis von überforderung.

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  18. WolfR

    Das sagt ja doch einiges über die Qualität des ‚Gedichts‘ aus, dass einige es offenbar für möglich hielten, dass es in der Titanic-Redaktion zusammengekleistert wurde. Vielleicht hat das Faz-Feuilleton einfach nicht damit gerechnet, dass Grass im Ansehen schon so tief unten ist.

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  19. Gerald

    Mich hat diese FAS-Glosse keine Sekunde „verwirrt“, ehrlich gesagt. Mein erster Gedanke war: Ach Gottchen, von „vw“, der Weidermann also, schreibt wie eine Oma, und wird jetzt bestimmt auf Twitter zum „Satiriker“ befördert, wenn’s irgendwann alle geschnallt haben. Aber im Kern geht es bei dem Text doch um etwas anderes, um eine eindeutige polemische Volte gegen den Begleittext der SZ-Redaktion zum Grass-Gedicht. Und insofern könnte man der FAS-„Nachricht“ durchaus einen aufklärerischen Wert zusprechen, finde ich. Der eben genau dann verloren ginge, wenn man „Achtung, Satire“ drüber schriebe.

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  20. Helmut Brakelmann

    Ein Gedicht reicht man bei der SZ nicht ein wie eine Wette beim ZDF. Ein kurzes Nachdenken über diese Tatsache hätte ausreichen können, den Artikel als das zu lesen, was er ist. Zumindest hätte man schon misstrauisch werden können, bevor man seinem Wahn nachgeht, alles sofort und wie ein kleines Kind herauszwitschern zu müssen. Ich nehme an, die SZ und Günter Grass stehen in persönlichem Kontakt. Meinen Sie nicht auch?

    Antworten
    1. Marcus Schwarze Artikelautor

      Ich weiß ja nicht, wieviel Gedichteinreichungsvorgängen bei Redaktionen Sie beigewohnt haben. Aber wenn ich den Artikel als das lese, was er ist, wie von Ihnen gefordert, dann steht da mit dem größten Anfangsbuchstaben und durchaus bei Twitter und Co. mit ernsten Worten beworben: „Dem Satiremagazin „Titanic“ ist es gelungen, ein Gedicht unter dem Namen „Günter Grass“ im Feuilleton der„Süddeutschen Zeitung“ zu platzieren.“ Ich nehme an, die FAZ steht mit ihren publizierten Fakten in Kontakt, meinen Sie nicht auch?

      Antworten
      1. Helmut Brakelmann

        Ich habe bisher keinem einzigen Gedichteinreichungsvorgang beigewohnt. Aber ich bilde mich gerne weiter und freue mich auf Ihre Beschreibung dieses Vorgangs. Vielleicht lässt sich so herausfinden, wie es der Titanic hätte gelingen können, als Günter Grass ein Gedicht in der SZ zu „platzieren“. Vielen Dank im Voraus.

        Antworten
      2. Reinhard Weidinger

        wenn man schon, unter „journalistischem“ Aspekt etwas veröffentlicht, angeblich dann auch über bestimmte Passagen zum Nachdenken kommt, wundert es mich schon, wenn man im Sinne einer fröhlichen Weiterverbreitung das Nachdenken dann einfach aufgibt. Aber vielleicht gehts ja nur um die 4000 Follower, die sie stolz ins Felde führen 🙂
        Mit dem Artikel würd ich mich auf jeden Fall erst mal selbst an der Nase fassen 😉

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      3. Helmut Brakelmann

        Wie läuft eine Gedichteinreichung im Falle von Günter Grass denn nun ab? Per Online-Formular wie bei einer Kleinanzeige? Telefonisch von einem Stimmenimitator? Per Post inklusive einem Hunni als Schmiergeld mit der Bitte, ohne persönliche Rücksprache sofort zu drucken?

        Oder gibt es vielleicht doch persönliche Vorgespräche zwischen dem Autor und verantwortlichen Redakteuren? Bitte klären Sie mich auf.

        Antworten
  21. peti

    Ironie und Glaubwürdigkeit sind ja nun zwei Dinge, die eben gerade nicht besonders zusammenpassen. Insofern hat der FAZ-Schreiber das Internet durchaus und Twitter sogar sehr gut verstanden, indem er es zur Abwechslung eben mal nicht ernst genommen, sondern ironisch in bester Manier verulkt und aufs Kreuz gelegt hat. Wenn sowas zur Regel wird, könnte man an der Ernsthaftigkeit der FAZ gewiss zweifeln, aber doch nicht bei so einem einmaligen Scherz. Oder ist dieses Klagen über den Scherz selbst ein Scherz? Hihi.

    Antworten
    1. Marcus Schwarze Artikelautor

      Hihi.

      Nein, wir sprechen hier über eine ernste Sache und zumindest in Teilen sogar den Untergang des Abendlandes. Wie kann ich das FAZ-Feuilleton jemals wieder ernstnehmen? Wenn ich ständig daran zweifeln muss, dass die Fakten stimmen – und nach dem Benehmen einiger hier ja sogar erst Herrn Grass persönlich befragen muss, ob das wirklich von ihm stammt?

      Antworten
      1. Wendy Gondelntrauertragen

        Tun Sie mir einen Gefallen? Ich weiß, wie unhübsch, banal, aufdringlich und unsubtil Smileys sind, aber könnten Sie, den Umständen entsprechend, eventuell eine Ausnahme machen und ganz klar machen, zB mit Smileys, ob Sie etwas unernst meinen oder eben nicht. Ein bisschen humorlos von mir, ich weiß. Aber bei o.g. Blogeintrag bin ich auch nach längerem Nachdenken nicht ganz sicher, ob Sie das ironisch meinen.

        Antworten
      2. Helmut Brakelmann

        „Wenn ich ständig daran zweifeln muss, dass die Fakten stimmen …“

        Ich kann Ihre Zweifel ausräumen und Ihnen versichern, dass Fakten ihrem Wesen nach immer stimmen.

        Antworten
  22. JensE

    @John, @Ji

    Es ist für meine Fälle etwas zu selbstgefällig, zu behaupten 90% hätten den Artikel als Satire. So ein Wissen spreche ich ihnen beiden komplett ab.

    Wo kämen wir denn hin, wenn Leute solche Sarrazin-Behauptungen unwiedersprochen in den Raum stellen dürften! :o/

    Zusätzlich ist anzumerken, dass im FAS Artikel die nur gering erhellende Zwischenüberschrift fehlt und das Ganze unter der überschrift Nachrichten steht.

    Ich finde gerade deswegen lässt sich der Artikel nicht so einfach als Satire verstehen (und weil er einfach nicht ein mal lustig ist).

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  23. Pingback: Würzburcher » +++Genau deshalb ist Twitter überschätzt+++

  24. Wendy Gondelntrauertragen

    Lieber humorloser Norddeutscher im fröhlichen Rheinland,

    stimmt, das ist natürlich so eine Sache mit der Humorlosigkeit. Gerne ins Feld geführter Vorwurf derer, die einen blöden Witz machen (also Humor behaupten, wo keiner ist) und dann beleidigt sind, dass niemand lacht. Umgekehrt hat auch nicht automatisch der Humor, der trotzdem lacht.

    Humorlos ist aber sicher der, der im Nachhinein etwas eindeutig humoristisch Gemeintes mit großer Anstrengung in einen Glaubwürdigkeitsdiskurs zwängt und von „falschen Fakten“ redet, wenn es Weidermann — und da hat sein Humor als Überspitzungsmittel, als „Entstellung zur Kenntlichkeit“ (Karl Kraus) eindeutig einen tieferen, meinethalben sogar ernsthaften Sinn — genau um das Falsche geht, das er in Grass‘ Tun erkennt. Für Weidermann ist das, was Grass tut, buchstäblich, Real-Satire. Wo Grass‘ Dichterei die ganz ernste Frage provoziert, ob er, Grass, das wirklich ernst meinen kann, scheint mir eine Antwort, die genau dieselbe Unklarheit produziert, sehr angemessen. Man muss zugeben, dass man das so sehen kann, auch wenn man selbst es so nicht sehen will. Das nicht zu erkennen und das eigene Defizit zum Problem der anderen zu machen, das ist für mich in der Tat humorlos.
    Lustig ist ferner, dass Sie der FAZ-Online-Redaktion geradezu vorwerfen, so gehandelt zu haben, wie Sie es eigentlich von Online-Redaktionen verlangen: Die FAZ hat einen korrekten „Teaser“ getextet. „Aber man weiß ja, wie die traditionell für Teaser zuständigen Online-Redaktionen samstags besetzt sind und arbeiten“, nicht wahr, Herr Schwarze, das weiß man, deswegen kann das eigentlich nicht richtig sein, und weil es nicht richtig ist, ist es ein „Irrglaube, die FAZ hätte sich inzwischen auch ihrer Internetleserschaft zugewandt“ sowie „die Unfähigkeit, sich aufs Digitale einzulassen“. Talk about self-fulfilling prophecy, Herr Schwarze.

    Der Humor der Humorlosen ist unfreiwillig.

    Antworten
  25. Michael Ott

    Herr Schwarze,
    „Hieraus 1 und 1 zusammengezählt: Die Nachricht erschien plausibel.“
    Und das nennen Sie journalistisch tätig sein und die Internet-Öffentlichkeit ernst nehmen?
    In Zukunft einfach mal ein bisschen nachdenken bevor blind getwittert wird!

    Antworten
      1. Michael Ott

        mit diesem tweet hat die FAZ auf den Artikel aufmerksam gemacht, das ist doch nicht blind getwittert.

        Antworten
  26. t-bag

    Ganz ehrlich, hätte ich den Artikel hier jetzt nicht im Bildblog verlinkt gesehen, dann hätte ich bis an mein Lebensende geglaubt, dass der FAZ Artikel der Wahrheit entsprach.
    Ich bin da wirklich ebenso drauf reingefallen und hab mich etwas über die SZ amüsiert, auch weil ich so etwas nicht von der FAZ erwartet hätte.

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  27. Lars Mangold

    Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen. Aufgrund ihrere Sensationsgier („Breaking…“) sind sie einer Ente aufgesessen. Peinlich für sie, noch peinlicher, dass Sie jetzt die Schuld anderswo suchen.

    Antworten
    1. msc Artikelautor

      Sie erinnern mich an die alten Griechen hinsichtlich der Überbringer einer schlechten Nachricht.

      Nicht aufgrund von Sensationsgier bin ich einer Ente aufgesessen. Sondern aufgrund der Ente bin ich ihr aufgesessen.

      Antworten
      1. Wendy Gondelntrauertragen

        Allerdings sagt die Tatsache, dass Sie sich auf eine Ente setzen, die sehr laut quakt: „Ich bin eine Ente!“, wohl doch etwas anderes über Ursache und Wirkung aus, als Sie es mit der Fabel über den griechischen Boten zu tun beabsichtigen.

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  28. dingens

    “ das Satiremagazin „Titanic“ hätte die Persiflage eines Grass-Gedichts auch nicht besser hinbekommen.“

    Früher haben die Leser solche Sätze noch verstanden!

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    1. msc Artikelautor

      Mag sein. Spätestens in der Printversion aber werden Sie nicht mehr als FAZ-Leser ernst genommen. Da fehlt dieser Satz – und der Artikel erscheint mit der Einleitung „Dem Satiremagazin „Titanic“ ist es gelungen, ein Gedicht …“ unter der Schalgzeile „Nachrichten“.

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  29. Rainer

    „Wenn du denkst du denkst, denkst du nur du denkst, denn das denken der Gedanken ist ein gedankenloses denken“
    Dieser Satz ist NICHT von mir. Wahrscheinlich auch nicht von GG.
    Wer aber „Twitter“, „Facebook“ und „BILD“ als Leitmedien und seriöse Quelle betrachtet und meint dies könnte man ungeprüft übernehmen, dem gehört es nicht besser. So werden Nachrichten allmählich unglaubwürdig.
    Vor Jahren las ich bei einem Film ( ich glaube es war „Eine total, total verrückte Welt“ aus den 1960er) im Vorspann:
    „Handlung, Orte und Personen sind frei erfunden. Wer sich trotzdem betroffen fühlt (Zusatz von mir: es glaubt) ist selbst daran Schuld.“
    Dieses oder ähnliches gehört als Vorspann in „Dokusoaps“ und in die Überschrift für Quellenangaben der obigen.

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    1. Kinch

      „Dieser Satz ist NICHT von mir.”

      Und ich dachte schon, die Anführungszeichen wären nur Dekoration.

      Aber was ich eigentlich fragen möchte:
      Inwiefern hilft die Feststellung (bzw. Behauptung) Twitter, Facebook und Bild seien keine seriösen Quellen bei der Frage, ob die FAZ eine seriöse Quelle sein will?

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  30. Gregor Keuschnig

    Herr Schwarze, Sie sind doch nur beleidigt, weil Sie in vorauseilender Sensationsgier auf eine Satire der „Sonntags-FAZ“ (die „FASZ“ heisst) hereingefallen sind. Ausgerechnet Sie spielen jetzt die Karte der „Glaubwürdigkeit“? Wie lächerlich.

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    1. msc Artikelautor

      Herr Keuschnig, ich habe nichts gegen eine gute Saalschlacht an geeigneter Stelle im Netz. Notfalls lasse ich mich auch als Leser eines guten Textes beleidigen, wenn’s dem Weiterkommen dient. Doch dies war ein schlechter Text an ungeeigneter Stelle. Ich erwarte von den FAZ-Nachrichten die Wahrheit und nichts als die Wahrheit. Keine Spielchen damit.

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  31. SvenG

    Lieber Herr Journalist:
    überprüft man heutzutage keine Fakten mehr, bevor man sie veröffentlicht? Nicht ein einziger Anruf bei Grass oder SZ? Und dann jammern, dass man reingefallen ist.. seriously?

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  32. John

    Meine Güte, ist das hier jetzt auch Satire? Wenn nicht: schalten Sie dringend einen Gang zurück. Neun von zehn Lesern haben den Weidermann-Text online und offline sofort als satirisch erkannt. Nur weil Sie und einige andere Twitter-Hysteriker endlich auch mal einen Skandal entdecken wollten und auf den Zug aufsprangen, müssen Sie nun nicht so tun, als sei durch die gekonnte Weidermann-Polemik irgendwem außer Ihnen und Ihrem Twitter-Ruf ein Schaden entstanden. Zeitungen müssen nicht nur glaubwürdig sein, sondern auch überraschen können. Wenn Sie davon überfordert sind, dann bleiben Sie doch einfach bei der Regionalzeitung, für die Sie arbeiten – oder bei diesem bemühten, humorlosen Blog.

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  33. Ji

    Meine Güte, Regen Sie sich mal ab, schalten Sie einen Gang zurück. Das war für 90% aller Leser klar als Satire erkennbar in der FAS. Nur weil sie wie ein paar Twitter-Hysteriker darauf reingefallen sind, müssen Sie jetzt nicht so tun, als wäre durch die Glosse irgenwem ein Schaden entstanden. Zeitungen sollten nicht nur glaubwürdig sein, sondern auch überraschend. Wenn Ihnen das zu viel ist, lesen Sie einfach nur die Regionalzeitung, bei der Sie arbeiten – und bleiben bei Ihrem humorlosen Blog.

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    1. siepert

      Ich bin unglaublich froh, dass die Kommentare bezüglich ihrer Einschätzung der Situation sehr einhellig sind. Ich hätte den Glauben an die Menschheit verloren, wenn man sich hier gemeinschaftlich auf ein skandalöses Vergehen der FAZ geeinigt hätte.

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    2. Lars Friedrich

      Reden wir hier über Zeitungen oder Boulevard-Blätter?

      Von einer Zeitung erwarte ich z.B. Meinungen in entsprechend gekennzeichneten Kommentarblöcken und nicht als in Fakten verpackte Nachricht. Ich erwarte vielleicht überraschende Nachrichten, aber nicht überraschend keine Nachrichten. „Keine Nachrichten“ sollten immer gekennzeichet sein – halt als Werbung, Meinung oder ggfs. halt auch Satire. Kann man ja am Ende des Textes machen, um die „Spannung“ nicht zu verderben.

      Oder um den Pressekodex zu zitieren:
      „Zur Veröffentlichung bestimmte Informationen in Wort, Bild und Grafik sind mit der nach den Umständen gebotenen Sorgfalt auf ihren Wahrheitsgehalt zu prüfen und wahrheitsgetreu wiederzugeben.“

      Wenn ich jede Nachricht einer Zeitung auf den Wahrheitsgehalt prüfen muss, dann brauche ich eigentlich die Zeitung nicht mehr, denn sie erfüllt nicht den Zweck, für den ich sie kaufe.

      Man stelle sich vor, die Bild würde demnächst bei jeder Rüge einfach sagen:“Diese menschenunwürdige Berichterstattung war natürlich nur Satire und nicht ernst gemeint, jeder, der uns ernst genommen hat, ist selbst Schuld.“ Da würde auch jeder sagen, dass die es sich dann etwas einfach machen.

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      1. Klaus

        Es ist faszinierend zu sehen, wie es tatsächlich Leute gibt, die einen solchen Text tatsächlich ernst genommen haben. Herr Schwarze, sie sollten sich das Browser-Addon „Sarcasm Marker“ besorgen (gibt es für alle gängigen Browser), dann passiert ihnen so ein Fehler nicht mehr.

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        1. rofl

          Es ist faszinierend zu sehen, wie es tatsächlich Leute gibt, die einen solchen Text tatsächlich mit dem tatsächlichen Unglaubwürdigkeitsargument tatsächlich verteidigen, obwohl er im Netz doch tatsächlich ausreichend geglaubt wurde (empirischer Nachweis).

          Da sollte sich sich eventuell mal wer das Hirn-Addon 0.001 besorgen (gibt es für alle gängigen Kleingrößen), dann passiert so ein Fehler (Ausblenden der Realität) tatsächlich oft nicht mehr.

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