Ein Brief ist ein Brief und kein Nachteil

Ein nach eigenen Worten „älterer Rentner“ hat sich heute bei mir schriftlich dafür entschuldigt, dass er „ohne moderne Kommunikationsmittel lebt“ und mir sein Anliegen deshalb nicht per Mail, sondern mittels eines handgeschriebenen Briefes übermittelt.

Was der alte Herr nicht ahnt: In Wahrheit bedient er sich damit des Kommunikationsmittels, was zumindest bei mir in der Wertigkeit (wieder) ganz oben steht.

Mails pro Tag in meinem Posteingang? Rund 200, Tendenz steigend. In der Summe kaum noch beherrschbar. Zudem wirken alle Mails im Eingang erst einmal völlig gleich.

Handgeschriebene Briefe pro Tag in meinem Postkörbchen? Ein bis zwei. In der Wirkung immer noch unübertroffen: Anders als Mails werden sie am Tag ihres Eingangs garantiert gelesen, und immer sagen sie mehr als Mails. Schrift, Papier, Tinte, Aufmachung, Kuvert, Briefmarke – alles sind hilfreiche Signale.

Egal welchen Alters: Hört bitte nicht auf, Briefe zu schreiben.

Oder fangt wieder damit an.

Update 1

Heute habe ich eine lange Antwort auf meinen Blogpost bekommen – in Form eines BRIEFES von einem spannenden Zeitgenossen, mit dem ich seit längerer Zeit immer mal wieder per Mail kommuniziere. Sein Einstieg in seiner Brief-Reaktion auf meinen Blogbeitrag: „Okay, dann schreibt Ihnen ein paar Zeilen jetzt auf diesem neuen alten Weg der…“ (es folgt dann eine private Beschreibung seiner selbst).

Ich stecke mir diesen Brief jetzt ein – und werde ihn heute abend lesen. Bei einem guten Glas Wein. Und in aller Ruhe. Noch ein Vorteil eines klassischen Briefes im Vergleich zum scheinbar überlegenen Mail…

Danke, Herr E. aus M.!

 

Update 2

Leser Heinz-Albert Ellner aus Mayen hat mir als Reaktion auf meinen Blogbeitrag einen langen klassischen Brief geschrieben. Und einen Beitrag in gereimter Form darüber unter anderem auf Facebook sowie auf seiner Website http://www.lyrikportal.de/ veröffentlicht.

Christian Lindner

7 Gedanken zu „Ein Brief ist ein Brief und kein Nachteil

  1. Isabell

    Ein Gutes hat die Email aber: Ohne sie wäre der einfache Brief nicht wieder so etwas Besonderes geworden. Wenn ich daran denke, wie sich die Menschen freuen, wenn man ihnen heutzutage doch tatsächlich mal eine Nachricht auf einem Stück Papier zukommen lässt… vielleicht ist das die eigentliche Berechtigung für Mails, SMS und Kommentare auf der FB-Pinnwand, dass der althergebrachte Brief wieder die ihm gebührende Wertschätzung erlangt!

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  2. Frank

    Für das Übermitteln von Mitteilungen scheint eine eMail in unserer „beschleunigten Zeit“ weitaus sinnvoller zu sein, eine schnelle Zustellung ist gewährleistet. Ich persönlich werde das Briefeschreiben per Hand aber niemals einstellen wollen, da ich mir einbilde, mich dabei wesentlich intensiver mit meinen Aussagen beschäftigen zu müssen – ungern sollen mir dabei Schreibfehler unterlaufen, eine automatisierte Rechtschreibprüfung gibt es da gottlob noch nicht. Und stellen Sie sich eine „Liebes-eMail“ vor, die gegen einen handverfassten Liebesbrief (eventuell gar nach alter Manier leicht parfümiert) bestehen kann. Wäre es vermessen, den Begriff „Verflachung“ in den Raum zu stellen?

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  3. Stefan

    Ich schicke Ihnen persönlich mal nach meinem Urlaub und der Sommerpause einen Leserbrief.

    Und wenn der nicht veröffentlicht wird – dann dürfen Sie 50 Euro an die Polenstiftung unserer BBS in Mainz spenden.
    Dann kommt die Stiftung wenigstens mal in die Zeitung …

    Ansonsten erst mal schöne Ferien, Gruß Bubach

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  4. Christian Lindner

    @Stefan: Da halte ich gegen. Ich wette gerne mit Ihnen, dass die Rhein-Zeitung auch 2022 noch Leserbriefe veröffentlichen wird, die uns per Post erreichen.

    Was soll unser Einsatz sein?

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  5. Stefan

    Erst mal schön, dass Sie wieder bloggen!

    Als Auch-Alter-Herr bin ich aber schon skeptisch was die Meinungsfreiheit angeht…

    Seit 10 Jahren wird kein Briefleserbrief mehr veröffentlich…

    Next Letter to you oder hier im Blogforum!

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  6. P. Block

    „In Wahr­heit hat der alte Herr damit das Kom­muni­kati­ons­mit­tels genutzt, was bei mir die größte Beach­tung findet.“

    Tolles Sprachgeschwurbel. „Komm bei mich, ich bring´Dich Deutsch…“ Ich liebe Journalisten, die die Sprache beherrschen, derer sie sich bedienen!

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  7. Carl-Bernhard von Heusinger

    Schöner Blog! mein Sohn (7 Jahre) bekam vor 3 Tagen seinen ersten Brief. von jemandem die ihm sehr wichtig ist. er war erstaunt, gerührt und sehr glücklich! Gruß CBvH

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