Die Bewerberin, die sich ausspioniert sah

Es sind nicht nur Kulturpessimisten, die sagen: Im Internet benehmen sich bemerkenswert viele Menschen ganz anders als im normalen Leben. Viele von uns, die viel in den sogenannten Sozialen Netzen unterwegs sind, werden es bestätigen können: Im Web ist der Ton viel schneller viel rüder als von Angesicht zu Angesicht. Und oft fehlt der Anstand von Anfang an. Und für Missverständnisse ist das Netz geradezu ein Komposthaufen, der wild wuchernde Auswüchse fördert.

Ich nehme vieles von dem gelassen – weil es halt so zu sein scheint, weil ich es nicht ändern kann, weil ich auch nicht auf jeden Kommentar antworten muss, weil ich nicht jeden Troll füttern muss. Aber das, was mir heute via Web unterkam, das beschäftigte mich doch stärker als mir lieb ist. Also blogge ich darüber.

Um meinen Prolog abzurunden: Ich habe ein Herz nicht nur für junge Redakteure und Volontäre, sondern auch für Volontärsbewerber. Grundsätzlich begegne ich jungen Leuten, die in unseren Beruf wollen, offen. Und ich helfe ihnen auch gerne. Vor diesem Hintergrund passierte mir heute folgendes:

Um 1.05 Uhr ging heute morgen in einem Postfach dieses Mail ein:

Sehr geehrter Herr Lindner,

gerne würde ich mich für ein Volontariat bewerben. In welchem Zeitraum wäre dies konkret erwünscht und wann nehmen Sie neue Volontäre auf?

Für Ihre Antwort danke ich im Voraus.

Mit freundlichen Grüßen, Erika Mustermann*

* Der tatsächliche Name tut nichts zur Sache

Obwohl bei mir täglich viel zu viele Mails eingehen, habe ich (siehe oben) der wahrscheinlich jungen Dame noch am Vormittag geantwortet. Es war sogar das erste Mail, das ich heute verschickte. Wortlaut:

Sehr geehrte Frau …,

bitte wenden Sie sich per Mail an unsere Volontärsausbilderin Vorname.Name@rhein-zeitung.net

Tipp vorab: Etwas mehr als Ihren Namen und Ihr Interesse sollten Sie auch bei der ersten Kontaktaufnahme schon verraten.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Lindner*

Rhein-Zeitung

Chefredakteur

Tel.:   +49 261 892 221

Fax:   +49 261 892 684

Mail: christian.lindner @ rhein-zeitung.net

Twitter: http://twitter.com/RZChefredakteur

* Bewusst wie immer mit allen Kontaktmöglichkeiten versandt

Was ich ihr damit andeuten wollte: Für einen Chefredakteur wie für die aufgrund der Bewerbermenge unerlässlichen Vorsichter ist es schlicht unerquicklich und wenig praktikabel, mit Aspiranten zu tun zu haben, die außer ihrem Namen und ihrem Interesse an einer Ausbildung nichts über sich verraten.

Verbreitungsgebiet oder von ganz woanders her, noch in der Schule oder am Ende des Studiums, ganz jung oder vielleicht Mitte 30, Twitteraccount oder Website – alles weder Freifahrtschein noch Hinderungsgrund für ein Volontariat, aber für die Einstufung von Interessenten unerlässlich. Hinzu kommt: Ich schätze Mailabsender generell nicht sonderlich, die außer ihrem Namen nichts über sich verraten – erst recht dann nicht, wenn sie sich für eine Ausbildung in unserem Verlag interessieren.

Ich meinte, dem jungen (?) Talent (???), das wahrscheinlich auch andere Verlage so unkommunikativ anmailt, damit einen hilfreichen Tipp gegeben zu haben.

Zur Mittagszeit aber wurde ich von der angehenden (?) Journalistin eines Besseren belehrt. Sie antwortete mir – diesmal ohne jede Anrede und auch ohne Gruß oder Unterzeichnung:

Wollen Sie mich nach meiner ersten Anfrage schon ausspionieren und mich zuhause besuchen? Wozu brauchen Sie meine Adresse, habe ich Ihre?

Das finde ich ganz schön unhöflich und erwarte ich nicht von einem Chefredakteur.

Tipp vorab:

Mit so einem Vorgesetzten will ich nicht arbeiten!

Paff. Das saß. Und nagte: Da willst Du jemandem bei seinem Weg in die Medien helfen – und musst Dich auf einmal fragen, ob Du wie jemand rüberkommst, der Volontärsbewerberinnen schäbig die Adresse entringen möchte, um sie zuhause heimzusuchen???

Eine gute Methode zum Entwirren von solchen Gedankenknäueln aber ist ja, zumindest bei Schreibern, das Schreiben. Also dachte ich nach. Und schrieb der Ex-Bewerberin:

Sehr geehrte Frau …,

Danke für Ihre bemerkenswerte Antwort.

Bei cirka 200 Mails, die mich täglich erreichen, und mehreren hundert Bewerbungen für Volontariate, die wir im Laufe eines Jahres bekommen, wüsste ich schon gern über den Namen hinaus, wer da bei uns anklopft.

Damit meine ich beispielsweise eine Adresse – wie sie jeder nennt, der mit uns ernsthaft schriftlich Kontakt aufnimmt. Vielleicht auch Angaben zur Lebensphase (kurz nach dem Abitur, im Studium, am Ende des Studiums…)

Mit Ausspionieren oder gar zuhause besuchen wollen hat das nun wirklich nichts zu tun.

Ich weiß, dass meine Chefredakteurs-Kollegen bei gleichsam nahezu anonymen Mails ähnlich denken. Wie Sie mit diesem Rat umgehen, ist Ihre Sache.

Was das Netz aus Umgangsformen macht, ist leider nicht mehr nur Ihre Sache.

Viel Glück bei Ihrer Suche nach einer Volontariatsstelle – dann wohl doch besser bei einem anderen Verlag.

Mit freundlichen Grüßen

Christian Lindner*

* wieder mit allen Kontakt-Infos, der Kürze wegen hier weggelassen

Eine erneute Antwort der schleierhaften Dame habe ich bislang nicht bekommen. Und ich möchte auch nicht noch einmal per Mail von ihr angemault werden. Im Gegenteil: Ich bin der Unbekannten dankbar, dass sie uns durch ihr hinreichend eindeutiges Benehmen erspart hat, ihr weiter unnütz Zeit zu widmen.

Die können wir dann in die Beratung und Begleitung von anderen journalistischen Talenten investieren, die auch im Netz nicht zu Rüpeln und/oder Prinzessinnen auf der Argwohn-Erbse mutieren. Ja, das stimmt: Unsere Volontärsausbilderin coacht Talente schon vor dem Volontariat regelrecht. Weil wir ein Herz für junge Journalisten haben. Wenn man einfach nur vernünftig mit uns redet.

Etwas Gutes aber wird auch dieses unerfreuliche Kapitel von Fehl-Kommunikation haben: Schon lange hatte ich vor, aus Sicht eines Chefredakteurs, der seit 14 Jahren Volontärsbewerber auswählt, zu schreiben, womit sich junge Leute den Weg in ein Volontariat verbauen oder ebnen. Die Do’s and Don’ts für Volontärsbewerber halt. Bald nun schreibe ich das tatsächlich nieder. Von der Kontaktaufnahme (natürlich mit Adresse!) angefangen bis zum Bewerbungsgespräch (nein, nicht in den Klamotten, in denen man sich am wohlsten fühlt). Versprochen. Und bald in diesem Blog zu lesen.

Danke also für Ihren Anschiss, Frau Anonyma Irgendwo!

Wenn Sie uns mehr von sich verraten wollen: Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung.

Wenn Sie uns mehr von sich verraten wollen: Wir freuen uns auf Ihre Bewerbung.

Christian Lindner

103 Gedanken zu „Die Bewerberin, die sich ausspioniert sah

  1. Pingback: Wochenrückblick #16 » ÜberSee-Mädchen

  2. DragonDaniela

    Interessant, was man so als potenzieller Arbeitgeber alles zu lesen bekommt. Bin sehr gespannt auf den Eintrag über die Do’s and Don’ts. Scheine ja selbst auch seit einem Jahr etwas falsch zu machen.

    Antworten
  3. Pingback: Der Chefredakteur, der sich von einer Bewerberin angeschissen sah | the hobo and the gypsy

  4. Stefan

    Tue ich jetzt jemandem „böse“ – bitte um Entschuldigung. Aber der Thread könnte jetzt vielleicht geschlossen werden?

    Alle Lehrer sind aufgerufen, den „Kids“ etwas mehr bei den Bewerbungen zu helfen, oder?

    Ob allerdings die Lehrer an allem Schuld sein könnten – das wäre wohl ein anderes Blog wert!

    Antworten
  5. TmKrtzr

    Das WIRKLICH Bemerkenswerte am Internet ist – in meinen Augen – gar nicht, dass Menschen sich anders Benehmen, als „in Echt“ (ich benutze den Ausdruck aus Hilflosigkeit – eigentlich halte ich das Internet für sehr echt), sondern die Liebe zur absoluten und völligen Nichtigkeit. Da hat doch der Chefredakteur trotz 200 E-Mails pro Tag (der nackte Wahnsinn!) nicht nur Zeit, wertvolle Lebenstipps zu geben, sondern auch, 940 Wörter darüber zu schreiben. Und dann noch mal 745 zur Rechtfertigung, warum er das gemacht hat (latürnich! wegen der Allgemeingültigkeit. Ist aber kein Altersskeptizismus, bestimmt nicht. Steht da extra).

    Da ich selbst auf der „das war doch gar keine Bewerbung“-Seite stehe, konnte ich nicht anders als im Ursprungstext folgende Aussage zu lesen: „Mimimimimimimi! Jemand den ich nicht kenne, war doof zu mir, obwohl ich’s doch nur gut gemeint hab'“. Und das, wo sich der Autor doch Medienkompetenz zugeschrieben hatte.

    Persönlich finde ich den Blogeintrag also genauso daneben, wie die entgleiste Antwort der Nicht-Bewerberin, wenn auch auf ungleich höherem Niveau. Dieses möchte man aber auch erwarten, Herr Lindner hat ja sein Volontariat lange hinter sich.

    Erstaunlicherweise verpufft all dies nicht ungelesen in der vielbeschworenen Blogosphäre. Im Gegenteil: Heerscharen von Kommentatoren stimmen in das misstönende Klagelied ein und echauffieren sich über die mediale Inkompetenz von Frau Anonyma Irgendwo (wahnsinnig cleverer Spitzname übrigens – hab mich halb tot gelacht). Immer dran denken: kein Altersskeptizismus! Natürlich regt sich auch Widerspruch und irgendwo hört man sogar die leise Stimme, die auf diese Sache mit der Geheimsphäre und den zugehörigen Gerichtsurteilen hinweist.
    http://www.aufrecht.de/news-und-beitraege/gefahren-des-web-20-finger-weg-von-emails-und-briefen-unautorisierte-veroeffentlichung-ist-tabu.html

    Und dennoch: nichts davon ist relevant für irgendwen, macht irgendwen besser, reicher oder glücklicher und was mache ich? Ich füge meinen genauso belanglosen und irrelvanten Senf dem ganzen Quatsch hinzu weil es mir nicht gelingt, einfach den Babbel zu halten und mich mit meinen eigenen 200 E-Mails zu beschäftigen. DAS ist das wirklich Bemerkenswerte.

    Antworten
  6. DL2MCD

    @Frank Kemper: „Offenbar zieht der Journalismus merkwürdige Menschen an.“

    Ja, den Eindruck habe ich schon lange. Schon der erste Redakteur, den ich mit 16 kennenlernte, war ein sehr eigenwilliger Mensch, auch wenn ich mich mit ihm immer gut verstanden habe.

    Daß man in den 80ern, bevor es bergab ging, in München Studenten dazu verführte, ihr Studium zu schmeißen, mit den Worten „komm zu uns, da bläst Dir die Industrie Puderzucker in den A…“, hat die Lage auch nicht verbessert. Es sind im Journalismus manch abgestürzte Existenzen unterwegs, die in anderen Branchen keine Chance hätten.

    Daß manch Journalismusinteressent das freche Quaken einer TV-Moderatorin eines Shoppingkanals oder solche TV-„Glanzleistungen“ wie „tolle Action, alles blinkt hier so “ beim Amoklauf-Report für Journalismus hält, vollendet schließlich die Malaise.

    @Christian Lindner: Ja, da kann man nur zustimmen. Und nein, ich meinte natürlich nicht, daß man einen Chefredakteur nicht anschreiben darf/soll, aber wenn, dann halt nicht mit einer Trivialfrage wie „Entschuldigung, können Sie mir vielleicht verraten, wo hier die Toiletten sind?“ sondern etwas sinnvoller. 😉

    Antworten
  7. Christian Lindner

    Zwei Dinge vorab:

    Ich hätte über die beiden Mails der angehenden Volontärs-Bewerberin nicht gebloggt, wenn dieser Fall bei aller Absonderlichkeit nicht auch beispielhaft für zunehmend mehr junge Menschen ist, die ebenso unvorbereitet wie unbeholfen auf die Berufswelt treffen. Das ist kein Altersskeptizismus, sondern untermauerbare Beobachtung aus jahrzehntelanger Arbeit mit Praktikanten, Volontärsbewerbern, Volontären und jungen Redakteuren. Da hat sich in punkto Haltung, Auftreten und Anspruch etwas verändert – längst nicht bei allen, wohl aber bei zunehmend mehr Interessenten für unsere Profession. Das macht uns Sorgen. Mit „uns“ meine ich meine Kollegen bei der Rhein-Zeitung, die mit viel Herz Volontäre ausbilden – aber ich meine Kollegen Chefredakteure, die vielfach ähnliche Tendenzen feststellen.

    Ich denke aber, dass es wenig Sinn macht, dass wir Einsteller und Ausbilder nur unter uns darüber reden. Es scheint mir sinnvoller zu sein, unsere Beobachtungen, Sorgen und Hinweise denen transparent zu machen, die ernsthaft Journalisten werden wollen. Deshalb dieses Posting, deshalb auch dieser Kommentar zu nachtschlafener Zeit.

    Nun konkret zu einigen in den Kommentaren angesprochenen Punkten:

    Ja, ich weiß auch, dass das erste Mail der jungen Frau noch keine komplette Bewerbung, sondern eine erste Kontaktaufnahme war. Nein, ich verlange nicht, dass mir schon beim Erstkontakt das komplette ausgebreitet Leben wird. (Das verlange ich auch nicht vor der Vergabe einer der begehrten Volontärsstellen.) Ich weiß aber, dass es eine sinnvollere Art des Erstkontaktes gibt. Ich weiß das deshalb, weil etliche andere Bewerber schon beim ersten Anklopfen einen ganz anderen Eindruck machen. Etliche davon, die das bereits vor einigen Jahren auch per Mail gemacht haben, arbeiten heute bei uns fest als Redakteur. Wie so ein Mail beispielsweise aussehen kann, habe ich in meinem vorigen Kommentar skizziert. Im Kern geht es dabei darum, hilfreiche Informationen über sich zu geben, sich schon damit von anderen Bewerbern zu unterscheiden und – am wichtigsten – zu beginnen, das grüne Band der Kommunikation zu weben.

    „Sie hätte ihre Anfrage an die Personalabteilung richten sollen“: Nein, das sehe ich anders. Es macht für Volontariats-Aspiranten durchaus Sinn, schon im frühen Stadium ihrer Bewerbung mit Chefredaktionen in Kontakt zu treten. In der Personalabteilung wird ein Sachbearbeiter eher formal antworten, in der Chefredaktion hingegen kann ein pfiffiger Bewerber schon mal einen ersten Unterscheidungs-Dübel verankern. Gedankliches Muster: „Interessantes Mail, schreiben kann die offenbar, den Namen merk ich mir mal, mit Sternchen in den Stapel.“ Keine Sorge: Es ist kein Fehler, die Personalabteilung anzumailen. Aber wer sich schon die Mühe macht, den Namen des Chefredakteurs und seine Mailadresse zu recherchieren, der sollte dann auch ein Chefredakteur-affines Mail schreiben und ihm keine reine Sachbearbeiter-Frage stellen. (Siehe „mein“ Mail im Kommentar weiter oben.)

    Privatadresse ist Privatsache? Ja mein Gott, wenn jemand eine Stelle will, kann er doch spätestens bei der Bewerbung seine Adresse nicht mehr verheimlichen. Und ich sage ganz offen: Mails, die nur mit einem Namen enden, tendieren für mich nur ganz knapp über der Kategorie „Anonymes Schreiben“. Und wo die landen, ist bekannt.

    Freemailer-Adressen bei Bewerbungen sind problematisch? Adressen wie hasi86@gmx.de reichen Bewerbern in der Tat nicht zur Ehre. Gegen Adressen wie vorname.name@gmx.de aber habe ich gar nichts.

    „Bei vielen (Bewerbern) scheint ihr Mut und ihre Kraft nur dafür zu reichen, mal eine forsche Ansage zu machen, danach ist oft Schluss.“ (Kommentar 79, Frank Kemper): Das ist für mich der Kern der Problematik. Der Weg zu einem Volontariat ist kein Ponyhof, das Arbeiten bei Medien auch nicht. Bewerber müssen auch Ablehnungen, Frustphasen und neue Anläufe aushalten können. Noch wichtiger aber ist: Bewerber müssen sich auf das Medium einlassen, bei dem sie ausgebildet werden wollen. Wer Kommunikations-Profi werden möchte, sollte schon beim Start in diese Profession beweisen, dass er auch in einer Bewerbungssituation recherchieren, verstehen, verdichten, formulieren und sachgerecht kommunizieren kann. Und genau da erleben wir Sortierer, Auswähler und Ausbilder längst nicht nur, aber leider betrüblich viele Fehlleistungen junger Leute, die lange zur Schule und Uni gegangen sind und angeblich für unseren Beruf brennen: Rechtschreibfehler in Bewerbungsschreiben. Falsch geschriebener Zeitungsname. Völlige Unkenntnis über Verbreitungsgebiet oder Blattkonzeption. Fehlender Mut von angehenden Journalisten (!), im Bewerbungsgespräch selber Fragen zu stellen. Hilfloses Kreisen um sich selbst im „Irgendwas mit Medien“-Nebel.

    Mehr dazu in Kommentar 19 – verfasst von unserer Volontärsausbilderin Regina Theunissen, die täglich beim Umgang mit Anfragen und Bewerbungen mit diesen Defiziten zu tun. Die aber auch genügend für unseren Beruf bestens begabte Talente findet und ausbildet, die zeigen, dass es auch anders geht. Denn auch diese jungen Leute gibt es. Deren Tweets (ja, auch so wurden erfolgreiche Bewerbungs-Dialoge schon begonnen!), Mails oder auch Briefe (nach wie vor ein probates Mittel!) lesen wir unverändert gerne.

    Antworten
  8. Christian Lindner

    Hier ein Vorschlag, wie ich anstelle der Bewerberin schon beim ersten Kontakt geschrieben hätte – oder wie ein Mail ausgesehen hätte, das ich als Chefredakteur weiter oben auf meiner Liste bei der Suche nach interessanten jungen Talenten gesetzt hätte:

    Sehr geehrter Herr Lindner,

    ich stamme aus Franken*, studiere derzeit an der Universität Mainz Publizistik und werde mein Studium Mitte 2013 mit dem Magisterabschluss beenden. Danach möchte ich nicht „irgendwas mit Medien“, sondern ein Volontariat ganz bewusst bei einer Regionalzeitung machen.

    Können Sie mir mitteilen (gerne auch mitteilen lassen), wie die Chancen dafür bei Ihrer Zeitung generell stehen, wann die Rhein-Zeitung wieder Volontäre ausbildet und bis wann ich mich dafür auf welchem Weg am besten dafür bewerbe?

    Sie oder Ihre Kollegen erreichen mich per Mail via vorname.name@gmx.net, bei Bedarf auch mobil unter 0171/123 45 67.

    Wenn Sie jetzt schon mögen, können Sie über meinen Twitteraccount @kolumna oder meinen Blog http://www.kolumnasnotizen.de mehr über mich erfahren.

    Beste Grüße aus Mainz

    Erika Mustermann

    * wie alle anderen konkreten Angaben reine Annahmen

    Antworten
  9. MArko Hrbat

    Dies ist nicht direkt für Herrn Lindner, sondern für die vielen Personaler, die hier herumjammern, sie würden das auch alles kennen:

    Erwarten wirklich alle Personalverantwortlichen, dass Bewerber schon alles können?

    Wenn ja, müßten diese junge Menschen nicht irgendwo eine Ausbildung anfangen.
    Es wird den Jugendlichen oft vorgeworfen, sie würden sich gerne ins gemachte Nest setzen wollen.

    Umgekehrt wird ein Schuh draus:
    Die Ausbilder, die selbst von ausbildungswilligen Menschen profitiert haben, wollen selber nicht ausbilden, sondern erwarten bereits fertige Allrounder,
    die man für ein Azubi-Appel-und-ein-Ei die Arbeit einer Vollzeitkraft machen lassen kann.
    (Stichwort: 1000-Euro-Generation)

    Wer Beispiel dafür möchte, muss sich nur die Forderungen der Großunternehmen und deren Verbänden nach Zuzug ausländischer Fachkräfte (die oftmals nicht mal deutsch und nicht selten schlecht Englisch können!) durchlesen.
    Sollen die Unternehmen die Fachkräfte selber ausbilden!
    Tun sie aber nicht.
    Wieso eigentlich nicht?
    Ist zu teuer. Soll doch der Staat machen.

    Antworten
  10. puck of pook's hill

    na, das wäre doch eine spitzenjournalistin geworden: beim leisesten gefühl von kritik sofort aggressiv werden — das qualifiziert doch zu höchsten ämtern im journalismus …

    Antworten
  11. Rainer

    @91 von Thomas Breyer-Mayländer

    „Der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs auf der einen und der unreflektierte Umgang mit “Konventionen” auf der anderen Seite sind da eine problematische Mischung.“

    Woher wollen Sie wissen, dass die Interessentin in diesem Fall nicht qualifiziert ist? Darauf spielen Sie ja eindeutig an. Es ist eher sehr schade, dass der potentielle Arbeitgeber nicht willens ist, eine simple Antwort auf eine simple Frage zu geben. Aber dafür gab es wahrscheinlich keinen Textbaustein.

    Antworten
  12. Thomas Breyer-Mayländer

    Lieber Herr Lindner,

    Ihr Erlebnis scheint zwar eine einsame Spitzeleistung einer subjektiv besonders schutzbedürftigen Bewerberin zu sein; das Ganze passt aber sehr gut in das Bild, das ich von anderen Verlagen und anderen Unternehmungen kenne.

    Der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs auf der einen und der unreflektierte Umgang mit „Konventionen“ auf der anderen Seite sind da eine problematische Mischung.

    An den Hochschulen versuchen wir solche Pannen durch aufwändige Schulungsmaßnahmen („Career-Center“) zu verhindern, die eigentlich auf erste Bewerbertrainings aus der Schulzeit aufsetzen. Da sind dann solche Beispiele besonders bitter.

    Ich kann Sie an dieser Stelle nur zu Ihrer klugen und professionellen Reaktion beglückwünschen.

    Herzlicher Gruß
    Thomas Breyer-Mayländer

    Antworten
  13. proforma

    bei solchen bewerbern kann man ja noch froh sein, dass sie einem den namen verraten und nicht nur unter einem pseudonym ein posting absenden

    Antworten
  14. Philipp

    Hallo Herr Lindner,

    ich finde es toll, dass Sie weiterhin interessiert sind an der Diskussion. Ich freue mich auf Ihre Sichtweise!

    Schönen Abend an alle,

    Philipp W.

    Antworten
  15. Robin Urban

    Das erinnert mich an die Bewerber für unser freies WG-Zimmer. Die Hälfte hat es kaum geschafft, ihren Namen zu verraten. Und das bei fast 50 Bewerbern. Ist es da ein Wunder, dass wir die gar nicht erst einladen? Eine Antwort-Email habe ich mir bei denen auch gespart.

    Antworten
  16. Bernhard Jodeleit

    Hallo Herr Sauerwald,

    um das klarzustellen, es geht nicht um die Absenderdomain als solche, sondern um den Gesamteindruck. Wenn ich en passant heruntergeschriebene Zuschriften erhalte, die weder Anschrift noch Telefonnummer noch Vita enthalten, dann beobachte ich in dem Kontext eben häufiger, dass die E-Mail-Adresse entsprechend kryptisch ist – das von Ihnen angesprochene „Hasi76“ ist da durchaus realistisch.

    Herzlich

    Bernhard Jodeleit

    Antworten
  17. Timo Rieg

    @79 Frank: Naja, es kann schon gegen das Urheberrecht verstoßen. Aber a) fehlt es hier an der Schöpfungshöhe. Und b) haben wir ein Zitatrecht (§ 51 UrhG), das – entgegen landläufiger Meinungen – keine festen „Höchstmengen / -längen“ kennt, sondern im „Umfang durch den besonderen Zweck gerechtfertigt“ sein muss. Da kann eben auch ein Vollzitat nötig sein.
    Weitere Bestimmungen, die gegen die Veröffentlichung einer E-Mail / eines briefes sprechen können, ist u.a. die Verbreiterhaftung (mit der ganzen Palette Beleidigung, unwahre Tatsachenbehauptung etc.) – das alles verlangt keine Identitätsnennung des Autors.
    Viele Grüße, frohes Schaffen!

    Antworten
  18. Christian Lindner

    Kurze Zwischenmeldung von mir als Autor und Auslöser dieser Debatte(kurz nur, weil ich derzeit mit anderen Themen und Arbeiten gebunden bin):

    Danke für ALLE Kommentare und die spannende Diskussion.

    Ich lese jeden Kommentar, und finde die unterschiedlichen Sichtweisen hoch interessant.

    Ich werde noch länger auf die Diskussion und einzelne Punkte eingehen, wahrscheinlich am Sonntag. Weil ich dann frei habe – und weil mir an dem Thema generell viel liegt.

    Bis spätestens dann…

    Antworten
  19. Timo Rieg

    Wozu wollen Sie sich die Arbeit der „Do’s and Don’ts für Volontärsbewerber“ machen? Es ist doch gerade gut, wenn Kandidaten nicht eine Benimm-Liste abarbeiten. Ich finde schon nervig genug, was da an aalglattem Zeug aufgrund der vielen Bewerbungstrainer kommt.
    Je weniger Beratung einer Bewerbung vorausgeht um so ehrlicher, unverstellter ist sie zwangsläufig.

    Antworten
  20. Auch ein Rechtslaie

    @66, paragraphenreiter:

    ganz klar gilt Art 10 GG hier NICHT.
    Diese Schutzbestimmungen gelten unmittelbar nur gegenüber dem Staat bzw. dessen ausführenden Organen.
    Mittelbar gelten sie in Form von Bundes- oder Landesgesetzen. Da kann man dann weiterprüfen.
    Als „Paragraphenreiter“ sollte man das schon wissen. 😉

    Der zitierte Artikel steht auf einem anderen Blatt. Allerdings denke ich, daß in diesem Falle eine Klage wenig aussichtsreich wäre; die wörtlich wiedergegebenen E-Mails erlauben keine Identifizierung der Absenderin.

    Zum Thema selbst: natürlich weiß man nicht unbedingt, daß ein Chefredakteur zu einer solchen Anfrage – die er als Anfang einer Bewerbung begriffen hat – gerne ein paar weitere Informationen hätte. Den Tipp kann man natürlich als oberlehrerhaften RatSCHLAG verstehen, muß man aber nicht.
    Und die Reaktion der potentiellen Bewerberin war weder angemessen noch entsprach sie den üblichen Umgangsformen. Der Hinweis, hier gehe es um E-Mail, nicht mehr um den guten, alten Brief, überzeugt mich auch nicht, ebensowenig wie der Hinweis, man hätte sich als potentieller Arbeitgeber Bewerbern wie gegenüber Kunden zu verhalten. Als Bewerber ist man kein Kunde. Daß das Unternehmen ggf. davon profitiert, einen einzustellen, steht auf einem anderen Blatt. Vorerst ist man sozusagen Bittsteller.

    Antworten
  21. martin

    Klar, das war eine selten dämliche, pampige Reaktion, einfach unprofessionell.
    Aber: Seit wann soll man bei einer solchen Anfrage (die ich sicher nicht an den Chefred schicken würde) seine halbe Lebensgeschichte erzählen?
    Ich wette, dass es genügend Chefs gibt, die dies wiederum als Zumutung empfinden würden (und am Ende womöglich noch in ihrem Blog darüber herziehen.)

    Ich finde es auch ein bisschen zu dolle, so auf eine Person einzuhauen. Klar, anonym, aber wenn sie das hier liest wird sie schon deutlich mehr verletzt sein, als Sie es waren. Ist die Sache nicht zu banal, um sich darüber so genüßlich auszulassen? Eine Sammlung von Patzern wäre vielleicht besser gewesen.

    Bin trotzden sehr gespannt auf die DOs & DON’Ts

    Antworten
  22. Chris

    @paragraphenlaie: „Ratschläge sind eben auch Schläge“ (Gabor von Varga). Von Vorgesetzten darf man doch grundlegende Kenntnisse der Personalführung und der Mitarbeiterpsycholgie erwarten, oder … ?

    Antworten
  23. DL2MCD

    Ich frage mich eher, was für schlechte Erfahrungen die junge Dame bereits mit Chefredakteuren gemacht hat. Es gibt ja welche, die tatsächlich die Besetzungscouch verwenden.

    Entschuldigt natürlich keinesfalls, jemand so ohne Anrede anzufarzen. Das dürfen nur Chefredakteure. Falls sie E-Mail nicht komplett verweigern und sagen „anständige Journalisten benutzen keine E-Mail“.

    (Sorry, beides auch Erfahrungen, ebenso wie das erste, und Anwesende selbstverständlich ausgenommen)

    Nur wieso stellt man so eine Routinefrage nicht an Sekretariat oder Personalabteilung, sondern den Chefredakteur persönlich? Glaubt man, der hat sonst nix zu tun?

    Gegen eine kurze Frage „Wo muß ich mich bewerben und wie?“ ist ja nichts einzuwenden (ich gehe jetzt mal davon aus, daß die Frau die Anzeige nicht kannte). Man will ja nicht gleich jemand komplett zusülzen. Das kann auch negativ wirken.

    Aber inzwischen muß man leider auf alles gefaßt sein. Stalkende Leser, ja, die gehören auch dazu. Und böse E-Mails sind mir im Zweifelsfall immer noch lieber als verleumdende Einträge im Artikelforum.

    Was das „Abwatschen“ bei Tipps betrifft (hallo Gitte 🙂 ):

    Ich habe jahrelang mit meiner Partnerin eine Plattform für Onlinebewerbungen betrieben (bewerbung.net), für Leute Online-Bewerbungsmappen erstellt. Ziel war wirklich, den Leuten zu helfen und eigene Erfahrungen weiterzugeben. Reich wurden wir damit nicht.

    Im Gegenteil: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sah uns als störende Konkurrenz zu seinen Jobbörsen (obwohl wir gar keine Jobbörse hatten, nur auf welche verlinkten), klagte uns in den Bankrott, und Arbeitslose pampten uns immer wieder an, ließen ihren Frust an uns aus, wollten, daß wir umsonst für sie arbeiten…

    Antworten
  24. Frank Kemper

    Nicht nur die Bewerberin, sondern auch viele der Kommentatoren verfahren offenbar nach dem Lebensmotto „Lieber einen guten Freund verloren als eine Pointe verschenkt.“ Übrigens wüsste ich nicht, dass das Veröffentlichen einer Mail oder auch eines Briefes gegen irgendein Gesetz verstößt, wenn keinerlei Rückschlüsse auf die Identität des Autors möglich sind. Sonst wären Polit-Magazine wie Monitor bereits in die Steinzeit zurückgeklagt. Mir fällt auf, dass sich in der Ansprache von Nachwuchsleuten an „gestandene Journalisten“ etwas geändert hat: Bei Vielen scheint ihr Mut und ihre Kraft nur dafür zu reichen, mal eine forsche Ansage zu machen, danach ist oft Schluss. Beispiel: Ich bin stellvertretender Chefredakteur einer Internet-Fachzeitschrift und erhalte gefühlt zehnmal im Jahr von irgendwelchen Leuten eine Anfrage, für/bei uns zu arbeiten. Oft höre ich da einen merkwürdigen „Ha! Ich traue mich was! Damit habt ihr nicht gerechnet!“-Ton heraus, den ich dann sogleich ignoriere. Ich rege beim Autor dann in der Regel an, er möge sich einfach einmal die letzten zwei, drei Ausgaben unserer Zeitung aus dem Netz laden (kostenlos verfügbar), dann könne er sehen, wie wir so „ticken“, und dann würde ich mich über Themenvorschläge von ihm freuen. Ich frage auch, ob er schon irgendwas geschrieben hat und ob man das irgendwo lesen könne. Und wenn wir beide ein gemeinsames Thema gefunden hätten, dann könnte man das durchaus mal ausprobieren mit einem Artikelauftrag, der dann natürlich selbstverständlich auch bezahlt wird. Ich weiß nicht, wie das hier allgemein gesehen wird, aber ich finde ein solches Angebot auf die Frage „Hey, kann ich für euch arbeiten?“ durchaus nicht negativ. Dennoch höre ich von 8 von 10 Bewerbern nie wieder etwas. Auch keine Kritik wie „Ihr zahlt zu wenig/seid uninteressant/euer Autorenrahmenvertrag gefällt mir nicht.“ Offenbar zieht der Journalismus merkwürdige Menschen an.

    Antworten
  25. Ingo Reichardt

    Grüsse miteinander, leider nur all zu wahr, es mangelt an den Basics nicht nur im Wissen, in den Fähigkeiten und Fertigkeiten, sondern auch im kommunikativen Miteinander. Das wie miteinander Umgehen, das Zuhören wie auch das Beantworten von Schriftverkehr/Mails sind Tugenden, die heute leider keine Schule mehr vermittelt. Grosser Respekt, Herr Lindner!

    Antworten
  26. lifesoundsreal

    Ich bin erschüttert, mit welcher Pampigkeit die „Bewerberin“ sich einem potentiellen Vorgesetzten gegenüber äußert. Ich bin zwar noch nicht ganz alt, aber in dem Fall erlaube ich mir ein „Das hätte es früher nicht gegeben…“.

    Antworten
  27. Pingback: Mostheadz, Geometry, 70 Prozent uvm. | Mics&Beats

  28. Steven Hille

    Lieber Herr Lindern,
    Respekt dafür, dass Sie die erste Mail beantwortet und nicht nur an den Zuständigen weitergeleitet haben. Ich halte zwar auch sehr viel von kurzen & knappen Bewerbungsanschreiben, aber keinerlei Informationen ist doch etwas dürftig. Die blubbernde Reaktion der Bewerberin ist aus meiner Sichtweise auch nicht verständlich.

    Antworten
  29. Dirk Luebke

    Angenommen, wir haetten sehr viel Zeit, lieber Christian: Dann fände ich jetzt interessant, die Bewerberin mit Hang zum Alleinstellungsmerkmal persönlich kennen zu lernen. Wer weiss …. Grüße aus Erfurt.

    Antworten
  30. cspi

    Über den konkreten Fall ist hier, so denke ich, nun alles gesagt. Aber was macht man denn mit Bewerbern auf eine Redakteursstelle, die eine wirklich hübsch gestaltete Bewerbung verschicken – dieser aber keinerlei Arbeitsproben beilegen?

    Antworten
  31. Rudi Rüssel

    Ein nicht ganz ernst gemeinter Kommentar sei erlaubt:
    So berechtigt die Kritik des Herrn Lindner ist, umso erstaunlicher ist die Sprache des Chefredakteurs (sic!), die einige Grundkenntnisse der deutschen Sprache vermissen lässt. Oder wählte er bewusst „Jungsprech“?
    Was ist eine „Bewerbermenge“? Ein Relikt der unseligen Mengenlehre der frühen 70er? Was bedeutet das Wortungetüm „anmailt“? Ich glaube, der nächste Volontär sollte sich als zukünftiger Lektor bewerben. Es wäre ein gewinn. Übrigens „hinterlasse“ ich diesen Kommentar nicht – meine Hinterlassenschaften gehören wahrlich nicht in die Zeitung – ich bevorzuge es, einen Kommentar zu verfassen.

    Antworten
  32. Christoph

    Ich sehe es wie Alex (53). Die Mail der Dame war keine Bewerbung sondern eine Bitte um Informationen zum Ablauf einer Bewerbung. Warum sollten darin weitere Angaben zur Person auftauchen? Und dass die Dame vorher die Anzeige gelesen hat, und somit die Informationen schon hätte haben können ist auch fraglich, da sie sich sonst wohl auf die Stellenanzeige berufen hätte.

    Sicher, sie hätte ihre Anfrage an die Personalabteilung richten sollen. Aber Ihre Antwort ist mindestens genauso unpassend.

    Hätte die Dame ihre Adresse und sonst noch etliche Details zu ihrer Person geschrieben, hätten Sie sich vermutlich darüber ausgelassen, dass Ihre Zeit beschränkt sei, Sie sowieso schon sehr viele Mails erhalten würden und sich die Schreiber doch bitte auf das Notwendigste beschränken mögen um Ihre wertvolle Zeit nicht zu vergeuden.

    Antworten
  33. MArko Hrbat

    >>m Gegenteil: Ich bin der Unbekannten dankbar, dass sie uns durch ihr hinreichend eindeutiges Benehmen erspart hat, ihr weiter unnütz Zeit zu widmen.<<

    Und dieser Blog-Eintrag ist nicht der Unbekannten gewidmet?
    😉

    Ich habe den Blog-Text nun schon drei mal gelesen und kann mich des Eindruckes nicht erwehren, dass es Sie menschlich tief getroffen hat – oder eben einen wunden Punkt getroffen hat.

    Oder aber:
    Sie sind so lange am Ende der Nahrungskette, so dass Sie selten Widerspruch erfahren.

    Ein Problem ist es immer, dass ein geschriebener Satz je nach der Betonung bestimmter Satzteile eine andere Bedeutung bekommt.

    Was ich vorhin vergaß:
    Auch Sie haben Ihre private Adresse und ihre Interessen nicht veröffentlicht.
    Mehr hat die Dame auch nicht geschrieben.
    Ich weiß, Sie haben es "gut gemeint". Zum Thema "gutgemeinte" Kritik hat sich schon Tucholsky geäußert.

    Antworten
  34. Rainer

    Anstatt einfach auf die Anfrage zu antworten, schickt der Prinz auf der Erbse eine nichtssagende Standartantwort zurück, die die Anfrage nicht hilfreich beantwortet. Es ist wohl zu viel verlangt heutzutage, einfach mal eine Auskunft zu erteilen, statt pampig erst einmal über das gesamte Leben einer potentiell interessierten Bewerberin etwas erfahren zu wollen. So sind die arroganten Arbeitgeber von heute aber wohl leider, schon traurig.

    Antworten
  35. Alex

    „Tipp vorab: Etwas mehr als Ihren Namen und Ihr Interesse sollten Sie auch bei der ersten Kontaktaufnahme schon verraten.“

    naja. Ich zumindest wäre zumindest irritiert, auf eine höfliche Anfrage, die mit einer schnellen, einfachen und konkreten Antwort zu klären gewesen wäre, ungefragt einen „Tipp vorab“ zu bekommen-auch wenn er noch so nett gemeint gewesen ist.

    Frau Erika Mustermann hat im Nachhinein nicht nur pampig geantwortet; auch Sie haben bei diesem gut gemeinten Ratschlag vorab vielleicht etwas flapsig reagiert. (zumal es nur eine Anfrage war und nicht eine Bewerbung)

    Dass diese gut gemeinten, schnell rausgeschossenen Ratschläge auch beleidigend, „besserwisserisch“ ankommen können sollte man in diesem Zusammenhang auch hinterfragen.

    Sicherlich ist es in den Zeiten der E-Mail-Korrespondenz etwas aufgelockert, aber der Kerngedanke und die eigentliche Aussagekraft gegenüber Briefverkehr bleibt doch der gleiche. Kurze höfliche Frage, kurze höfliche Antwort. Und kein Tipp vorab.

    Des Weiteren sehe ich bei Ihnen in der Anzeige weder, was Sie für einen Volontär konkret in der Radaktion anbieten, welche Entwicklungsmöglichkeiten, Arbeitsbereiche Sie anbieten, welche Bezahlung und Aussichtsmöglichkeiten er erhält; verlangen aber, dass jeder, der sich bei der RZ einmalig vorstellt, direkt in der ersten E-Mail seinen Werdegang preisgibt, obwohl er sich gar nicht beworben hat, sondern eine Anfrage stellte.

    Das ist doch -zumindest in meinen Augen- unverhältnismäßig.

    Grüße!

    Antworten
  36. paragraphenreiter

    @paragraphenlaie
    Ich bin auch ein Laie, jedoch gilt nun einmal ganz klar Artikel 10 GG:

    (1) Das Briefgeheimnis sowie das Post- und Fernmeldegeheimnis sind unverletzlich.
    (2) Beschränkungen dürfen nur auf Grund eines Gesetzes angeordnet werden. Dient die Beschränkung dem Schutze der freiheitlichen demokratischen Grundordnung oder des Bestandes oder der Sicherung des Bundes oder eines Landes, so kann das Gesetz bestimmen, daß sie dem Betroffenen nicht mitgeteilt wird und daß an die Stelle des Rechtsweges die Nachprüfung durch von der Volksvertretung bestellte Organe und Hilfsorgane tritt.

    Lesenswert erscheint mir insbesondere folgender Beitrag http://www.rechtzweinull.de/index.php?/archives/81-Rechtliche-Zulaessigkeit-der-Veroeffentlichungen-von-E-Mails-im-Internet.html von Dr. Carsten Ulbricht, Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei Diem & Partner. (http://www.rechtzweinull.de/)
    Zitat: „Daraus ist zu schließen, dass wenn nicht tatsächlich ein überragendes Informationsinteresse der Allgemeinheit begründet werden kann, die Veröffentlichung von E-Mails in aller Regel unzulässig ist. Selbiges gilt – wie oben dargelegt -ohnehin für E-Mails mit privaten Inhalten.

    Der Absender hat unter diesen Voraussetzungen in aller Regel ein Unterlassungsanspruch bzw. auch einen entsprechenden zivilrechtlichen Schadensersatzanspruch.“
    Inwiefern die Anonymisierung hier eine Rolle spielt im Vergleich zum praktisch nichtigen öffentlichen Interesse, ist fraglich, in jedem Falle handelt es sich um ein Antragsdelikt.

    Auf jeden Fall ist es mindestens „unsensibel“, ungefragt eine nicht-öffentliche Korrespondenz zu veröffentlichen. Im Internet nennt man soetwas gern „trollen“.

    PS: Im Nachlesen meines Kommentars hätte es dem allgemeinen Tenor wohl besser entsprochen, auch hier noch ein „möglicherweise“ vor des „geltendes Recht gebrochen“ zu setzen. Ich wollte nämlich vielmehr die Frage aufwerfen, als mich zum Richter aufzuschwingen, wie es nun scheinbar aufgenommen wird.

    Antworten
  37. digitaner

    Trotzem wirklich bemerkenswert, dass die Dame sich tatsächlich noch Gedanken um Datenschutz und Privatsphäre macht. Im Netz kommen solche Überlegungen ja eher selten vor. Ich persönlich würde jedenfalls den Besuch eines Chefredakteurs den „Besoffen nach der Diplomfeier“-Bildern auf Facebook vorziehen. Trotzdem sollte die vorschnelle Ablehnung noch mal gründlich überdacht werden. Eventuell geht ihr Sicherheitsbewusstsein so weit, dass sie auch auf die Angabe ihres Gehaltskontos verzichtet. Der Traum jeder Personalabteilung.

    Antworten
  38. Attila

    Ich finde die erste Mail durchaus in Ordnung: die junge Dame hat sich ja nicht beworben, sondern vorab nach einem günstigen Zeitpunkt hierfür gefragt. Die vollständige Bewerbung sollte also noch folgen, eben zu dem erfragten Zeitpunkt. Die Kritik an dieser Mail kann ich daher nicht nachvollziehen.

    Dass sich die Bewerberin mit der DANN folgenden Mail unnötigerweise selbst abgeschossen hat, steht natürlich außer Frage.

    Antworten
  39. Senechall

    Warum sollte ich bei einer formlosen Anfrage gleich einen Wust an persönlichen Informationen mitschicken?
    Warum sollte ich in Zeiten wüsten Datenklaus, -verkaufs und -mißbrauchs meine Daten einfach so jedem mitteilen?

    Was passiert bei zuviel Infos? Richtig, man verliert das Interesse und geht einfach zum nächsten Punkt ( zur nächsten Mail ).

    Liegt nicht vielleicht auch ein wenig journalistisches Denken in der kurzen Art und Weise, ohne großartige Informationen ungefragt über sich zu verteilen? Was hätten sie auf der anderen Seite von einer 150 Zeilen Email gehalten, die von persönlichen Informationen nur so strotzt?
    98% ihrer Zunft hätten die Mail vermutlich nach weniger als 10% des gelesenen Textes gelöscht.

    Wenn ich in einer Firma zwecks Erkündigung über mögliche Bewerberzeiträume anrufe, teile ich unaufgefordert auch nicht alles mit. Selbst nach Aufforderung würde ich das nicht tun, denn ich will mich ja weder telefonisch, noch wie hier im vorliegenden Fall per Eamil, bewerben, sondern nur nach einem Zeitraum fragen.

    Gut, die Reaktion ihres „Gegenübers“ war sicherlich ein wenig kratzbürstig, aber da sollte man eigentlich in ihrer Position darüber stehen können.

    Antworten
  40. paragraphenlaie

    Hallo paragraphenreiter,

    erläutere doch bitte uns weniger sachverständigen Lesern, inwiefern genau hier „geltendes Recht gebrochen“ wurde. Dein argumentativ sicheres Auftreten lässt ja den Schluss zu, dass Du mit der Materie sehr vertraut bist.

    Ich fände es wirklich schlimm, wenn Erika Mustermann in Zukunft immer auf diese Sache angesprochen wird.

    Antworten
  41. Sabine Eva Rädisch

    Sehr geehrter Herr Lindner, Respekt, dass Sie dieser Dame noch geantwortet haben. Ich sehe darin auch keinen Verstoß gegen das Briefgeheimnis, wie paragraphenreiter, denn das Anschreiben ist ja anonymisiert und außerdem an Allgemeinheit nicht zu überbieten (warum schrieb sie nicht: „Bitte stellen Sie mich ein?“).

    Antworten
  42. Chris

    Ich schließe mich den letzten Einträgen an und finde die ursprüngliche E-Mail der Bewerberin völlig in Ordnung – knackig auf den Punkt und mit der Bitte um Auskunft. Dass die junge Dame mit ihrer Antwort über das Ziel hinausschießt, ist naja, ungünstig. Allerdings würde ich es auch etwas irritierend finden, auf eine sachliche Anfrage ungefragt einen Tipp zu bekommen. Vielleicht wäre ein Satz wie „Ihre E-Mail und Ihr Interesse an einem Volontariat bei uns hat uns gefreut. Um uns ein bessere Bild von Ihnen machen zu können, hätten wir uns bereits in Ihrer ersten E-Mail über ein paar Stichworte zu Ihrer Person gefreut. Wir freuen uns, wenn Sie dies nun mit Ihrer zweiten E-Mail nachholen.“ besser gewesen. Ich jedenfalls würde mir wünschen, in Deutschland würde der Grundgedanke, Arbeitnehmer und Kollegen als Kunden (!) zu betrachten, Einzug halten, denn die Kommunikation bekäme eine ganz andere Richtung. In konkreten Fall hieße das, den Bewerber nicht als Bittsteller zu sehen, sondern als jemanden, bei dem ich eine möglicherweise hervorragende Leistung einkaufe.

    Antworten
  43. asyoulikeit

    Die erste Mail der Bewerberin finde ich absolut unproblematisch – eine kurze Anfrage eben. Bei der zweiten hat sie sich allerdings grob im Ton vergriffen – ich frage mich, was sie da wohl geritten haben mag!

    Ihre Antworten jeweils, Herr Lindner, sind meiner Meinung nach eigentlich auch OK. Doch nach Durchlesen der Stellenausschreibungmuss ich schon sagen: Wenn Sie so explizit darauf hinweisen, dass Bewerber doch möglichs frühzeitig Informationen über sich bereitstellen sollen, warum bieten Sie dann in der Stellenausschreibung dann selbst so gut wie keine? Die Anzeige stellt nur Forderungen und verrät so gut wie nichts konkretes darüber, was Ihr Verlag dem Bewerber bietet.

    Außer Floskeln wüsste ich als Bewerber schon gerne ein bisschen genauer, was mich erwartet. Auch Informationen wie Arbeitszeiten und Bezahlung sind wesentlich für die Entscheidung, ob man sich auf eine Stelle bewirbt – von alldem sehe ich nichts in ihrer Anzeige. Schade.

    Antworten
  44. paragraphenreiter

    Sehr geehrter Herr Lindner, bei allem Respekt,
    ist diese ungefragte Veröffentlichung von Mails nicht ein offensichtlicher und grober Verstoß gegen das Briefgeheimnis?

    Man kann nur hoffen, dass die „Prinzessin auf der Argwohn-Erbse“ juristische Schritte erwägt.
    Nicht, weil sie selbst sich vorbildhaft benommen hätte, sondern, weil Sie sich hier deutlich gröber revanchiert und dazu geltendes Recht gebrochen haben. So verständlich diese Reaktion ist, als Journalist sollten Sie eigentlich wissen, dass es Grenzen gibt und das Briefgeheimnis normalerweise eine solche ist.

    Antworten
  45. MArko Hrbat

    >>Tipp vorab: Etwas mehr als Ihren Namen und Ihr Interesse sollten Sie auch bei der ersten Kontaktaufnahme schon verraten.<<

    Das klingt in meinen Ohren vorwurfsvoll und flappsig.
    Der Text von Herrn Phillip wäre besser gewesen…
    zumindest in meinen Augen.
    Vielleicht sieht die Dame gut aus und wird ständig angemacht und ist genervt… vielleicht… vielleicht.

    Vielleicht kennt Frau Mustermann die Anzeige gar nicht…
    Die Anzeige dient eigentlich nur der nachträglichen Rechtfertigung, oder?

    Ich hoffe, ich war nun nicht selbst zu flappsig.
    "Ball immer schön flach halten…" 😉

    Antworten
  46. vera

    Finde es auch in Ordnung, sich per Mail kurz nach ein paar Eckdaten zu erkundigen (vorausgesetzt, man hat die Annonce nicht gelesen), ohne nähere Angaben zu machen. Mails werden mittlerweile, gerade von Jüngeren, wie bessere SMS benutzt, das ist wohl so. Aber die Antwort ist – atemberaubend.

    Antworten
  47. Philipp

    „Sehr geehrte Frau Mustermann,

    wie Sie unserer Anzeige entnehmen können, ist der Bewerbungsschluss am 10.12.2012.

    Bei weiteren Fragen möchte ich Sie an unsere Volontärsausbilderin Vorname.Name@rhein-zeitung.net verweisen. Sollten Sie sich für die RZ als potentiellen Arbeitgeber entscheiden, nimmt die Kollegin auch Ihre aussagekräftige Bewerbung entgegen.

    Mit freundlichen Grüßen,

    …“

    So einfach wärs gewesen…

    Antworten
  48. Alex

    Sehr geehrter Herr Lindner,

    nach meiner Auffassung hat Ihnen die Dame keine Bewerbung geschickt, sondern eine höfliche Anfrage gestellt, wann bei Ihnen ein Volontariat startet. Dass sie dies auch aus der Anzeige hätte entnehmen können und dass man eine solche Anfrage nicht unbedingt einem Chefredakteur schickt, tut erst mal nichts zur Sache.

    Eine klare knappe, ebenso höfliche Antwort wäre in diesem Falle angebracht gewesen. Bei Einreichen der Bewerbungsunterlagen hätten Sie bestimmt mehr über die Dame erfahren. Ich sehe hier nicht die Notwendigkeit, in einer ersten Anfrage (keine Bewerbung), Lebenssituation, Ausbildung etc. hinzuzufügen.

    Dass sie dann so pampig geantwortet hat, liegt wahrscheinlich darin begründet, dass sie erwartet hat, ein Chefredakteur sieht das ähnlich.

    Grüße, Alex

    Antworten
  49. Nania

    Auch wenn es sich vielleicht um eine „unverbindliche“ Frage handelt und man erst mal schauen wollte, ob überhaupt die Chance besteht, schreibt man anders und reagiert nicht so pampig, wie die junge (?) Dame es hier tat.

    Ich möchte nach meinem Studium auch als Journalist tätig werden und denke, dass ich um die ein oder andere unverbindliche Anfrage nötig sein wird. Aber auch wenn es um solche „trivialen“, „einfachen“ Dinge geht, würde ich zumindest angeben, was und wo ich studiert habe und eventuell auch, ob ich schon Erfahrungen gesammelt habe. Dann würde ich nur dann den Chefredakteur anschreiben, wenn ich weiß, dass er sich darum kümmert, oder wenn im Internet oder an anderer Stelle keine Information darüber zu finden ist, an wen man solche Fragen denn stellt.

    Wenn die Dame z.B. noch nicht mit der Schule fertig ist, oder gar kein Abitur hat, dann müsste man sie darauf hinweisen, dass es ohne Studium schwer werden kann. Wenn sie sagt, sie hat noch nie für eine Zeitung gearbeitet, ist ein Praktikum sicherlich anzuraten.
    Man kann einfach mehr Tipps und hilfreichere Tipps geben, wenn man weiß, was man für einen Menschen am anderen Ende der „Leitung“ hat. So ist das so unverbindlich, dass es schwer wird, überhaupt einen vernünftigen Tipp zu geben. Und die Zeit dafür hat ein Chefredakteur sicherlich auch nicht immer.

    Antworten
  50. Carla

    Ich frage mich schon seit geraumer Zeit vermehrt, ob die uns folgende Generation wirklich so dumm und ungehobelt ist oder ob ich einfach nur das Alter erreicht habe, in dem es ungeschriebenes Gesetz ist, über die Jugend zu schimpfen.
    Dann wiederum erinnere ich mich, dass auch wir damals den „Spießern“ genügend Gründe gegeben haben, über die Jugend den Kopf zu schütteln, aber dennoch hatten wir Manieren, Anstand, Respekt und Umgangsformen und konnten uns in ganzen Sätzen verständlich artikulieren.
    Was da heute in den Schulen herangezüchtet wird, ist die Generation Doof und es ist fast nicht zu glauben, dass von 300 Bewerbern auf einen kaufmännischen Ausbildungsplatz gerade mal noch 10 übrig bleiben, die die Tests schaffen und der Beste/die Beste ist dann das, was bei uns früher das Schlusslicht war. Bildung gleich Null und von zu Hause aus auch nichts mitbekommen.
    Da finde ich die Volontariatsanfrage der jungen Dame fast noch hitverdächtig….. und das stimmt mich sehr nachdenklich.
    Sind wir vielleicht doch einfach schon zu alt und nicht mehr zeitgemäß?
    Ist DAS unsere Zukunft?
    Haben wir dann überhaupt noch Eine?

    Antworten
  51. BeeGee

    @Struppi: So was nennt man Initiativbewerbung – das es bei Ihnen auf dem falschen Tisch gelandet ist, ist blöd, aber ansonsten ist sowas normal.

    Antworten
  52. BeeGee

    Kein Verständnis, absolut nicht. Auch bei uns laufen jährlich einige Anfragen für Volos auf – aber so ein Ding ist mir nocht nicht untergekommen.

    Sicher, zunächst wollte die junge Dame nur nach dem Bewerbungszeitrum fragen, aber ein paar Infos sollte man dann schon auch in der ersten, völlig unverbindlichen Anfrage mitsenden. So in etwa wie: „Ich bin 27 Jahre alt, studiere derzeit Germanistik, Politik und Soziologie und stehe kurz vor dem Masterabschluss“ oder „Ich bin 17, mache bald mein Abitur gemacht und schreibe für die Schülerzeitung“. Im zweiten Fall hätte man dann gleich dazu raten können, sich doch besser auf eine freie Mitarbeit während der Schulzeit und später im Studium zu bewerben – und nicht gleich auf ein Volo.

    Bei der Vielzahl von Bewerbungen, die gerade bei großen, namhaften Zeitungen so reinkommen, muss man irgendwo sortieren. Aber jeder will ja „was mit Medien“ machen – das anständige Kommunikation ein wichtiger Bestandteil davon ist, entgeht leider vielen.

    Antworten
  53. Alexander

    Sehr geehrter Herr Lindner,

    ich finde Ihre erste Email auch induskutabel. Eigentich hat die Frau nur gefragt, wann der richtige Zeitpunkt für eine Bewerbung ist. Wieso sollte man dafür eine lange Email mit persönlichen Informationen schreiben? Hier handelt es sich wohl auch um einen noch nicht eingespielten Umgang mit „neuen“ Medien wie Email. Vor 20 Jahre hätte man mit dieser Frage einfach angerufen, ausser seinem Namen keine Informationen hinterlassen und eine kurze Antwort bekommen.
    Jüngere Leute sehen Emails häufig so technisch. Ältere Menschen sehen die Email eher in der Tradition eines Briefes…

    Antworten
  54. Anna L.

    Nun ehrlich gesagt fand ich diese Anfrage an sich jetzt auch nicht so dramatisch. Vielleicht wollte sie nur mal anklopfen und fragen, ob der Volontariatsplatz noch verfügbar ist und hätte dann eine ausführlichere Bewerbung geschickt. Ich mein, wer sich heute für ein Volontariat bewerben will, muss wirklich viele Bewerbungen schreiben, da sollte es gestattet sein, sich unnötige Arbeit zu ersparen. Zweifellos war die Reaktion auf die Anfrage nach näheren Daten ausgesprochen unverhältnismäßig. Wer Journalist werden will, sollte wissen wie man sich gemäßigt ausdrückt. Es besteht das grundsätzliche Problem mit dem Internet, dass Körpersprache und Tonfall nicht mit transportiert werden, und dass der Empfänger gezwungen ist, sich die nonverbalen Botschaften dazuzudenken – was häufig zu Missverständnissen führt. Vielleicht ist das – neben dem Problem der allgemeinen Anonymität, die bei einigen Internetprollen zum Verlust jeglicher Hemmungen führt – auch der Grund, weswegen die Internetkommunikation als unfreundlicher und unterkühlter wahrgenommen wird.
    Und zuletzt bitte ich die Arbeitgeber, die sich hier gesammelt über den Verfall der Arbeitsmoral des Nachwuchses beklagen, zu bedenken, dass die Rahmenbedingungen vieler Volontariate nicht immer Anlass zur gesteigerter Arbeitsmoral geben (http://marue23.tumblr.com/post/28839555744/ausbeutungsmaschine-journalismus). Viele von uns Nachwuchskräften (auch im Verlagswesen) überlegen sich mittlerweile ernsthaft, ob es andere Berufsperspektiven gibt und das hat dann wirklich nichts mit Faulheit zu tun. Aber ich erwarte freudig die Bewerbungstipps, die mir sagen, wie ich Fettnäpfchen vermeiden kann.

    Antworten
  55. Stefan Becker

    Lieber Herr Lindner,

    die Reaktion der Bewerberin auf Ihre E-Mail war indiskutabel, keine Frage.

    Dennoch finde ich: Eine erste Anfrage, wann / bis wann eine Bewerbung geschickt werden soll, ist eine reine Prozessfrage und muss eben keine weiteren Informationen enthalten. Die würden dann folgen, und zwar zum richtigen Zeitpunkt an die richtige Person.

    Dass die Bewerberin zwei Dinge fragt, die beide in der Anzeige stehen, ist eine andere Sache. Das hätte einen „Tipp vorab“ verdient.

    Viele Grüße!
    Stefan Becker
    Frankfurt am Main

    Antworten
  56. Struppi

    Leider habe ich nicht das Vergnügen Volontariat- oder Praktikumstellen vergeben zu dürfen.

    Aber eine derartige Anfrage hat mich – aus Versehen – dieses Jahr auch erreicht und zur Ehrerrettung junger Frauen muss ich sagen, dass diese sehr freundlich und durchaus höflich war. Das was mich aber am meisten verwunderte, dass sie mir unbekannterweise einen kompletten Lebenslauf inkl. Zeugnis im geschickt hatte.

    Es geht auch anders 😉

    Antworten
  57. Lutz

    Da ich, wie wohl die meisten, schon mehr als eine Bewerbung geschrieben hat, möchte ich meine Mitbewerber auf dem Arbeitsmarkt auffordern, in Zukunft immer so bei Fragen potentieller Arbeitgeber zu reagieren. Ist die Menschheit wirklich so verblödet?

    Antworten
  58. Andreas

    Da haben Sie aber noch mal Glück gehabt.

    Wenn sich nämlich in Zukunft die FemiterroristInnen mit der Quote durchgesetzt haben, hätten Sie die junge Dame einstellen müssen. Schließlich haben Frauen ja einen höhere Emotionale Intelligenz (das hat sie ja schließlich mit ihrer zweiten Mail auch bewiesen) 🙂

    Antworten
  59. Pia

    Lieber Herr Lindner,
    ich bin derselben Meinung wie Kommentatorin Lena. Die 2. Mail ging natürlich gar nicht. Aber ich finde eine kurze, sachliche Anfrage zu den Bewerbungsformalien total ok. Ihr Fehler war, dass sie es an den falschen gerichtet hat. So eine Mail schreibt man an die Personalabteilung oder an das Sekretariat (da will niemand vorab Infos wie „Ich schreibe schon seit xy Jahren für die Schülerzeitung und lese auch sehr gerne, die Rhein-Zeitung liebe ich sowieso“…) und nicht an den Chefredakteur.

    Antworten
  60. D. Ernst

    Hallo Herr Lindner, sie greifen einen in der Tat bemerkenswerten Mail-Verkehr auf. Ich habe aber den Eindruck, dass die Kommunikation schon deshalb verunglücken musste, weil Ihre erste Antwort einem Missverständnis unterlag. Wörtlich gelesen hatte sich die junge Dame ja noch nicht beworben, sondern mitgeteilt, dass sie überlege, dies zu tun und sich nach ein paar Details erkundigt. Sie scheinen dagegen schon diese Mail als ein Bewerbungsschreiben aufgefasst zu haben und waren/sind entsprechend irritiert. Natürlich ist die Haltung der Mail-Absenderin in punkte Namensangabe kurios und entspricht nun überhaupt nicht gängigen Konventionen. Und Ihrer Beurteilung des Wortlauts der zweiten Mail der Absenderin kann ich nur beipflichten. Ich würde diesen verunglückte Mail-Verkehr dennoch nicht als Beleg für eine ‚hohe Anspruchshaltung‘ von Bewerbern nehmen, sondern eher vermuten, dass die Dame da ziemlich was in den ‚falschen Hals‘ bekommen hat.

    Antworten
  61. Gitte Härter

    Uhoh, ich bekomme einen Flashback all der schriftlichen und telefonischen Abwatschungen von Bewerbern, denen ich – wie Sie – nützliches Feedback geben wollte, als ich selbst noch Unterlagen gesichtet habe.

    Wir durften bei Absagen keine genauen Gründe nennen, damit das Unternehmen nicht rechtlich angreifbar war. Aber manche Bewerber waren so offensichtlich ungeschickt oder nachlässig bei ihren Bewerbungen, dass ich manchmal nicht anders konnte.

    Bei einigen war es der Hinweis auf verhungerte Serienmails wie die da oben, mit denen man nirgends den Fuß in die Tür beommt. Bei anderen waren es die Nachlässigkeiten und wimmelnden Fehler. Fast jedes Mal haben mich die daraufhin sanft hingewiesenen Bewerber zur Sau gemacht!

    Ein Highlight für mich wird auch immer die telefonische Bewerberin bleiben, die derart demotiviert und anti klang, dass ich ihr das am Telefon sagte. Dennoch bot ich ihr einen Interviewtermin an. Am nächsten Tag kam dann per Post ein harscher Brief, was mir einfiele und eine ausgeschnittene Arbeitslosenstatistik aus der Süddeutschen, dass es ja wohl völlig normal sei, wenn sie demotiviert sei.

    Mich abzuwatschen fand sie offenbar die bessere Wahl, als zum Vorstellungsgespräch zu kommen.

    Unfassbar.

    Antworten
  62. Mario

    Ja, das ist schon eine ziemlich groteske Bewerbung.
    Zu Gute halten muss man der Frau allerdings, dass sie spaeter sicherlich noch mehr über sich verraten hätte. Zunaechst war ihr offensichtlich wichtig zu erfahren, ob überhaupt die Möglichkeit besteht als V. zu arbeiten.
    Anderseits ist es ebenso grotesk zu behaupten „Da willst Du jemandem bei seinem Weg in die Medien helfen“ und dann einen Trivialtipp (bitte mehr als Namen verraten) abzugeben. In WIrklichkeit waren Sie nur genervt und angepisst über diese daemmiche Bewerbung.
    Aber die Sache ist doch letztenendes ganz klar: DIe Frau checkt die Situation erstmal mit einem FakeEMail Account und wenn die ANtwort passt, dann bewirbt sich sich unter richtigen Namen und richtiger EMailAdresse richtig. Ist eigentlich nicht so schwer zu erkennen.
    Traurig, dass es „Chefredakteure“ gibt, die eine solche „Bewerbung“ für real halten und den Tipp in einer Bewerbung mehr al den Namen zu verraten, als hilfreich.

    Antworten
  63. Philipp

    Hallo Herr Lindner,

    Ich verstehe die (junge) Dame!

    Sie hat sich, so deute ich ihre erste E-Mail, nicht bei Ihnen beworben, sondern lediglich angefragt, in welchem Zeitraum eine solche Bewerbung erwünscht ist.

    Sie wollte gar keine Bewerbungstipps (die Sie ihr scheinbar geben wollten), sondern lediglich eine sehr einfache Info zum Bewerbungszeitraum.

    Um diese Frage zu stellen (was sie knapp aber höflich getan hat) und eine konkrete Antwort zu bekommen (die sie von Ihnen mehr oder weniger bekommen hat), braucht Sie doch Ihre Adresse – oder Ähnliches – nicht angeben.

    Es versteht sich, dass die zukünftige (!) Bewerberin bei ihrer eigentlichen Bewerbung mehr von sich preisgeben muss, zb. ihre Adresse, um den Ausbildern die Chance zu geben, sich ein Bild von ihr zu machen. Aber so weit war sie ja noch gar nicht. Sie wusste nicht mal, wann sie sich bewerben soll.

    Nochmal: Für eine einfache „Anfrage“ nach dem Bewerbungszeitraum muss sie aus meiner Sicht keine persönlichen Daten weitergeben. Weil sie das nicht tut, kann sie auch keine tieferen Bewerbungstipps von Ihnen erwarten. Schließlich gibt sie Ihnen keinerlei Infos zu ihrer momentanen Situation und damit keinerlei Anhaltspunkte. Aber sie wollte ja auch gar keine Tipps von Ihnen.

    Die zweite Mail der Bewerberin empfinde ich als unhöflich, falsch im Ton, aber nachvollziehbar, richtig in der Sache.

    Auch wenn das kein anderer Kommentator bisher so sieht: Aus meiner Sicht sind Sie, Herr Linder, da über’s Ziel hinausgeschossen. Die einfache Info nach zum Bewerbungszeitraum – wie erfragt – hätte als höfliche Antwort auf eine durchaus höfliche E-Mail gereicht.

    Vielleicht ist es besser, dass aus dem potentiellen Arbeitsverhältnis nichts wird – für beide Seiten.

    Kleiner Joke am Rande: Meine Adresse kriegen Sie nur auf Nachfrage ;-))

    Viele Grüße,

    Philipp W.

    Antworten
  64. Wendy Gondelntrauertragen

    Lieber Herr Lindner,

    ich weiß nicht, ob ich die Tatsache, dass Sie sich der „Bewerberin“ mit solcher Ernsthaftigkeit widmen, eher sympathisch (siehe auch #24) oder eher irritierend finden soll: Für mich ist die Frau einfach mittelschwer sozial gestört. Ich bin mir nicht sicher, ob sie stellvertretend für etwas gelten kann, seien es „die Umgangsformen“ oder, noch besser, für die Umgangsformen „im Netz“. Auch in der Fußgängerzone an sich gibt es ausreichend viele Kuriositäten. Ein Problem habe ich allerdings, wie angedeutet, mit der ebenso ubiquitären wie erkenntnisfreien Pseudo-Spezifizierung „des Netzes“: „Und für Missverständnisse ist das Netz geradezu ein Komposthaufen, der wild wuchernde Auswüchse fördert.“ Mag sein. Wenn Sie „das Netz“ hier durch, beispielsweise, „das Leben“, „die Welt“ oder „die menschliche Kommunikation“ stimmt der Satz allerdings auch.

    Antworten
  65. Heinz

    Ich kann in diesem Fall beide Seiten nicht verstehen: Wenn ich mich als Bewerber nur kurz nach einem Termin oder einem Ansprechpartner erkundigen will, muss ich nicht schon meine ganze Lebensgeschichte mitposten. Insofern übertreibt Herr Lindner hier und verkennt den allgemein akzeptieren, salopperen Umgangston im E-Mail-Verkehr. Dass die Bewerberin dann jedoch auf diese Weise reagiert, ist einfach nur dämlich und zeugt von mangelndem Wissen über den Beruf des Journalisten im Allgemeinen und die Bedeutung eines Chefredakteurs im Besonderen.

    Antworten
  66. hondo

    Soweit ich das beurteilen kann, ist die erste Mail doch erst einmal eine unverbindliche Nachfrage, ob noch und für welchen Zeitraum Volontäre gebraucht werden.
    Es hätte ja sein können, dass die Anzeige schon obsolet ist oder das Zeitfenster für das Volontariat soweit in der Zukunft liegt, dass die Interessenten eine anderen Verlag wählt, die eher etwas frei hat.
    Für die Antwort wäre doch nur ein „Nein, ist schon alles belegt“ oder „Ja, ab…“ nötig gewesen.
    Dafür sind doch keine persönlichen Daten der Anfragenden nötig gewesen. Zumindest aus der Sicht der Bewerberin.
    Aus der Sicht von Herrn Lindner ist das natürlich anders, da er hunderte Emails pro Tag bekommt, will er ja irgendwie einen Eindruck bekommen, wie ernsthaft das Interesse eines/einer Bewerber/in ist.
    Das Ganze ist deswegen im ersten „Durchgang“ ein Kommunikationsproblem.
    Die pampige Antwort ist dann aber völlig daneben, das ist richtig.
    Warum aber Herr Lindner sich über so etwas groß Gedanken macht, besonders wenn es nur vereinzelt vorkommt, ist doch eher sein Problem.

    Antworten
  67. Zahnwart

    Vorneweg: Natürlich ist das Verhalten der jungen Frau eine Unverschämtheit – wie Björn Rohles (#29) frage auch ich mich, wie jemand mit solcher Panik vor Öffentlichkeit sich für einen Beruf entschieden hat, der von Öffentlichkeit lebt.
    Die andere Frage ist aber, wie diese Panik entstanden ist.

    Und da müssen sich die Medien (ich eingeschlossen) an die eigene Nase fassen: Seit Jahren wird kaum kritischer Umgang mit der Netzöffentlichkeit medial vermittelt, im Gegenteil, Blogs, Foren, Soziale Netzwerke werden als Datenkralen hingestellt, die man meiden solle, wo es geht. Wundert es uns da, wenn die Leute hinter jedem Busch jemanden erwarten, der sie stalken will?

    (Was es gegen gmx-Adressen zu sagen gibt, erschließt sich mir allerdings auch nicht.)

    Antworten
  68. Corinne Germann

    Guten Tag Herr Lindner

    Vielen Dank für diese Anekdote, ich freue mich auf Ihre Tipps.

    Etwas Gutes hat dieser Vorfall dennoch – es ist schön, einen Chefredaktor von seiner menschlichen Seite kennenzulernen.

    Ihre Webseite werde ich wohl von nun an öfters besuchen.
    (Die Webseite, nicht die Adresse=)

    Antworten
  69. NaturalBornKieler

    Gelesen und gelacht! Schon in der ersten Anfrage wurde nur nach Informationen gefragt, die bereits in Ihrer Anzeige standen. Jemand, der nicht einmal lesen kann, möchte Journalistin werden …

    Auf der anderen Seite vermisse ich in Ihrer Anzeige aber auch die Abteilung „Wir bieten Ihnen …“. Die Anzeige hört sich so an, als ob eine unbezahlte Praktikantenstelle ausgelobt wird, und dann darf man sich über derartige „Bewerbungen“ nicht wundern. Nun ja, viel Erfolg.

    Antworten
  70. Klaus

    Ich bekomme seit 35 Jahren Fanbriefe für einen Musiker, mit dem ich zusammenarbeite. Alle werden natürlich nett beantwortet. Auch die, die nur fragen, wo man CDs kaufen kann, werden nett bedient.
    Seit einem Jahrzehnt sind’s fast nur noch Mails. Es gibt in der Tat auch seltsame Anschreiben, aber auch auf die antworte ich sachlich und höflich. Das „Sachliche“ (also nicht auf deren „Ey, Alter“ im gleichen Tonfall antwortend)) wird allerdings manchmal total missverstanden und deren zweite Mail ist dann in der Regel recht beleidigend (Mehr gibt’s dann nicht; es gibt ja Spam-Filter). Amis bezeichnen mich dann gerne als „Nazi“. Überhaupt, wenn ich so zurückdenke: es sind (etwa 2, 3 Mal von etwa 2000 Fan-Mails per anno) NUR die Amis und (seltsamerweise:) Belgier, die so abartig reagieren.

    Antworten
  71. Björn Rohles

    Das ist wirklich ein seltsames Benehmen. Zumal Sie ja gar nicht explizit nach einer Adresse gefragt haben – ein paar Sätze zur aktuellen Situation oder überhaupt erst den Gründen für ein Interesse an einem Volontariat hätten es ja auch getan. Abgesehen davon, dass ich mich wirklich ernsthaft frage, wie jemand mit einer solchen Scheu vor schon der kleinsten Öffentlichkeit in einem Beruf arbeiten möchte, der geradezu von Öffentlichkeit lebt.

    Antworten
  72. Steve Johnson

    Mit allem Respekt, ich finde hier eine gründliche Erörterung des Banalen vor. Wohl passend zum kreativen Titel des Blogs.

    Antworten
  73. Michael Steinle

    Das hätte doch prima laufen können … gibt es eine einfachere und schnellere Methode, ungeeignete BewerberInnen zu erkennen?

    Nächstes Mal das Zeitsparpotenzial erkennen und nutzen!!! ;-)))

    Antworten
  74. Nikole

    ein wenig forsch, ok, warum auch nicht, bei dem Einen kommt´s an, beim Anderen nicht. Möglich, dass es für einen jungen Menschen noch schwierig ist zu differenzieren zwischen dem äußeren Erscheinungsbild und dem inneren Sein des Adressaten. Treten zwischen beiden Seiten der Medaille große Differenzen auf, und man entscheidet sich, einer Seite gerecht werden zu wollen, kann man, wie im Fall dieser Bewerberin, schon zu 100% daneben liegen. Wieviele Unternehmen gibt es inzwischen, die modern tun, im Innern aber bei der kleinsten Bewegung die Knochen quietschen. In solchen Fällen hilft nur, Standard-Times-new-roman.

    Antworten
  75. Andre Hellmann

    Spricht auch mir aus dem Herzen – Danke für den Beitrag. Jetzt fühle ich mich mal bestätigt, dass nicht nur ich mich komisch fühle, wenn ich über Xing, Facebook oder per Mail angeschrieben werden in dem Stil „Haste mal nen Job?“ – Das ist wohl die andere Seite der Leistungselite – Jobs werden total austauschbar und sind egal; weit weg von der beruflichen „Berufung“.

    Alles richtig gemacht, Herr Lindner. Ich antworte den Menschen auch immer nett, höflich und zuvorkommend mit der Hoffnung auf Besserung – aber auch ganz klar mit der Ansage „Nein, so habe ich keinen Job für dich – und wenn ich dir erklären muss warum, dann doppelt nicht“

    Also ich stehe zum Volontariat unter Ihrer Führung zur Verfügung 🙂 Werde dann zukünftig den Herrschaften einen netten Link auf Ihre „Do’s and Don’ts“ schicken.

    Antworten
  76. Nike van Eppstein

    Sehr geehrter Herr Lindner,

    in der Tat: Paff.

    Was mich – um ehrlich zu sein, freut – ist, dass Sie sich als langjähriger Chefredakteur davon anfassen lassen.

    Ich hab‘ auch eine große Klappe. Aber das … Uff.

    Beste Grüße

    Nike van Eppstein

    Antworten
  77. Martin

    Ich finde ihre erste Kontaktaufnahme in Ordnung, eine einfache sachliche Anfrage. Das an den Chefredakteur zu richten ist freilich verwunderlich. Aber das ganze wer bin und was will ich – bla bla gehört m.E. in eine Bewerbung.

    Antworten
  78. Michael Schneider

    Wie alles hat auch dieser Vorfall zwei Seiten.

    Es ist natürlich löblich, dass die Bewerberin von Ihnen anonymisiert worden ist. Es stimmt auch, dass der Ton ihrer E-Mail unhöflich bis ruppig gewesen ist – vielleicht sogar unverschämt. Aber dessen ungeachtet ist es ebenfalls eine Unsitte, die die modernen Zeiten mit sich gebracht haben, ungefragt persönlich adressierte E-Mails zu veröffentlichen.

    Bei allem Verständnis, dass man sich über so etwas extrem ärgert, kommt mir das hier so vor wie der Bericht von jemandem der ins Gesicht geschlagen worden ist. Wobei die Gegnerin anschließend gleich weggelaufen ist (=Bullying). Und jetzt versucht man irgendwie zurückzuschlagen und realisiert nicht, dass man in dieselbe Falle geraten ist wie die Bewerberin.

    Man hat seine Visitenkarte zurückgelassen und die sieht nicht schön aus.

    Anders ausgedrückt man pflegt bei der Rhein-Zeitung bibliche Traditionen. Nämlich Auge um Auge, Zahn um Zahn. Das kann auch nach hinten losgehen.

    Antworten
  79. Paul J. Hahn

    Diese „Prinzessinnen auf der Argwohn-Erbse“ hat wohl zu viele US-amerikanische Bewerbungen gelesen. Dort ist es in der Tat z.T. bei einigen Firmen üblich aus Gründen der „Nicht-Diskriminierung“ weder den vollen Namen, Geschlecht, Adresse, Hautfarbe, noch ein Foto usw. anzugeben. Es sollen nur die bisherigen Leistungs-Fakten zählen. Dass dies aber bei uns noch nicht üblich ist, muss die Prinzessin wohl noch lernen. Trotzdem hätte mich interessiert, wie und warum sie zu dieser Meinung gekommen ist. Denn man lernt ja nie aus.

    Antworten
  80. Regina Theunissen

    Grob über den Daumen habe ich in den vergangenen zehn Jahren mehr als 3000 Bewerbungen allein für Volontaersstellen bearbeitet.
    Fazit 1: die Fehler werden nicht weniger
    Fazit 2: damit sind nicht nur falsche Rechtschreibung, Kommasetzung und Grammatik gemeint
    Fazit 3: die Bewerber haben kaum klare Vorstellungen von den Beruf, für den sie sich bewerben (nicht nur die, die glauben, sie koennten halbtags bis jeweils mittags um 12 Uhr volontieren)
    Fazit 4: Bewerber geben sich trotz vereinfachter Mittel wie E-Mail oder vorgefertigten Bewerbungsprogrammen wenig Mühe, sich von Mitbewerbern abzusetzen
    Fazit 5: Bewerber setzen sich kaum mit der Branche und ihren Veränderungen auseinander. Sie sind immer noch geprägt von Karla Kolumna und dem Kinderbuchklischee
    Fazit 6: Bewerber werben oft nur mit zahlreichen Praktika im Lebenslauf für sich, aber nicht mit den Motiven für ihre Berufswahl
    Fazit 7: Bewerber setzen sich kaum mit den Adressaten ihrer Bewerbung auseinander. Vieles klingt nach lieblosem Serienbrief
    Fazit 8: viele Bewerbungen sind die reinste Zumutung: schlecht, schräg, schlampig eingescannte Arbeitsproben und Zeugnisse, auf Erbsengroesse verkleinerte Texte, die auch mit der Lupe kaum lesbar sind, gedruckte Seiten, die daraufhindeuten, dass die Farbpatrone im Drucker schon vor Monaten eingetrocknet sein muss, ganze zwei Arbeitsproben, die als Glosse im Anzeigenblaettchen gelaufen sind, oder Bewerbungen als PDF mit rund 100 Seiten, in denen jede Bescheinigung eines VHS-Kurses und rund 70 Arbeitsproben nahezu untrennbar miteinander verbunden sind.

    Diese Liste koennte ich noch lange fortsetzen. In den vergangenen Jahren habe ich rund 200 mal zum Thema Bewerbungen getwittert. Das werde ich auch im Zuge des gerade eingeläuteten Auswahlverfahrens wieder tun.

    Aber: Es gibt auch die anderen. Die im Anschreiben fühlbar machen, warum sie in diesem Beruf möchten und in keinen anderen. Die, die eine realistische Selbsteinschaetzung haben und sich darauf freuen, noch dazu zu lernen. Die neugierig sind und gut recherchiert haben, bei welchem Unternehmen sie sich bewerben. Die genau wissen, warum sie gerne dorthin wollen. Die ihrem noch unbekannten Gegenüber auch im Mailverkehr mit Respekt und Freundlichkeit begegnen. Die, die etwas mitzuteilen haben und nicht nur sich selbst mitteilen wollen.

    Viele von denen haben wir in den vergangenen Jahren ausgebildet.

    Und solche werden auch weiterhin eine gute Chance bei uns haben.

    Antworten
  81. Jens Best

    Tja, in einem Land, in dem ein Kanzlerkandidat ungestraft „Transparenz gibt es nur in Diktaturen“ sagen darf, um seine finanziellen Seilschaften zu verdunkeln, darf man sich nicht über solche fehlgeleitenden Privacy-Paranoiker wundern.

    Antworten
  82. Dentier

    tsss, hat bestimmt zuviel über #Assange gelesen. Denkt jetzt Wunder wie konspirativ und geheimnisvoll doch der Beruf des Journalisten sei und dann wird ihr die Wirklichkeit vor den Kopf geworfen.

    Antworten
  83. Pingback: Starke Geschichte, die bezeichnend ist für eine Entwicklung, unter der viele Nutzer… › Netzexil

  84. Peter Brodmeier

    Lieber Herr Lindner, zwei Dinge:

    • Mir fehlen die Worte
    • Ich beneide Sie um ihre perfekte Besonnenheit

    Was für ein Erlebnis, nicht zu fassen.

    Liebe Grüße aus Hamburg,

    Peter Brodmeier

    Antworten
  85. Lennart Sauerwald

    In der Tat schon eine bemerkenswerte Antwort auf einen angemessenen Hinweis, der wiederum auf eine seltsam anmutende Kontaktaufnahme reagiert.

    Aber, Herr Jodeleit, was ist denn an gmx-Adressen, bzw. sogenannten „Freemailern“ auszusetzen? Solange die die Adresse nicht Hasi76@gmx.de lautet und somit schon eine gewisse Unernsthaftigkeit ausstrahlt, wüsste ich nicht, warum eine E-Mail von einer kostenlosen E-Mail-Adresse nicht ernst gemeint sein sollte.

    Antworten
  86. Horst Schulte

    Ein tolles Stück! Die Bewerberin war nicht ernsthaft interessiert. Sonst wäre diese Form der „Kommunikation“ mindestens ein Beleg dafür, dass sie für keinen Beruf – egal wo – geeignet ist.

    Der Ton der Kommunikation im Web verroht. Ich fürchte, das hat auch Rückwirkungen auf unsere Umgangsformen im realen Leben. Aber das gilt leider nur als Kulturpessimismus. Ich halte die Entwicklung für gefährlich für unsere ganze Gesellschaft.

    Antworten
  87. Lena

    Vorweg: Das Verhalten der jungen Damen geht gar nicht. Allerdings kann ich ihre Verwunderung im Kern nachvollziehen. Sie schrieb eine unverbindliche Anfrage, um Ihnen eine ausführliche Bewerbung zu schicken, auf deren Grundlage Sie sich ein umfassendes Bild von ihr hätten machen können. Was hätte es Ihnen geholfen, wenn Sie gewusst hätten, dass die Dame gerade ihr Studium beendet, ein Zeitungs-Praktikum gemacht hat und in ihrer Freizeit gerne fotografiert? Wäre Sie dadurch auf dem Bewerbungsstapel weiter nach oben gekommen? Ich sehe es eher umgekehrt: Wenn jemand zusätzliche Informationen kann er oder sie ggfs. Pluspunkte sammeln. Umgekehrt sollte ihm oder ihr kein Nachteil dadurch gereichen, wenn er/sie eine unverbindliche knappe Infoanfrage tätigt.

    Antworten
  88. Sascha Borowski

    So schnell trennt sich Spreu von Weizen. Und ich teile die Erfahrung – leider. Auch bei uns laufen immer wieder Mails von Interessenten auf, die ganz offensichtlich schon bei den Grundregeln von Höflichkeit und/oder Grammatik überfordert sind. Spart immerhin Zeit, weil das Vorstellungsgespräch damit automatisch entfällt…

    Antworten
  89. Frank Doerr

    Für Sie nervig, für mich als Leser köstlich. Zum Trost: Ich erhalte ähnliches von Bewerbern um ein Praktikum oder einen Ausbildungsplatz im Bereich Online-Marketing. Nur bezüglich Spionierens hat sich glücklicherweise noch keiner beschwert 🙂

    Antworten
  90. Franziska Bluhm

    Ich bin ja noch nicht so lange im Business, was mich aber von Ihnen als Profi interessieren würde: Nehmen Sie eine Veränderung im Anspruchsdenken der Berufsanfänger wahr – der so genannten Generation Y? Mein Eindruck ist, dass viele große Zugeständnisse des Arbeitgeber einfordern, sie selber aber nicht bereit sind, welche zu machen. Also nicht pauschal alle, aber schon eine signifikante Zahl. Perlen finden wird schwieriger.

    Antworten
  91. Alicia

    Ich bin tatsächlich etwas geschockt wie manche Menschen(auch wenn es sich „nur“ um eine E-mail handelt) kommunizieren. Zwar hätte ich, ganz ehrlich, bei einer ersten Kontaktaufnahme auch nicht viel mehr von mir preisgegeben, denn es handelte sich ja nicht um ein Anschreiben, sondern nur um eine Nachfrage, aber dass jemand so derart unhöflich überreagiert habe ich noch nie erlebt. Gut, dass die Bewerberin sich so quasi selbst aussortiert hat!
    Ihren Blog werde ich jetzt öfter lesen und bin gespannt auf die Do’s und Don’ts!

    Antworten
  92. Aribert Deckers

    Nicht Jeder will ein Volontariat, nicht Jeder bekommt eines. So weit, so schön. Bis auf die Tatsache, daß diese Spezies der Zimtzicken zwar beschränkt ist, nur eben nicht auf das Gebiet das Journalismus. Wieviel größer sind doch Zahl und Verbreitungsgebiet derselben in Vorzimmern und Telefonzentralen und und und … Und überhaupt. Und DA sind die dann keine Bittsteller, sondern an der Macht.

    Heute schon telefoniert…?
    http://www.ariplex.com/sfb/sfba0165.htm

    Antworten
  93. Marc

    Wenn die E-Mail von der Bewerberin Absicht war, dann ist es schon sehr dreist.

    Wenn die E-Mail unter Alkohol-Einfluss entstanden ist, dann ist es schon sehr dumm.

    Wenn es eine Mischung aus beidem ist, fehlen mir die Worte.

    Antworten
  94. Heike Hecken

    Ich habe doch ein wenig geschmunzelt beim Lesen. In so einem barschen Schreibstil mit meinem möglichen Arbeitgeber zu kommunizieren ist schon sehr mutig.

    Zeitraum und Dauer des Volontariats stehen doch in der Anzeige, hat die junge Dame die nicht richtig gelesen?

    Der Vorgesetzte darf also nicht wissen, wo sie zurzeit wohnt. Ich frage mich, wie die junge Dame es schaffen will, auf Dauer ihren Wohnsitz geheim zu halten 😉

    Ich lese zurzeit auch einige Bewerbungen (Auszubildende/r zum/zur Steuerfachangestellten) und komme aus dem Staunen nicht mehr raus. Einer schreibt schon im ersten Anschreiben, dass er „vorab die Sache bespricht und dann anfängt, die Fäden zu ziehen“. Oder jemand berichtet von seiner Zielstrebigkeit, sein Lebenslauf endet aber 2007 nach der Schulausbildung und dann ist da eine große Leere. Das sind alles Dinge, über die ich noch lachen kann. Wenn aber jemand pampig wird, ich würde schon sagen frech, dann hört es auf.

    Derjenige hat sich mit solchen Bemerkungen den Weg verbaut. Hat das noch mit gesundem Selbstbewusstsein zu tun? Eher mit Überheblichkeit und Arroganz, und das am Anfang der Karriere.

    Als künftiger Arbeitgeber möchte ich mir ein Bild machen von dem Bewerber, um vorab vielleicht schon entscheiden zu können, ob ich die Person einlade zu einem Gespräch.

    Aber wer will schon mit so einem Vorgesetzten arbeiten? 😉

    Antworten
  95. Ulrike Langer

    Lieber Herr Lindner,

    das ist in der Tat bemerkenswert und wert, aufgeschrieben zu werden. Ich bin verblüfft, wie man sich mit einer solchen kommunikativen Verweigerungshaltung ernsthaft vorstellen kann, als Journalist(in) zu arbeiten. Und auf Ihre Do’s and Don’ts für Volontärsbewerber bin ich gespannt.

    Viele Grüße aus Seattle!

    Antworten
  96. Bernhard Jodeleit

    Sehr gut zusammengefasst! Ich kann das bestätigen, es kommen Bewerbungen, bei denen man nicht sicher weiß, ob sie auch wirklich ernst gemeint sind – oder ob es sich um Spaßvögel handelt. Absender bevorzugt gmx und andere Freemailer, keine Angaben zur Person, keine Vita, kein Spellcheck.

    Antworten
  97. Markus Schlosser

    Mir stellt sich vor allem eine Frage: Wie kommt ein Mensch dazu, sich dermaßen offensichtlich selbst den Ast abzusägen, auf dem er sitzt? Sollte man in der schulischen Bildung in Zukunft mehr Wert auf soziale Kompetenz legen?

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Captcha * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.