Früher stille Post, heute schrille Posts

Spiel mit der Wahrheit: Falschmeldungen über Robin Williams.

Spiel mit der Wahrheit: Falschmeldungen über Robin Williams.

Als vergangenen Montag die Nachricht vom Tod des Schauspielers Robin Williams bekannt wurde, ereignete sich einmal mehr etwas, das wir früher als stille Post kennengelernt haben: Robbie Williams tot!, geisterte da als Nachricht durchs Facebook- und Twitter-Netz. Auf die Schnelle brachten manche die Vornamen Robin und Robbie durcheinander – und verwechselten den amerikanischen Schauspieler mit dem britischen Musiker. Das war nur ein kleinerer Nachrichtenunfall, schlimm genug.

Ebenso machte ein ausführlicher Artikel bei dem Magazin Mediamass.net die Runde, wo eine Nachricht über den Tod des Schauspielers Williams als „Hoax“ dargestellt wurde, also ausführlich als Falschmeldung dargestellt, mitsamt angeblichen Zitaten seines Managements, wonach er sich bester Gesundheit erfreute.

Auch diese „Nachricht“ war falsch: Wer genau hinschaute, entdeckte ein Datum von vor ein paar Tagen. Fast schien es, als hätten bereits ein paar Tage vor dem Tod Williams‘ solche Falschmeldungen Verbreitung gefunden, und das ehrlich erscheinende Magazin hätte nach ordentlicher Recherche einen Artikel geschrieben, der den Tod dementierte – und der sich später aber in einer verstörenden Abfolge der Ereignisse als wahr herausstellte.

Wer jedoch noch genauer hinschaute, musste auch diese Koinzidenz als Fälschung begreifen. Mediamass.net ist nicht nur ein Satire-Magazin im Gewand eines halbseriös wirkenden Prominentenblatts, sondern ein Medienexperiment. Selbst der Text über die zuvor verbreiteten Falschmeldungen war nachträglich erfunden – und mit einem früheren Datum versehen, damit man sich bei der Entdeckung dieses Umstands als Schlauberger fühlt.

Das wäre alles nicht der Rede wert, wenn man nicht bei Facebook und Co. immer wieder auf solche Falschmeldungen stieße, die sich mit der Realität vermischen. Die Macher drehten in den folgenden Stunden den Irrsinn weiter: Der ursprüngliche Link zeigte später nicht mehr das, was am Montag zu sehen war, sondern statt dessen eine knappe, zutreffende Bestätigung des tragischen Ereignisses. Bei Facebook und Co. aber bestehen vielfach die alten Verweise auf diese erst vermeintlich richtige, später falsche Meldung über die Falschmeldungen fort. Kommen Sie noch mit?

Auch auf der Satire-Seite bestätigt: Robin Williams ist tot.

Auch auf der Satire-Seite bestätigt: Robin Williams ist tot. Zuvor stand unter diesem Link noch eine Geschichte darüber, dass die Gerüchte über seinen Tod unwahr seien.

Es gibt im Internet einen Webfehler im Sinne von: Gewebe, falsch gewebt. Die Seiten hinter eingebauten Links können jederzeit vom Urheber geändert, aktualisiert, gelöscht, umgeleitet und ergänzt werden, so dass sich ursprüngliche Verweise plötzlich auf gänzlich andere Inhalte beziehen. Wollte man das ändern, müsste man ständig Screenshots machen – Bildschirmfotos, die dann aber kaum mehr lesbar erscheinen. Das gute alte Zitieren setzt dagegen voraus, dass man nicht nur stets korrekt zitiert, sondern auch Bildschirmfotos anfügt, zur Quelle verlinkt, sich beim Urheber doppelt absichert.

So viel steht fest: Wer das alles für verwirrend hält, liegt richtig. Wiederum Stunden später macht das Magazin mit einer neuen Geschichte auf, dass Millionen Fans das alles für Falschmeldungen halten. (Auch das wurde wieder geteilt.)

Das Digitale mit all seinen schnellen Kopien und Manipulationen, den Als-wäre-es-Echt-Darstellungen und seinen massenhaften Verbreitungen unbestätigter Meldungen – es spielt mit jedem, der es weiterverbreitet, stille Post. Bei den schrillen Posts von heute wird es immer wichtiger, auf die Quelle zu achten.

Marcus Schwarze

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