Wer Fußball spielt, darf nicht zur Fastnacht

Es reicht! Der SWFV muss endlich einschreiten – oder der DFB – oder noch besser die FIFA. Fußball und Fastnacht passt nicht zusammen. Deshalb erwarte ich auf den nächsten Verbandstagen folgenden einfachen Antrag: Wer Fußball spielt, darf nicht zur Fastnacht.

Jedes Jahr ist es dasselbe. Voller Elan stürzen wir Amateurfußballtrainer uns mit unseren Kickern hochmotiviert in die Wintervorbereitung. Schließlich müssen die Jungs und Mädels nach gut zwei Monaten, in denen nur ein paar Hallenturniere die Fußballpause gestört haben, wieder in Form gebracht werden. Konditionell, technisch, taktisch und ästhetisch. Außerdem gilt es ja, den Abstieg zu vermeiden, Meister zu werden, Aufstiegsspiele zu erreichen, vor dem Lokalrivalen zu landen oder zumindest endlich den ersten Sieg oder den ersten Punkt zu holen. Deshalb also müssen wir Amateurtrainer unsere Jungs und Mädels trimmen, striezen, quälen, fit machen. Und wir sind da kreativ – also normalerweise. Auf jeden Fall bauen unsere Kicker innerhalb kürzester Zeit eine schier unglaublich Fitness auf. Trainingseinheit für Trainingseinheit, Tag für Tag, Woche für Woche nähern sie sich der Höchstform.

Doch so nach zwei, drei Wochen passiert es jedes Jahr. Auf dem Rahmenterminplan erscheint die Fastnacht. Oder der Fasching. Oder Karneval. Auf jeden Fall jene Zeit, bei der alle kostümiert durch die Gegend rennen und wegen ihres erhöhten Alkoholspiegels in Reimen reden. Und jetzt soll mir bloß keiner kommen und sagen: „Na, das ist aber eine bösartige Diffamierung und eine totale Verallgemeinerung. Man kann Fastnacht auch ohne Alkohol feiern, und vor allem geht es darum, den Mächtigen den Spiegel vorzuhalten und so weiter…“  Die Fastnacht, die ich kenne, hat viel mit Trinken oder – Entschuldigung – mit Saufen zu tun.

So! Und jetzt also kommt mitten in die von uns Amateurtrainern so ausgeklügelt konzipierte Vorbereitungszeit diese Fastnacht. Am besten würden wir Amateurtrainer diese Zeit ignorieren, das Training absagen, in Urlaub fahren oder mit der Familie spazieren gehen (von mir aus könnte der eine oder andere Amateutrainerkollege die Fastnacht auch feiern…). Aber nein, wir Amateurtrainer sind schließlich Getriebene, vom Fußball besessen, gierig nach Erfolg und vom schlechten Gewissen geplagt („oje, wenn ich an Fastnacht nicht trainiere, dann habe ich in der Runde doch überhaupt keine Chance“).  Also setzen wir in den sechs Tagen zwischen Dickem Donnerstag und Aschermittwoch zwei bis drei Trainingseinheiten an. Wir machen das, obwohl wir wissen, dass wir uns ärgern werden. Und zwar so grün und blau, dass wir mit unserer veränderten Gesichtsfarbe locker einen der ersten Plätze bei irgendeiner fastnachtlichen Kostümprämierung machen würden.

Weiter oben habe ich schon ausgeführt, dass Fastnacht und Alkohol in etwa so zusammenpasst wie…? Wie…? —— Na, wie Amateurfußballer und Bier. Perfekt also!

Deshalb sind Amateurfußballer ja auch gute Fastnachter. Umgekehrt allerdings wird kein Schuh draus. Das Kommutativgesetz (Vertauschungsgesetz ‚a+b=b+a), meine ehemaligen Mathelehrer könnten es nicht fassen, dass ausgerechnet ich auf dieses Gesetz hinweise) gilt hier nicht.

Zunächst einmal schaffen es viele Amateurfußballer überhaupt erst gar nicht in die von uns Amateurtrainern angesetzten Übungseinheiten, weil sie plötzlich Fastnachter geworden sind. Vor allem die Einheiten nach Rosenmontag sind immer eher schlecht besucht. Da nutzen auch keine wohlmeinenden Ermahnungen oder Appelle an die Disziplin, oder die Bitten sich vor dem Nichterscheinen zumindest beim Coach abzumelden. Statt eines taktischen Spiels acht gegen zehn mit dem Lehrthema Pressing und Gegenpressing sowie einigen Shuttle-Run-Tests und Flankentraining mit Torabschluss muss nun kurzfristig umgeplant und drei gegen zwei gespielt werden. Oder zwei gegen zwei. Gut möglich, dass Trainer und Kotrainer auch den Platzwart zu einer Skatrunde überreden. (das klappt freilich nur, wenn der kein Fastnachter ist…).

Wenn dann doch der eine oder andere Kicker den Weg zum Sportplatz zur Übungseinheit findet, so müssen wir Amateurtrainer unbedingt das Training anpassen. Also keine zehn Steigerungsläufe – sondern keine! Die fastnachtenden Fußballer sind einfach nicht so belastbar, weil sie im Allgemeinen mehr getrunken als gegessen haben. Das führt zu Gleichgewichtsstörungen, Sehausfällen oder unschönen Flecken auf dem Sportplatz, die an die letzte Pizza, das letzte Schnitzel oder an ähnliches erinnern.

Womöglich könnten wir Amateurtrainer uns mit Mühe mit der Fastnacht arrangieren, wenn nicht die Nach-Fastnachtszeit wäre. Die dauert im Allgemeinen die zwei Wochen bis zum ersten Punktspiel, denn nach Fastnacht können unsere Spieler normalerweise nur eingeschränkt oder gar nicht trainieren. Weil Fastnacht nämlich krank macht! —- Und schon wieder höre ich die Empörung: „Also jetzt reicht es, Fastnacht macht nicht krank. Sie ist im Gegenteil sogar gut für die Seele, weil viel gelacht wird usw….“

Also die Fastnacht, die ich kenne, macht krank: Die, Fastnacht, die ich kenne, sorgt bei Amateurfußballern für Kopfweh, Gliederschmerzen und Übelkeit sowieso, aber auch für üble grippale Infekte, Bronchitis, Durchfall und Lungenentzündungen. Auf jeden Fall fallen die Spieler aus, und wir Amateurtrainer müssen nicht nur schon wieder improvisieren, sondern stellen auch noch ernüchtert fest, dass alles, was wir mit den Spielern vor Fastnacht erarbeitet haben, weg ist. Die Fitness sowieso. Und so vorbereitet, schicken wir die Jungs und Mädels dann in das erste Punktspiel nach der Winterpause. Das ist nicht nur fahrlässig, sondern sogar hochgradig gefährlich für Leib und Leben unserer Amateurspieler.

Deshalb also sind die Verbände – der SWFV, der DFB, die UEFA, die FIFA – gefordert. Entweder sorgen diese mächtigen Verbände dafür, dass Fastnacht abgeschafft wird oder sie lassen den Antrag zu: „Wer Fußball spielt, darf nicht zur Fastnacht“!

Die Kicker, die dann dagegen verstoßen, die sollten mit gewaltigen Sperren oder zu Büttenreden ohne Alkohol verdonnert werden! Helau!!!!

PS: Darf man am Aschermittwoch ‚Helau‘ sagen?

Sascha Nicolay

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Captcha * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.