Februar 2015: Die Zahlen von Rhein-Zeitung.de, erstmals hinter dem Paygate

Erstmals haben wir im Februar 2015 auf Rhein-Zeitung.de einen kompletten Monat mit nahezu allen unseren Artikeln hinter dem Paygate erlebt. Die logische Folge: Bei den Zugriffszahlen messen wir deutliche Rückgänge. Es kommen nun nur noch unsere Abonnenten und Käufer von Zugangspässen auf unsere Seiten. Aber: Diese Klientel wächst. Hier spielt die Musik.

Insgesamt zählten wir im Februar 1,91 Millionen Visits auf Rhein-Zeitung.de (vorläufige Zahlen, können sich im Detail noch ändern). Nach 2,5 Millionen Visits im Vorjahresmonat bedeutet das ein Minus von 23 Prozent. Ein scheinbar ehernes Gesetz von Rhein-Zeitung.de ist damit erstmals signifikant durchbrochen: dass wir Monat für Monat mehr Zugriffe verzeichnen als im jeweiligen Vorjahresmonat. Das war seit vier Jahren fast jeden Monat der Fall.

Zugriffe

 

Entwicklung-201502

Visits-201502

Dennoch zeichnet dieser Trend keine Sorgenfalten in unsere Gesichter. Denn wir wissen nun sehr viel besser, für wen wir unsere Inhalte auf Rhein-Zeitung.de bereitstellen: für ein Publikum, das uns durch das bezahlte Abonnement oder den Kauf von Zugangspässen auch finanziell gewogen ist.

Die Zahl der zahlenden Leser wächst. Und das auch bei neuen Bezahlarten. Im Februar haben wir auf Rhein-Zeitung.de erstmals Einzelpässe zu Artikeln verkauft. Ein Artikel kostet 50 Cent, egal wie lang, exklusiv oder spektakulär. Wir verkauften 410 Artikel im Monat. Manche dachten, die neuen Einzelpässe gingen zu Lasten der Tagespässe (à 0,90 Euro). Mitnichten: Die Zahl der verkauften Tagespässe stieg währenddessen weiter (obwohl es ein um drei Tage kürzerer Monat war als der Januar).

Paywall

Das sind zwar zarte Zahlen im Vergleich zu dem, was monatlich im Printgeschäft beim Einzelverkauf am Kiosk Usus ist. Aber ehrlicherweise sind wir bei der Neuausrichtung von Rhein-Zeitung.de einmal mehr am Anfang.

Jene eingeblendete Seite, mit der wir zurzeit unsere Kunden zum bloßen Anmelden oder zum Kauf eines Zugangs animieren wollen, entspricht noch lange nicht der Nutzerführung, die wir im Jahr 2015 im Internet durch andere Dienste von Apple, Facebook oder auch Spotify zu schätzen gelernt haben.

Es gilt, die optischen, gedanklichen und haptischen Hürden zu senken, die zum Überwinden unserer Paywall bisher nötig sind. Benutzerkennung und Kennwort sind für sich schon ein Hindernis. Man muss diese Daten irgendwo herauskramen, sich erneut zuschicken lassen oder mit schlechtem Gewissen ständig dasselbe Passwort verwenden. Keine guten Voraussetzungen, um ins Geschäft zu kommen.

Wo dabei die Reise hingeht, zeigen dieser Tage Apple, die Postbank und die Deutsche Bank: Der bloße Fingerabdruck taugt mittlerweile als Zugangsautorisierung – sei es für die Erlaubnis, dass die Tochter auf ihrem iPad Mini eine bestimmte App installieren darf (dann taucht bei mir auf dem Handy eine entsprechende Abfrage auf, die ich mit zwei Zeigefinger-Abdrücken zulasse), sei es für den Zugang zum Bankkonto. In zwei Jahren werden wir vermutlich darüber lachen, wie eine ganze Generation von Digitalnutzern anderthalb Jahrzehnte lang seitenweise Passwörter notierte.

Spätestens dann wird es mit dem Bezahlen einfacher. Ob eine schriftgewordene einzelne Recherche auf Rhein-Zeitung.de dann genau 50 Cent wert ist oder ein Jahres-Abo für den Web-Zugang (ohne Print und E-Paper) exakt 70,80 Euro, erproben wir gerade.

Es gilt, den Zugang und auch das Bezahlen so einfach zu machen, wie es einst Apple mit der Musik gelungen ist. Dass heute ganz andere technische Möglichkeiten dafür vorliegen (per HTML5, OAuth-Anmeldung, mobilen und schnell verknüpfbaren Bezahldiensten), gilt es zu nutzen. In diesen Hinterzimmern des Webs spielt die Musik.

Von Marcus Schwarze, Redakteur Rhein-Zeitung

 

Marcus Schwarze

9 Gedanken zu „Februar 2015: Die Zahlen von Rhein-Zeitung.de, erstmals hinter dem Paygate

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  3. Micha

    Hier muss deutlich am crossmedialen Gesamtpaket gearbeitet werden. Der Schritt ist ja an sich mutig bis alternativlos, und man kann auch gern mit Lösungen als „beta“ starten. Aber den Nutzer quasi vom Bezahlen abhalten mit den Lösungen, das wäre eher noch alpha-Version. Kundenbindung per paypal ist halt auch schwer. Und Adressdaten beim online pay? why? will ich das Geld vom Leser oder seine Adresse, um ihm den Online-Artikel per Post zuzustellen?

    Zudem: was ist mit euren Apps? Entweder ’ne fancy mobile Seite / responsive oder ’ne saubere App, auch wenn sich nicht alle Tagespässe, Wochenpässe, Monatspässe per In-App purchase abbilden lassen. Da geht noch was!

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