Borussia Neunkirchen gehört in die Saarlandliga und der SVN Zweibrücken in die C-Klasse Pirmasens West

Beim SC Idar-Oberstein stellen sich derzeit alle die Frage, ob er einen Kader hat, der in der Verbandsliga konkurrenzfähig ist. Dabei müsste die Frage eigentlich lauten, warum spielt der SC eigentlich nicht mehr in der Oberliga, sondern statt seiner Borussia Neunkirchen und der SVN Zweibrücken.

Weil im Verein in der Vergangenheit personelle Fehlentscheidungen getroffen wurden und weil die Mannschaft es in der vergangenen Saison nicht geschafft hat, besser als auf Platz 14 abzuschließen und als Fünftletzter sportlich abgestiegen ist. Alles richtig – aber es gibt auch noch eine andere Antwort, eine andere Wahrheit:

Der SC Idar-Oberstein spielt auch nicht mehr in der Oberliga, weil Borussia Neunkirchen, obwohl zum wiederholten Male fahrlässig in finanziellen Schwierigkeiten, von der ganzen Fußballwelt geholfen wird und so einfach mal in die neue Saison gehen darf, ohne sicher zu sein, ob der Verein überhaupt bis zum Ende der Saison durchhält.

Und der SC Idar-Oberstein spielt auch nicht mehr in der Oberliga, weil sich der SVN Zweibrücken in der Regionalliga finanziell und sportlich verhoben hat, abgestiegen ist und der Verein dann obwohl eigentlich gar keine Mannschaft vorhanden war und ist – schon gar keine konkurrenzfähige – mal locker für die Oberliga gemeldet hat.

Bis zuletzt, also bis zum Schluss des letzten Spieljahres, das am 30. Juni endete,  hatte der SC Idar-Oberstein gehofft, dass entweder Neunkirchen oder Zweibrücken oder beide einsehen, dass eine Meldung für die Oberliga keinen Zweck hat. Doch diese Hoffnung hat sich zerschlagen, und – besonders schlimm – jetzt muss der SC zusehen, wie die Oberliga vielleicht nur mit 17 statt 18 Klubs beginnt oder wenigstens einer (SVN Zweibrücken) vollkommen konkurrenzunfähig durch die Runde taumelt. Beim SC Idar darf man das getrost als schreiende Ungerechtigkeit empfinden, denn, um es klar zu sagen: Eigentlich haben Borussia Neunkirchen und der SVN Zweibrücken nichts mehr in der Oberliga verloren!

Borussia Neunkirchen musste im April 2015 die Insolvenz beantragen. Wenn das Verfahren vor dem 30. Juni eröffnet worden wäre, dann wäre die Borussia am Ende der vergangenen Saison abgestiegen. Diesen gefährlichen Termin haben die Borussen aber irgendwie ohne die Eröffnung überstanden, und so bleibt der Klub Oberligist. Möglich gemacht haben das unter anderem alle möglichen Rettungsaktionen für den Traditionsverein. Ein Käfer tourte durch Deutschland und wurde versteigert, diverse Benefizspiele wurden ausgetragen. Das ist löblich von den Rettern – verdient hat es die Borussia indes nicht. Denn schon 2003 war der Verein insolvent. In den zwölf Jahren bis zum nächsten Insolvenzverfahren haben diverse Verantwortungsträger des Vereins nichts gelernt, sondern weiter das Bild vom ehemaligen Bundesligisten und Traditionsverein kultiviert. Natürlich ist das marode Stadion immer ein finanzieller Klotz am Bein gewesen, aber seien wir doch mal ehrlich: Die Borussia hat auch deshalb immer wieder Zahlungsschwierigkeiten, weil sie über ihre Verhältnisse gelebt hat. Weil Spieler verpflichtet wurden, deren finanzielle Ansprüche eigentlich eine Nummer (oder zwei oder drei) zu groß waren für den Verein. Nicht umsonst war es in der Vergangenheit oft so, dass die Borussia stark in eine Runde gestartet war, womöglich sogar zu den Titelkandidaten gehört hatte, später aber abgestürzt und unter ferner liefen gelandet war. Viel zu oft leistete sich die Borussia also offenbar eine Mannschaft, die sie sich eigentlich gar nicht leisten konnte und erinnerte dabei an einen Spieler, der nahezu alles verzockt hat, aber doch weiter spielt, weil er an den Jackpot glaubt. Dieser oder jener Angreifer ist zwar viel zu teuer für uns, aber er schießt uns ganz bestimmt in die Regionalliga und in den DFB-Pokal – und dort mindestens in die zweite Runde… Das ist auch eine Art von Wettbewerbsverzerrung.

Der SVN Zweibrücken hat ja schon in der vergangenen Regionalligasaison über weite Strecken mit einer nicht mehr konkurrenzfähigen Mannschaft gespielt. Nach dem Abstieg haben den Verein noch einmal ziemlich viele Spieler verlassen (Spötter sagen alle). Trotzdem dachte in Zweibrücken offenbar niemand daran, Fairness walten zu lassen und einen konkurrenzfähigen Klub in der Oberliga spielen zu lassen. Irgendwie würde man schon irgendeine Mannschaft zusammenbekommen. Beispielsweise durch ein lustiges Kicker-Casting. Auf seiner Facebook-Seite rief der Verein am 1. und am 7. Juli zu zwei Sichtungstrainings für die Oberliga auf. „Zur Vervollständigung unseres Kaders für die Oberliga Saison 2015/2016 suchen wir Spieler unterschiedlicher Positionen“, heißt es da, und weiter: „Zeige Dich in der Oberliga“!

Ich habe ernsthaft überlegt dort zu erscheinen und meine Oberligaeinsatzzahl ein bisschen aufzumöbeln! Geklappt hätte das aber wohl nicht. Denn viel gebracht hat das Casting nicht. Gut – der Trainingsauftakt hat immerhin schon gestern, am 13. Juli, stattgefunden. Zu viel Training für eine Oberligarunde ist ja auch übertrieben, zweieinhalb Wochen reichen zur Vorbereitung locker. Ein Trainer, Florian di Lella, war auch da. Aber der ist gleich wieder zurückgetreten, weil nicht allzu viele Spieler da waren. So acht bis bis elf – die Angaben schwanken – wollten sich auf die Oberliga vorbereiten lassen. Di Lella hatte dann doch Zweifel, dass das möglich ist, zumal nicht alle Kicker, über das Niveau für die fünfte Klasse verfügten. Aber wenn es wenigstens mehr gewesen wäre, dann hätte man vielleicht auch aus ehemaligen Bezirksliga- und B- und C-Klassen-Spielern eine überaus schlagkräftige Mannschaft machen können. So wie damals die Indianer von Cleveland es getan haben, als aus dem kurzsichtigen Rick „Wild Thing“ Vaughn alias Charly Sheen ein Weltklasse-Pitcher geworden ist. Gut, es ging um Baseball und es war ein Film – aber trotzdem. Das Problem in Zweibrücken: Di Lella ist nicht Lou Brown…

Gut, also aktuell stehen die Zweibrücker mit acht bis elf Spielern und keinem Trainer da – zweieinhalb Wochen vor dem Start in die Saison.

Beim SC Idar-Oberstein dürften die Verantwortlichen weder den Fall Zweibrücken noch den Fall Neunkirchen besonders lustig finden. Personelle Fehlentscheidungen und eine sportlich schlechte Saison sind nämlich  zwar ärgerlich, aber zu akzeptieren. Sich aber Hasardeuren, offensichtlichem Zeitspiel und absichtlich unfairem Verhalten beugen und eben auch deshalb absteigen zu müssen, ist nur schwer zu ertragen.

Ich finde, dass Borussia Neunkirchen 2015/2016 in der Saarlandliga spielen müsste und der SVN Zweibrücken in der C-Klasse Pirmasens/Zweibrücken West. Der SC Idar-Oberstein sollte dagegen in der Oberliga spielen dürfen. Ob das angesichts der gewaltigen Fluktuation im Kader der Schmuckstädter gut wäre, steht auf einem anderen Blatt.

 

Sascha Nicolay

Ein Gedanke zu „Borussia Neunkirchen gehört in die Saarlandliga und der SVN Zweibrücken in die C-Klasse Pirmasens West

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Captcha * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.