Die Verbandsliga-Frauen des SV Niederhambach können Viererkette

Es ist ziemlich genau ein halbes Jahr her, da kritisierte René Alletter, einer der renommiertesten Trainer im Frauenfußball im Kreis Birkenfeld, das taktische System von Frauenfußball-Verbandsligist SV Niederhambach. „Sie rühmen sich immer mit ihrer Viererkette und können es nicht spielen“, sagte Alletter, der heute die Frauen des VfL Weierbach coacht und damals noch in Diensten der DSG Breitenthal war.
Ich habe die SVN-Frauen am vergangenen Samstag im Derby in Kirn-Sulzbach spielen sehen und kann deshalb an dieser Stelle festhalten: Alletter hat unrecht. Die Frauen des SV Niederhambach können Viererkette!
Vor etwa zwei Jahren traf SVN- Trainer Rüdiger Rydzewski eine im Frauenfußball im Kreis Birkenfeld außergewöhnliche Entscheidung. Der Libero und die Manndeckerinnen wurden eingemottet und die Vierer-Abwehrkette eingeführt. Seit damals schwankten die Ergebnisse und die Leistungen, aber die Viererkette blieb, auch, wenn es zwischendurch mal Zweifel gab. Ich finde, das war eine sehr gute Entscheidung. Und die Früchte sind längst zu sehen.
In Niederhambach agierte die SVN-Kette rechts mit Theresa Jost (in der Pause übernahm Hanna Jost diese Position), mit Sandy Winter und Diana Vetter innen und Hanna Voborsky links. Trainer Rydzewski hatte seine Kette angewiesen tief zu stehen und damit tatkräftig mit dem noch immer bestehenden Vorurteil aufgeräumt, dass mit einer Kette zwingend relativ hoch gespielt werden muss und auf Abseits. Eine Kette ist immer nur so gut, wie die Akteurinnen vor ihr. Melissa Lauer und Sabine Ströher im Mittelfeldzentrum sowie Hanna Jost beziehungsweise Elisabeth Eidens und Lisa Schwinn außen arbeiteten aber sehr, sehr gut gegen den Ball. Schnell und aggressiv. Die vielen langen Bälle des Gegners wehrten die SVN-Spielerinnen in der Kette souverän ab. Dabei fiel auf, dass das Gebilde nicht starr wie eine Stange, sondern tatsächlich beweglich agierte. Die Kettenspielerinnen sicherten einander meist ordentlich ab.
Bemerkenswert war zudem, dass der SVN die offensiven Möglichkeiten einer Vierer-Abwehrformation gerade über links konsequent nutzte. Außenverteidigerin Hanna Voborsky schuf konsequent Überzahl außen, hinterlief, schob immer an, machte über den Flügel Druck, bereitete Chancen vor und erzielte nicht zuletzt auch ein Tor. Der SVN spielte zudem von hinten sehr ansehnlich auf. Nicht zuletzt deshalb, weil Innenverteidigerin Sandy Winter technisch stark ist und über Ruhe in Ballbesitz, selbst bei Gegnerdruck verfügt.
Natürlich war die SVN-Kette nicht perfekt. Die Abstände zwischen den einzelnen Spielerinnen gerieten mitunter zu groß. Auch, weil die Außenverteidigerinnen noch zu sehr an ihren Gegenspielerinnen orientiert waren. Wenn sich beide trauen, weiter einzurücken, wenn der Ball auf der Gegenseite ist, dann wird diese Kette noch schwerer auszuspielen sein. Zudem sollte der SVN seine Abseitsfalle überdenken. Einige Male rückte die SVN-Kette sehr energisch nach vorne und stellte die Kirn-Sulzbacher Spielerinnen tatsächlich auch ins Abseits. Trotzdem betrieb der SVN hier ein unnötiges Vabanquespiel. Das Team rückte nämlich auf, obwohl die ballführende Kirn-Sulzbacherin zum Tor aufgedreht war und ohne Druck passen konnte. Ein Kinderspiel für eine starke Passgeberin und eine gewitzte, schnelle Stürmerin, die Abwehr auszuhebeln.
Doch das sind Kinderkrankheiten, die der SVN abstellen kann. Im Übrigen: Niemand verlangt in der Frauen-Verbandsliga eine perfekt funktionierende Viererkette, genauso wenig, wie man früher erwartet hätte, dass ein A-Klasse-Libero wie Franz Beckenbauer spielt.

Sascha Nicolay

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