Buhruf | Das E-Mail-Adressen-Daten-Desaster – Und Facebook so: Upps!
17. Juli, 2012 von Sandra Elgaß

Facebook-Mitglieder sollten immer ein Auge auf die Daten haben: Denn das Unternehmen ändert sie schon mal klammheimlich.
Es passierte heimlich und hinter dem Rücken von fast 22,1 Millionen bei Facebook angemeldeten, deutschen Nutzern und fast 840,5 Millionen Mitgliedern weltweit – und viele haben es sogar vielleicht bis heute nicht bemerkt.
Einerseits tauschte das soziale Netzwerk ihre E-Mail-Adresse heimlich gegen eine Adresse aus, die sich aus dem Nutzernamen und „@facebook. com“ zusammensetzt. Andererseits wirkte sich das Update bei manch einem sogar auf dem mobilen Gerät aus: Dort wurden offenbar auch in den Adressbüchern E-Mail-Adressen durch die neue @facebook-Adresse ausgetauscht hat – die vorher gespeicherten E-Mail-Adressen gingen Betroffenen zufolge dabei verloren.
Die @facebook-E-Mail-Adresse lässt sich zwar im eigenen Profil ausblenden, jedoch nicht löschen (Wenn ihr jetzt fragt: “Hö? Wie geht das?”, antworte ich: “Guckt mal unten, dat Kursive “). Der Eingriff in die Kontaktlisten auf Smartphones und Co. soll laut Unternehmen nur ein bedauerlicher Unfall gewesen sein. Rückgängig machen lässt sich das aber nicht.
Facebook: Wir wollten mehr Austausch für unsere Nutzer … und das Malheur mit den Kontaktlisten: Upps!
Die Motivation für das E-Mail-Adressen-Update ist klar: Ziel des sozialen Netzwerks ist – neben der Gewinnung von persönlichen Daten der Mitglieder, die sich teuer verkaufen lassen – ein möglichst intensiver Austausch zwischen den Facebook-Nutzern. Da liegt ein eigener E-Mail-Dienst nahe. Ob die Mitglieder von Facebook diese E-Mail wollen, das fragte das Unternehmen sie vorher aber nicht.
Diese Manipulation prangerte Adobe-Mitarbeiterin Rachel Luxemburg als eine der ersten Betroffenen öffentlich an:
“Bad Facebook, No Cookie For You”
And even worse, the e-mails are not actually in my Facebook messages. I checked.
They’ve vanished into the ether.
For all I know, I could be missing a lot more e-mails from friends, colleagues, or family members, and never even know it.
Auf ihrem Blog beschreibt sie also, wie ein Kollege herausfand, dass ihre E-Mail-Adresse in seinen Kontakten durch die neue Facebook-Adresse ersetzt wurde. Der Kollege wollte ihr eine berufliche E-Mail-Adresse senden. Die verschwand aber im “Sonstiges”-Ordner auf Facebook. In verschiedenen Foren berichten zahlreiche weitere Menschen über dieses Phänomen.
Das soziale Netzwerk schob zuerst alles auf die “Verwirrtheit” seiner Nutzer
Facebooks Antwort: Das passiere immer dann, wenn jemand eine E-Mail an die (jetzt unbemerkt im Adressbuch stehende) @facebook-Adresse sendet, der mit dem Empfänger NICHT DIREKT auf Facebook befreundet ist. Violet Blue vom CNET Blog Network stellte die Aussagen zusammen, mit denen Facebook erst auf den Sonstiges-Ordner verwies – das alles sei der “Verwirrung” der Mitglieder angesichts der Nachrichtenbox-Systematik geschuldet – um dann doch einzuräumen, dass in manchen Fällen E-Mails nicht ankommen. Und zwar dann, wenn man auf Facebook eingestellt hat, dass man keine Nachrichten von Leuten bekommen möchte, mit denen man nicht verbunden ist:
However, if you’ve specified in privacy settings that you only want to receive messages from friends or friend of friends, then the message will bounce.
“Böses Facebook! Kein Keks für dich!”
Ob ihr auch von der Adressbuchänderung betroffen seid, erfahrt ihr, indem ihr die Kontakte in eurem Handy überprüft, mit denen ihr auch über Facebook verbunden seid. Schaut, ob die E-Mail-Adresse noch stimmt.
Falls eure Freunde von einer Adressbuchänderung betroffen sind, kommen ihre E-Mails vielleicht nicht an. Checkt also am besten auch mal euren “Sonstige”-Ordner in den Facebook-Nachrichten, da dort die E-Mails jener liegen könnten, deren Adressbücher geändert wurden.
Ein Grund dafür, warum einige Facebook-Mitglieder betroffen sind und andere nicht, ist derzeit noch nicht gefunden. In einem offiziellen Statement, das er auf seiner eigenen Facebook-Seite verlinkte, versuchte Andrew Bosworth, Director of Engineering bei Facebook, am Tag nach dem Bekanntwerden des Malheurs, die Wogen zu glätten: Ein Bug sei schuld, sagte er Mitarbeitern der Seite theverge.com. Man werde sich dessen sofort annehmen.
Achtung: iOS 6 Beta-Nutzer könnten betroffen sein
Achtung: Bei iOS 6, das Apple im Juni vorstellte, ist Facebook wohl noch tiefer integriert, weshalb Leute, die bereits die Beta-Version nutzen, wohl wirklich mal prüfen sollten, ob ihre Adressbücher noch stimmen. Für die betroffenen Nutzer ist es aber wahrscheinlich zu spät: Wenn die Tipps unten nicht funktionieren, müssen sich alle E-Mail-Adressen neu besorgen und speichern.
Wer zukünftig den Zugriff von Facebook auf die Kontaktliste in seinem mobilen Gerät verhindern möchte, dem bleibt nur, die Synchronisation mit Facebook abzustellen – und insofern in den sauren Apfel zu beißen, als dass sie in Zukunft auf gewünschte Effekte verzichten müssen. Dazu gehört, dass automatisch die Facebook-Profilbilder in die Kontaktlisten oder der Geburtstag in den Handy-Kalender eingefügt werden – Letzteres ist ein Effekt, der gerade mir als notorischem Geburtstagsvergesser gut gefallen hat.
Solltet ihr weitere Tipps haben, auf die ich noch nicht gestoßen bin, fühlt euch eingeladen, sie in einem Kommentar unten zu teilen!
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Service: Was mache ich denn jetzt?
- Synchronisation von mobilem Gerät und Facebook abstellen
Auf Android-Smartphones wechselt ihr dazu in die „Kontakte“ und öffnen die Optionen. Hier könnt ihr sehen, mit welchen Diensten Ihr Handy synchronisiert ist. Stellt die Synchronisierung mit ihrem Facebook-Konto auf „Aus“. Habt ihr das neueste Systemupdate von Android installiert, tippt ihr auf „Kontakte“, dann oben auf „Telefonbuch“. Das sich öffnende Fester zeigt wiederum die mit ihrem Telefon verknüpften Internetdienste an. Macht das Häkchen hinter dem Facebook-Konto weg. Wenn ihr ein iOS-Gerät (zum Beispiel ein iPhone) nutzt, tippt ihr auf „Einstellungen“, „Datenschutz“, „Kontakte“ und deaktiviert die Synchronisation mit Facebook über den Schieberegler.
- Wie man die neue E-Mail-Adresse in der Chronik versteckt
Zwar wird man die neu zugeteilte @facebook-E-Mail-Adresse nicht mehr los, aber sie lässt sich verbergen: Wer in seinem Facebook-Profil lieber keine oder seine alte E-Mail -Adresse anzeigen lassen möchte, klickt auf seinem Profil (der Chronik) auf „Info“,scrollt zum Kasten „Kontaktinformationen“ und klickt auf den nebenstehenden Button „Bearbeiten“. Im Feld „E-Mails“ stehen alle E-Mail-Adressen, die ihr je bei Facebook angegeben habt, plus eure neue @facebook-Adresse. Diese wurde von Facebook mit der höchsten Priorität und Sichtbarkeit angelegt – und zumindest das lässt sich ändern: Hinter den jeweiligen Adressen könnt ihr mit Klick auf das Personensymbol bestimmen, ob die E-Mail für alle sichtbar sein soll, nur für einen von euch bestimmbaren Personenkreis oder nur für euch. Stellt diese Einstellung bei der @facebook-Adresse auf „Nur ich“. Im nächsten Schritt klickt ihr auf das Symbol rechts daneben (durchgestrichener Kreis). Hier könnt ihr bestimmen, ob eure E-Mail-Adresse in eurer Chronik angezeigt oder verborgen werden soll. Stellt diese Einstellung auf „In Chronik verbergen“. Leider lässt sich die @facebook-E-Mail-Adresse nur entfernen, indem das ganze Profil endgültig gelöscht wird.
- In der eigenen Chronik auf “Info” klicken…
- …zu “Kontaktinformationen” scrollen und “Bearbeiten” klicken…
- …und am Personensymbol “Nur ich” sowie den Sichtbarkeitseinstellungen “verstecken” einstellen.
- Facebook hat ungehörigerweise E-Mail-Adressen im Adressbuch mobiler Geräte verändert.
- Gibt es einen Weg, das Adressbuch wieder herzustellen?
Ich selbst bin nicht betroffen, daher habe ich dafür keine gesicherte Lösung. Es gibt jedoch einen Vorschlag dazu von MSN, den ich euch hier einfach mal kurz übersetze, ohne Garantie darauf, dass es funktioniert.
Schritt 1: Kontakte zurücksetzen
Vor allem Google macht regelmäßig Sicherheitskopien der Kontaktlisten, für den Fall, dass etwas schiefgeht. Fast alle Android-User synchronisieren mit Google – genau wie viele iPhone-Besitzer. Natürlich funktioniert diese Methode nur, wenn man die Synchronisation mit Google auch wirklich nutzt. Um auf diese Sicherheitskopien zurückzugreifen, macht man Folgendes:
- Synchronisation mit Facebook abstellen (siehe oben).
- Zur Gmail-Inbox gehen und das Gmail-Logo unter dem Google-Logo klicken. Zu den Kontakten gehen.
- Auf “Mehr” klicken und dann auf “Kontakte wiederherstellen”. MSN empfiehlt, eine Kopie zu wählen, die vor dem 22. Juni gemacht wurde – wann genau die Facebook-Änderung stattfand, kann MSN nicht sagen.
- Danach sollen laut MSN die E-Mail-Adressen, wie sie vor der Facebook-Aktion eingetragen waren, wiederhergestellt sein. So lange nicht wieder mit Facebook synchronisiert wird, bleibt das auch so.
Jenen, die ihre Daten nicht mit Google synchronisieren, rät MSN, nach Alternativen auf ihrem Computer zu suchen, und nennt bei MacBook-Nutzern zum Beispiel das Programm “Time Machine”: Adressbuch öffnen, Time Machine aktivieren und das Adressbuch auf ein Datum vor der Facebook-Aktion zurücksetzen. Wenn man danach das mobile Gerät wieder mit dem Kalender des PCs oder Notebooks synchronisiert, sollte das Problem behoben sein.
Schritt 2: Den Freunden auf Facebook anraten, ihr Facebook-Profil zu ändern
Wenn die Methode oben nicht funktioniert oder man auf die Synchronisation mit Facebook nicht verzichten möchte, muss man einfach alle seine Freunde überzeugen, die E-Mail-Adresse in ihrem Profil zu verstecken. Wie das geht, habe ich oben beschrieben.
Übrigens konnten die Autoren dieses Vorgehen auch nicht selbst testen, und bitten die betroffenen User darum, in Kommentaren unter dem Artikel mitzuteilen, ob ihre Vorschläge funktionieren. Natürlich könnt ihr das gern auch unter meinem Blog tun.
Tags:Android, Daten, Datenschutz, Facebook, iOS, Kommunikation, social media, social web, soziale Netzwerke



17 Juli 2012 um 13:59 Uhr
Diese Info ist leider viel zu wenig publiziert worden – insofern danke für die Info.
Allerdings gibt es folgendes anzumerken:
Sie hinterfragen zu Recht die Praxis von Facebook.
Sie hinterfragen aber leider nicht die Aussage von Andrew Bosworth, dass es sich um einen Programmierfehler handele.
Das zu glauben fällt mir äußerst schwer. Um die E-Mail Adressen auszutauschen, muss man Routinen einbauen, um auf das Smartphone-Telefonbuch zuzugreifen, die Adressen auszulesen und zu überschreiben. Eine derartige Funktionalität im Rahmen eines Programmierfehlers zufällig zu erzeugen, ist kaum vorstellbar.
M.a.W.: Das Ganze ist vermutlich vorab gezielt prgrammiert worden – vielleicht war es nur noch nicht beabsichtigt, es jetzt schon scharf zu schalten. Man hat es aber ganz sicher geplant.
Wenn nicht, sollte man Facebook auffordern, den Gegenbeweis anzutreten, in dem sie den betroffenen Sourcecode mit dem “Programmierfehler” offen legen. Dazu wird man diese Firma aber sicher nicht bewegen können.
Also doch besser Finger weg von diesen Unternehmen / Unternehmungen.
mfg
Mike Knife
17 Juli 2012 um 14:12 Uhr
Lieber Mike, danke für Ihren Beitrag!
Zu den genauen Worten von Bosworth gegenüber theverge.com (ich gehe davon aus, dass er damit einverstanden ist, wie er dort zitiert wurde, sonst hätte er es nicht auf seiner FB-Seite verlinkt):
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“Contact synchronization on devices is performed through an API. For most devices, we’ve verified that the API is working correctly and pulling the primary email address associated with the users’ Facebook account. However, for people on certain devices, a bug meant that the device was pulling the last email address added to the account rather than the primary email address, resulting in @facebook.com addresses being pulled. We are in the process of fixing this issue and it will be resolved soon. After that, those specific devices should pull the correct addresses.”
Sie haben also vollkommen Recht damit, dass das Unternehmen den Code offenlegen müsste, um zu beweisen, dass es ein Bug war. Und ich vermute auch, dass Sie leider auch damit Recht haben, dass die das wahrscheinlich nicht tun würden. Interessant wäre es natürlich schon, zu sehen, wie FB da argumentieren würde
Zu dem Einwand, ich würde seine Aussage überhaupt nicht hinterfragen: Ich habe in den beiden Sätzen bewusst den distanzierenden Konjunktiv stehen lassen.
17 Juli 2012 um 16:26 Uhr
Danke für die Rückantwort.
Ich gebe zu, dass meine Formulierung (Hinterfragen der Facebook-Aussage) ein wenig provokativ war (aber auch bis zu einem gewissen Grad mit Absicht. In der heutigen Zeit wird leider viel zu viel einfach hin genommen und eben nicht weiter hinterfragt. Ich erinnere in diesem Zusammenhang auf die vielen Antworten (insbesondere von Polititkern), für die die Frage erst noch formuliert werden muss.)
Mittlerweile habe ich weitere Informationen von einem Kollegen bekommen. Nach dessen Darstellung lief das ganze etwas anders ab – und vorausgesetzt, diese Version stimmt, kann man dann doch von einem Programmier- bzw. Konfigurationsfehler sprechen.
Nach seiner Info ist der Sachverhalt wie folgt:
Viele Nutzer benutzen Facebook (so wie andere Google) zum Synchronisieren. Wenn jetzt Facebook in den Datenbanken eine zusätzliche Facebook-Adresse einträgt, wird diese beim nächsten Synchronisieren mit ins Handy übertragen. Der Fehler ist wohl der, dass diese Adresse jetzt als Primäre Adresse erscheint. (Im Moment nicht sicher, wo diese Klassifizierung (primär) erfolgt (Facebook-Datenbank vs. Handy (oder beides)). In bestimmten Fällen wird dann also die Primäre Adresse durch die neue Primäre Adresse (aus Facebook) überschrieben, da es ja vom Zeitstempel her die Neuere ist. Damit wäre also das ganze sauber und erklärbar und in der Tat nur ein Configfehler. Aber wie gesagt, solange man nichts genaues weiss… Und insgesamt ist das ganze Gebaren dieser Social-Community-Systeme in jedem Fall grenzwertig.
(Sie erkennen, ich bin kein Freund dieser Systeme!)
Gruss
Mike Knife
17 Juli 2012 um 16:51 Uhr
Danke für die Info!
Ich habe es in der Tat auch so verstanden (aber ein Programmierer bin ich natürlich nicht und somit bleiben da auch bei mir Zweifel).
Unabhängig davon, ob das jetzt ein Bug, eine Nachlässigkeit oder sonst was war: Im letzten Punkt Recht. Es war ja immerhin so, dass Facebook nicht nur die neue E-Mail-Adresse eingeführt hat, ohne zu fragen. Sondern sie wurde zumindest im sozialen Netzwerk klar priorisiert und folglich in der Chronik als “wichtiger” behandelt. Wie das genau mit der Priorisierung der E-Mails bei der Synchronisation in den betroffenen Adressbüchern zusammenhängt, ist der Teil, den ich nicht mit letzter Sicherheit prüfen kann (eine Priorisierung durch das neuere Datum scheint mir aber auch hier logisch). Aber schon die Priorisierung der ungefragt zugeteilten E-mail im Netzwerk gegenüber jener, die der Nutzer selbst eingetragen hat, ist eine Frechheit und signalisiert zumindest mir, wie wenig Respekt Facebook vor seinen Mitgliedern hat.
Hinter dem ganzen “We connect the World for you”-Gesäusel lugt da für mich ein bösartiges “We milk you for your personal data” hervor….
23 Juli 2012 um 08:14 Uhr
Ich denke, dem gibt es nichts mehr hinzu zu fügen.
Gruss MK