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Der Like verliert seine Unschuld: Stammtischparolen bei Facebook florieren

Ein dubioses Geschäftsmodell bekam in den vergangenen Tagen starken Zulauf: Unbekannte gründen Seiten mit teilweise menschenverachtenden Stammtischparolen bei Facebook, sammeln dann massenhaft Likes bei ihrem Publikum und benennen ihre Seite später um. Anschließend nutzen die Unbekannten ihre Seiten mit vielen Likes dazu, Werbung in die Timelines jener Facebookfans zu posten, die sich ursprünglich für eine Stammtischparole aussprechen wollten. Weiterlesen

Marcus Schwarze

Zuruf | Lasst uns das Mitmachnetz nicht den Extremisten überlassen!

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Die Gewalt gegen die westlichen Botschaften in islamisch geprägten Ländern, die wir im Moment erleben, ist scharf zu verurteilen. Diplomaten und Botschaften, die Speerspitzen der gewaltfreien Außenpolitik, sind unantastbar und müssen es bleiben. Das müssen wir den Menschen dort unmissverständlich klar machen und jene hart bestrafen, die sich nicht daran halten. Gleichzeitig dürfen wir die Gewalt nicht weiter schüren. Doch wie stellt man das an? Ein Blick auf die Dynamik der jüngsten Eskalationen könnte zumindest eine Teilstrategie offenbaren. Vielleicht können wir dann Extremisten auf beiden Seiten, denen es tatsächlich darum geht, uns voneinander zu entfremden und gegeneinander auf zu hetzen, mit ihren eigenen Waffen schlagen.

Schund + Meinungsfreiheit + Internet = Eskalation

Schaut man sich diese Eskalationen der jüngsten Zeit genauer an, wiederholt sich hier doch die Geschichte immer wieder: In den Teilen der Erde, in der Meinungsfreiheit ein hohes Gut ist, entstehen Videos, Karikaturen, Texte, die (religiöse) Gefühle, in diesem Fall jene der Muslime, verletzen. Über das Internet werden sie verbreitet. Es ist schon erstaunlich: Eine Karikatur in einer dänischen Zeitung löst Proteste in der ganzen islamischen Welt aus. Ein Video, das in den USA billig produziert wurde, erhält durch einzelne Multiplikatoren, die Gleichgesinnte um sich scharen, weltweit mediale Aufmerksamkeit. Und das führt dann dazu, dass ein aufgebrachter Mob die amerikanische Botschaft in Libyen stürmt und dabei sogar ein verdienter Diplomat ums Leben kommt. Eine Tragödie.

Der ganze Prozess aber basiert auf gegenseitigem Unverständnis. Wir, Mitglieder einer freiheitlich orientierten Gesellschaft, können nicht verstehen, wie ein idiotisches Schundvideo den Zorn gegen ganze Länder, gegen ganze Lebensentwürfe, auslöst. Für uns ist klar: Die Mehrheit steht nicht hinter diesen Provokationen. Das wiederum verstehen die Menschen in den islamisch geprägten Gesellschaften vielleicht nicht – sie sind es nicht gewohnt, dass so etwas ohne die Billigung der Autoritäten verbreitet werden darf. Weil sie meist in einem autoritären Klima aufgewachsen und geprägt worden sind, kennen sie diese Nebenwirkungen der Meinungsfreiheit nicht. Und gehen also davon aus, dass die betreffenden Staaten und ihre Gesellschaften hinter den Ansichten der Abweichler stehen.

Öffentliche Verurteilung von Schund durch Autoritäten + Stimme jedes Einzelnen + Internet = Deeskalation?

Vielleicht liegt hier die Lösung: Die angegriffenen Staaten müssen deeskalierend wirken, indem ihre Regierungen klar Stellung beziehen. Und warum dabei nicht gleich auf den Mechanismus zurückgreifen, den auch die Extremisten nutzen, und diese Botschaft aggressiv in die Medien platzieren: mithilfe Youtube, Twitter, Blogs und Facebook, die ja maßgeblich auch den sogenannten „arabischen Frühling“ mit ausgelöst haben. Haben nicht Videos wie jenes einer von Scharfschützen tödlich getroffenen jungen Frau im Iran oder des Mannes, der sich aus Protest gegen ein autoritäres Regime verbrannt hat, dazu geführt, dass die Menschen sich rühren. Protestieren. Widerstand leisten. Eines ist klar: Die digitalen Kanäle zu sperren, so wie es die Regierung in Afghanistan jetzt mit Youtube in ihrem Land tut, kann und darf nur eine kurzfristige Maßnahme sein, um zu verhindern, dass der umstrittene Schmähfilm weiter verbreitet wird. Und nicht nur Regierungen sind gefragt: Jeder Einzelne kann und soll sich öffentlich im Netz von dem Film distanzieren und die schweigende Mehrheit verlassen – wir, und unsere Regierungen, sollten das Mitmachnetz, dessen Möglichkeiten heute so leicht zu Tragödien führen, nicht komplett den Extremisten und Eskalateuren überlassen. Einen Versuch wäre es doch wert.

Wir müssen auf die Menschen zugehen. Müssen.

Naiv, denkt ihr? Ist mir grad mal voll egal.

An alle Muslime, die sich durch den Film angegriffen fühlen: Ich stehe nicht dahinter. Ich verurteile den Film und wofür er steht! Der Islam hat in meiner Welt genau den gleichen Stellenwert, wie das Christentum, das Judentum, der Buddhismus und der Atheismus. Wenn ihr damit klar kommt, haben wir kein Problem. Wenn nicht, können wir gern darüber reden!

To all Muslims offended by the film „Innocence of Muslims“: What it shows is not what I think. I condemn the film and what it stands for. In my world, Islam has the exact same legitimacy than Christianity, Judaism, Buddhism and Atheism. If you are ok with that, we do not have a problem with each other. If you don’t agree: I’m right here, ready to talk about it!

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Sandra Elgaß

Buhruf | Wie wir durch Facebook-Apps ausspioniert werden – und was man tun kann

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Die beliebteste Facebook-Spiele-App, Farmville, teilt sensible Daten ihrer Nutzer laut PrivacyChoice mit bis zu 61 weiteren Firmen.

Mit Facebook-Apps spielen Millionen von Nutzer des sozialen Netzwerks – oder buchen ihr tägliches Horoskop auf ihre Chronik, beantworten Fragen über ihre Freunde und vieles mehr. Das ist lustig und manchmal nützlich. Die Apps werden von ganz unterschiedlichen Leuten und Firmen entwickelt, die aber in der Regel ein gemeinsames Ziel haben: An die Daten der Nutzer zu kommen. Die Vision: Jedem Nutzer soll sogenannte verhaltensbezogene Internetwerbung (behavioral advertising/targeting) präsentiert werden. Surfe ich viel auf Sportseiten, bin ich wahrscheinlich auch empfänglich für Sportartikel, Sportfernsehen usw. Wir alle kennen das Phänomen Amazon, das, wenn man einen Account hat, immer genau weiß, was wir als nächstes kaufen wollen. Manchmal ist das ja auch ganz praktisch, stimmt. Aber sobald ich ausgespäht werde, ohne zugestimmt zu haben, hört der „Spaß“ auf. Eigentlich. In der Realität geht dieser „Spaß“ gerade richtig in die Vollen – dank Facebook.

Zwar fragt Facebook vor der Installation der Facebook-Apps, ob der Nutzer den Zugriff der App auf seine Daten erlaubt. Dann gelten jedoch die Datenschutzbestimmungen der jeweiligen App – und die sind mehr oder weniger locker, auch wenn Facebook Vereinbarungen zum Datenschutz mit den Entwicklern schließt und bekräftigt, Verstöße zu ahnden.

Spiele ich mit einer App, greift die womöglich auf Daten meiner Freunde zu – und die haben niemals zugestimmt!

Deutsche Verbraucherschützer haben jetzt reagiert und wollen Facebook zu Änderungen bei seinem App-Zentrum zwingen. Die Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) schickte dem Unternehmen eine entsprechende Abmahnung mit einer Frist bis 4. September. Ihr Problem: Manche Apps geben nicht nur Daten des Nutzers an Dritte weiter, sondern greifen auch auf Daten von Facebook-Freunden zu, ohne dass der Nutzer darüber ausreichend informiert ist.

Die Kritik des vzvb laut einer dpa-Meldung am 27. August: Nur „in kleiner hellgrauer Schrift“ werde „eine augenscheinlich nicht abschließende Auflistung der Nutzungszwecke durch den App-Anbieter“ angezeigt. Dazu gehöre das Recht, auf Chats, die Informationen von Freunden und persönliche Kontaktdaten zuzugreifen sowie auf die Pinnwand des Nutzers zu schreiben. In einer „solchen umfassenden Datenweitergabe an Dritte“ sehen die Verbraucherschützer einen Verstoß gegen das Telemediengesetz.

Und was sagt Facebook dazu? Facebook-Manager Gunnar Bender zum Beispiel will, „dass Chancen und Risiken von Social Media in einer konstruktiven Debatte ausgewogen beleuchtet werden, um selbstbestimmt und kompetent über die eigene Nutzung entscheiden zu können. Facebook unterstützt deswegen Initiativen zur Förderung von Medienkompetenz.“ Also ist es unsere eigene Schuld, wenn unsere Daten weitergegeben werden, ohne dass wir darüber klar informiert werden? Na danke. Passt aber, schließlich habe ich schon bei meiner Geschichte über die vermeintliche Pornoseite auf Facebook die Erfahrung gemacht, dass Facebook nicht sehr auskunftsfreudig ist, was kritische Nachfragen angeht.

Vor diesem Hintergrund ist es schon skurril, wenn Facebook die Lösung des Problems in der Steigerung der Medienkompetenz seiner Nutzer sieht. Denn mal ganz ehrlich: Eigentlich ist klar, dass jeder, der seine Daten für sich behalten möchte, sich besser gar nicht auf dem sozialen Netzwerk engagiert – und auch von vielen anderen Angeboten im Netz (eine Sache, die sehr kontrovers gesehen werden kann, sind zum Beispiel die mittels Algorithmen auf das bisherige Suchverhalten der Nutzer abgestimmten Suchergebnisse bei Google – aber das ist ein anderes Thema) besser die Finger lässt. Es ist eine Frage der persönlichen Abwägung, ob das eigene Interesse auf der sozialen Plattform es wert ist, seine Daten preis zu geben. Natürlich sollte man versuchen, herauszufinden, was genau mit ihnen  passiert. Aber ganz leicht ist das nicht, will man nicht stundenlang in App-Nutzungsbedingungen und Vereinbarungen mit Facebook surfen.

Und wie kriegt man jetzt raus, was Facebook-Apps mit Daten machen?

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Die Kriterien, die Privacychoice für ihr Rating anlegt.

Um die Information, was Apps mit den Daten anstellen, zugänglich zu machen, betreibt zum Beispiel die Datenschutzorganisation PrivacyChoice ein Test-Tool, mit dem man die 100 bekanntesten Facebook-Apps testen kann. Dazu gibt man auf der Website von Privacychoice den Namen einer App ein. Das Ergebnis zeigt angeblich nicht nur, was die App mit welchen Daten macht, sondern auch, welche Firmen und Organisationen die Daten mitnutzen, wie lange sie die Daten speichern und ob sie gelöscht werden, wenn man sich aktiv an die Unternehmen wendet. Allerdings: Leider findet man da eben nicht jede App.

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Das Privacychoice-Rating für Farmville.

Ich habe die Anfrage auf Privacychoice zur beliebtesten App auf FB,  Farmville, mal probeweise gemacht. Das Ergebnis zeigt, dass die App als bedenklich eingestuft wird. Abzüge gibt es nicht nur bei der Frage, ob sie Daten ihrer Nutzer zu Marketing-Zwecken weitergibt. Deutlich wird auch, dass insgesamt 61 Unternehmen die Daten mitnutzen.

Unter diesen fällt vor allem Lifestreet Media auf, die laut Privacychoice sogar vor der Nutzung sensibler Daten wie Gesundheitszustand, finanzielle Situation oder Religion nicht zurückschreckt.

Deren CEO Mitchell Weisman war übrigens schon in der Geschäftsentwicklung bei Claria Corp. aktiv, einem Unternehmen, das seit jeher gegen den Ruf ankämpft, Spyware zu produzieren.

Wie komme ich raus aus der verhaltensbezogenen Werbung im Netz – NAI Opt-Out-Option blockiert Cookies

Wirft man einen Blick auf die Organisationen, die die „spionierenden“ Firmen auflisten, fällt gerade bei Farmville die NAI, kurz für Network Adverstising Initiatives, auf. Dort wird eine Liste von 94 Firmen geführt, die das verhaltensbezogene Werben im Netz praktizieren und sich freiwillig zur Mitgliedschaft bei NAI bereit erklärt haben. Auf der Seite der NAI kann man eine „Consumer Opt-Out“ Anwendung starten. Daraufhin wird der eigene Computer mittels der Liste der NAI auf Tracking-Cookies gescannt, und diese in einem zweiten Schritt durch Opt-out-Cookies ersetzt, also sozusagen blockiert. In einem Video auf Youtube (unten) wird (auf Englisch) erklärt, wie das geht.

Postet eure Tipps & Tricks als Kommi unter diesen Blogeintrag!

Ich weiß, dass es auch jede Menge Ad-Blocker, etc. im Netz gibt. Wenn ihr also noch weitere Tipps und Ideen dazu habt, freue ich mich natürlich wie immer über entsprechende Hinweise mit kurzer Beschreibung des Dienstes als Kommentar unter meinem Blog! Vielleicht kriegen wir ja eine kleine, nützliche Liste hin…

Sandra Elgaß

Buhruf | Facebook-Panne der Polizei Hannover: Hinweis auf vermeintliche Kinderporno-Seite massenhaft verbreitet

4Beigetreten2010Kinderpornografie auf Facebook? Frei zugänglich für alle – auch jene, die nicht „gefällt mir“ klicken?  Sie alle sehen Bilder von Kindern in eindeutigen Posen, in Unterwäsche oder Reizwäsche. Viele der Fotos stehen augenscheinlich bereits seit mehr als einem Jahr auf dieser Seite online. Über 800 Menschen klickten seit 2010, dem Datum, an dem die Seite „XXX“* (*Name von der Redaktion geändert)  laut Facebook-Chronik angelegt worden war, auf „gefällt mir“. Durch einen Facebook-Beitrag der Polizei Hannover wurden Tausende deutsche Nutzer am Wochenende auf die Schmuddelseite aufmerksam.

Auf die schockierenden Inhalte stieß ich – wie viele andere auch – über einen Hinweis auf der Facebook-Seite der Polizei Hannover. Die Beamten haben schon länger Erfahrung mit der Arbeit auf Facebook und konnten auch schon einige Fahndungserfolge vorweisen.

Wegen rechtlicher Bedenken sowohl des niedersächsischen Datenschutzbeauftragten als auch das Justizministerium in Hannover wurde das Projekt Anfang dieses Jahres gestoppt, dann aber – mit kleinen Veränderungen in der Methode – weitergeführt. (Mehr dazu: Focus Online.) Die neue Panne dürfte die Diskussion um die rechtlichen Grundlagen polizeilicher Arbeit via Facebook wieder anheizen.

Sonntag, 22. Juli 2012, 10.30 Uhr

Was war passiert? Eigentlich wollten die Beamten nur mitteilen, dass sie schon einige Hinweise auf eine Schmuddelseite bekommen hatten und die Ermittlungen bereits angelaufen waren. Offenbar waren sie sich nicht darüber im Klaren, was sie damit auslösen würden.

1ErsterPostHannover

In ihrem Beitrag verlinkten die Polizeibeamten die Seite zwar nicht, aber sie nannten ihren vollständigen Namen. Die mutmaßliche Kinderporno-Seite ließ sich über eine einfache Suche mittels des Namens mit ein paar Klicks finden. Ich reagierte intuitiv, rief die Seite auf und klickte auf „Facebook melden“, in der Hoffnung, dass möglichst viele Meldungen dazu führen würden, dass Facebook die Seite löscht.

Die Folge: Facebook-Nutzer besuchen und melden die Seite massenhaft

Etliche Nutzer hatten das genauso gemacht und die Seite bereits bei Facebook gemeldet. Hunderte hatten zudem bereits ihrem Ärger über die Seite und darüber, dass es sie offensichtlich schon seit 2010 gab, auf der Seite der hannoverschen Beamten Luft gemacht. Und es wurden immer mehr.

Gleichzeitig war der Beitrag der Beamten zu diesem Zeitpunkt schon von 624 Nutzern geteilt worden, deren Freunde so wiederum von der Seite erfuhren. Eine Suche in allen Facebook-Beiträgen ergab dann auch, dass die Menschen die Seite massenhaft weiterverlinkten, meist mit dem Hinweis, möglichst viele ihrer Freunde sollten die Seite bei Facebook melden.

Ein Musterbeispiel dafür, wie ein kleiner Stein in den sozialen Netzwerken eine immer größere Welle nach sich zieht. Deshalb rief ich bei der Polizei Hannover an.

Zirka 11.30 Uhr: Anruf bei der Polizei Hannover

Zuerst wies ich auf die augenscheinlich kinderpornografischen Inhalte hin. Mein Gesprächspartner war nicht überrascht.  „Zahlreiche Leute haben hier schon deshalb angerufen“, sagte er mir. „Und es werden immer mehr.“ Das brachte mich zu meinem zweiten Hinweis: „Nehmen Sie den Namen der Seite aus Ihrem Post„, riet ich. Stutzen. Dann verwundertes Brummen. „Also wir sehen das nicht so eng“, kam dann. Und: „Wie man es macht, macht man es falsch.“ Darauf ein Erklärungsversuch von mir: „Mal abgesehen davon, dass niemand Kinderpornos weiterverbreitet sehen möchte: Die Seite kann von jedem gefunden werden. Zahlreichen Menschen kann nun unter Umständen nachgewiesen werden, dass sie mutmaßliche Kinderpornos aufgerufen haben. Zudem rufen deshalb immer mehr Menschen bei Ihnen an. Außerdem: Sollte irgendeine Behörde die Absicht haben, die Leute zu ermitteln, die diesen Schund tatsächlich sehen wollen – wie unterscheiden Sie die von jenen, die Sie jetzt, nachdem Sie den Namen der Seite bei über 107000 Fans bekannt gemacht haben, nur aufrufen, um sie zu melden?“ Als Beispiel für konkrete Probleme, die dadurch in der „echten“ Welt entstehen, wies ich auf das Beispiel der Polizei Wuppertal hin, deren Telefonleitungen aufgrund einer Vermisstenanzeige, die sich bei Facebook wie ein Lauffeuer verbreitete, damals heiß liefen. Die Antwort: Ein kurzes Stutzen und ein genuscheltes „Stimmt eigentlich“. Dank für den Hinweis. Das Telefonat endete und ich hatte nicht das Gefühl, mit meinem Anliegen, den Namen der Seite aus dem Beitrag zu nehmen, durchgedrungen zu sein.

Zirka 11.45 Uhr: Anruf beim Landeskriminalamt Wiesbaden

Also rief ich im Anschluss auch noch beim LKA Wiesbaden an und wurde wiederum beide Hinweise los. Hier zeigte man Einsicht. Man könne jedoch nicht dafür garantieren, dass der Post auf dem Facebook-Auftritt der Polizei Hannover heute noch geändert werde. Wahrscheinlich sei frühestens am nächsten Tag jemand da. Außerdem nutzte ich die Gelegenheit, anzuzeigen, dass ich auf der Schmuddelseite war – um klar zu stellen, dass meine Absicht beim Aufrufen der Seite zweifelsfrei eine journalistische war.

12.23 Uhr: Screenshot einer Rechtfertigung

Um 12.23 Uhr mache ich einen Screenshot der Seite, um die Kommentare der Nutzer und eine erste Reaktion der hannoverschen Administratoren festzuhalten. Die Beamten reagierten demnach um 12.05 Uhr mit einem Kommentar unter ihrem Post, in dem sie pöbelnde User ermahnten, sich zu mäßigen. Viel interessanter ist jedoch ihr Versuch, zu erklären, warum sie den Namen der Seite nennen. Der sah so aus:

„[…] Wir können auch verstehen, dass es zu Unverständnis kommt, dass wir den Namen der Seite genannt haben, das ist aber leider unumgänglich, wenn wir euch bitten möchten, uns dazu keine weiteren Anzeigen zu schicken.“

Ich übersetze mal, welchen Grund ich verstehe: Äh, weil. (Ich habe auf dem Screenshot diskussionswürdige Beiträge von Facebook-Nutzern und meine eigenen Kommentare mit dem Hinweis, dass der Name der Seite aus dem Beitrag genommen werden sollte, schwarz umrandet. Der Erklärungsversuch des hannoverschen  Seiten-Administrators ist rot umrandet). Ich hoffe, ihr habt einen trainierten Scrollfinger!

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Im Screenshot wurde übrigens der Name der Seite „XXX“ sowie der Name einer weiteren Seite, die einen zweifelhaften Begriff nutzt und bei der es sich aber augenscheinlich um Satire (wenn auch grenzwertige) handelt, von mir geschwärzt, ebenso die Profilbilder und Namen der Nutzer, die kommentierten. Der Screenshot zeigt auch: Einige Nutzer teilten meine Bedenken, was die Nennung des Seitennamens angeht (markiert).

12.50 Uhr: Polizei Hannover reagiert endlich und nimmt den Namen „XXX“ von ihrer Chronik

Ich beobachtete die ganze Sache weiter und siehe da: Um etwa 12.50 Uhr wurde der Post auf der Seite der hannoverschen Beamten gelöscht. Anstelle des Beitrags mit dem Namen der Seite „XXX“ stand nur noch der Hinweis, dass man den Beitrag wegen der „hitzigen Diskussion“ gelöscht habe.

2NeuerThreadHannover1350

Natürlich gab es noch die Kommentare, mithilfe derer entrüstete Nutzer den Namen der Seite immer wieder preisgaben, weil andere fragten, um was es denn ginge. Aber wenigstens jetzt reagieren die Administratoren der Facebook-Seite der Polizei Hannover souverän: Ab diesem Zeitpunkt beobachteten die Beamten ständig das Treiben auf ihrem Facebook-Auftritt und löschten in Sekundenschnelle jeden Kommentar, der auf den Seitennamen einging.

Um 15.29 Uhr schließlich war auch dieser zweite Post kommentarlos verschwunden. Einige User kommentierten jedoch unter dem jetzt oben stehenden, älteren Post fröhlich weiter zur Seite „XXX“.  Die Beamten dürften aber ab dem Zeitpunkt schon weit weniger zu löschen gehabt haben.

Die Chancen der Anfrage bei Facebook…

Um 19.30 Uhr war die Seite „XXX“ nicht mehr auffindbar. Hatte Facebook sie gelöscht? Hatten die Seiteninhaber sie selbst gelöscht? Darauf deutet hin, dass einige wenige Nutzer die Seite ihrer eigenen Aussagen nach schon einen Tag beobachteten und feststellten, dass bereits Fotos auf der Seite verschwunden waren. (Auch das habe ich im Screenshot oben mit einer schwarzen Umrandung gekennzeichnet).  Ich stellte also dazu noch eine offizielle Anfrage an Facebook. Folgendes wollte ich wissen:

1)       Wie funktioniert die Meldungsroutine bei Facebook? Wohin gelangen Meldungen, bei wie vielen Meldungen wird Facebook aktiv?

2)       Wie viele Meldungen gingen zur Seite „XXX“ ein?

a.       seit 2010 bis zum 21. Juli 2012 / Nutzer welcher Länder meldeten die Seite?

b.       seit 21. Juli 2012 / Nutzer welcher Länder meldeten die Seite?

3)       Gibt es eine Routine, in der Facebook von sich aus regelmäßig nach unzulässigen Inhalten sucht? Falls ja, wie funktioniert diese (gibt es zum Beispiel Suchwörter/Codes)?

4)       Wann genau wurde die Seite „XXX“ gelöscht?

5)       Wer war der Seitengründer von „XXX“? Wer waren die Administratoren?

6)       Arbeitet Facebook mit polizeilichen Behörden zusammen? Mit welchen Behörden (international) arbeiten sie bezüglich der Seite „XXX“ zusammen?

7)       Was passiert mit den Daten, die im Zusammenhang mit der Seite „XXX“ gesammelt wurden? (Gefällt mir’s und Kommentare der Nutzer, Seiteninhaber und Administratoren).

…schätze ich schon von vornherein schlecht ein. Und behielt Recht.

Kaum überraschte es mich: Angaben zum konkreten Fall macht Facebook nicht. Stattdessen bekomme ich einen netten Anruf und eine E-Mail mit allgemeinen, öffentlichen Infos zum Meldeverfahren bei Facebook. Samt Link ins Facebook-Universum.

Zusammengefasste Lehren:

1) Der Schwarm hat einmal mehr bewiesen, wie mächtig er ist. Wenn viele Nutzer aufpassen und reagieren, tut sich was.

2) Social Media = Glatteis: Unternehmen, Behörden und Presse (also wir), die sich auf sozialen Netzwerken engagieren, müssen vor allem eines: Vor jedem Beitrag gut über die möglichen Konsequenzen nachdenken, präsent sein und aufpassen, aufpassen, aufpassen.

2) Beim konkreten Fall der Seite „XXX“ bleiben Fragen offen. Wäre es tatsächlich möglich, dass die Seite „XXX“ zwei Jahre lang ein Tummelplatz für Pädophile auf Facebook war, ohne dass Facebook reagierte? Wäre es möglich, dass Behörden mithilfe dieser Seite kriminellen Netzwerken auf die Spur kommen wollen? Ist die Seite nur nicht bemerkt worden bis jetzt? 2 ganze Jahre lang? Egal, welche Frage ich mit „Ja“ beantworte, es bleibt ein Unbehagen.

3) Facebook schweigt und bleibt unheimlich – und intransparent. Über Twitter bekam ich zwar schnell einen Ansprechpartner für meine Fragen – den darf ich aber nicht zitieren. Außer zum Meldeverfahren machte Facebook keine Angaben. Kontakt zu einer offiziellen „Spokesperson“ bekam ich nicht – dafür aber den Vorschlag, mal ein Interview mit jemandem zu führen, z.B. über Sicherheit auf Facebook. Oder so.

4) Eine Lehre für mich. Für zukünftige Fehler, die auch ich vielleicht sicher machen werde, merke ich mir: Nicht rausreden. Nicht kommentarlos löschen. Gerade stehen, aushalten und daraus lernen.

Was noch zu tun bleibt…

Ich habe zahlreiche Screenshots von Facebook-Profilen der Leute gemacht, die bei Bildern und Album auf „XXX“ „gefällt mir“ geklickt haben. Diese Daten leite ich jetzt an die Polizei weiter. Danach lösche ich alle Screenshots, die ich von der Facebook-Seite „XXX“ gemacht habe.

UPDATE 24. Juli 2012, 14.46 Uhr:

Die Polizei Hannover hat mir gerade bestätigt, dass die Ermittlungen in dem Fall eingestellt werden. Das LKA Niedersachen und das BKA haben demnach die Seite auf ihre strafrechtliche Relevanz geprüft. Es seien zwar verwerfliche Fotos gewesen. Allerdings bewegte man sich in einer rechtlichen Grauzone. In diesem Fall wurden die Ermittlungen eingestellt.

UPDATE 24. Juli 2012, 17.33 Uhr:

Die Polizei Hannover hat sich in einer Pressemeldung zu dem Vorfall geäußert:

„Um die Seite nicht zusätzlich interessant zu machen, würde die Polizeidirektion Hannover aus heutiger Sicht den Namen der verdächtigen Internet- oder Facebookseite nicht mehr benennen, ansonsten aber weiterhin Kommentare zu ihren einzelnen Meldungen zulassen.“

UPDATE 25. Juli 2012, 11.16 Uhr:

Meine gestrige Anfrage an das LKA Niedersachen wurde beantwortet. Ich fragte:

1)       Wie erfuhr das LKA von der Facebook-Seite „XXX“?

2)       Welche Maßnahmen hat das LKA ergriffen? (Sichten?)

3)       Wurde der Fall an die Staatsanwaltschaft weitergegeben?

a.       Falls Ja: Wie lautet die Begründung der Staatsanwaltschaft zur Einstellung der Ermittlungen?

b.       Falls nein: Warum wurde der Fall nicht an die Staatsanwaltschaft weitergegeben?

Die Antwort kam gerade via E-Mail:

„Am vergangenen Wochenende erhielten bundesweit diverse Polizeidienststellen, so auch das LKA Niedersachsen, eine Vielzahl von Hinweisen zu einer Facebook-Seite, die möglicherweise Kinderpornografie abbilden würde. Nach hiesigen Erkenntnissen wurde diese Seite zeitnah gelöscht, so dass eine komplette Überprüfung durch das LKA Niedersachsen nicht mehr möglich war. Durch einen Hinweisgeber wurde dem LKA Niedersachsen jedoch ein Teilbereich der Seite per Screenshot übermittelt. Nach hiesiger Beurteilung der dort sichtbaren Bilddateien konnten keine strafrechtlich relevanten Inhalte festgestellt werden.“

Der Pressesprecher des LKA Niedersachen, Frank Federau, teilte mir am Telefon noch Folgendes mit: Die Prüfung auf strafrechtliche Relevanz der Seite bezog sich demnach auf einen Screenshot eines Hinweisgebers, auf dem etwa 25 Bilder von jungen Mädchen zu sehen waren, die dort in Badebekleidung oder Unterwäsche posierten. Eine Sichtung der eigentlichen Seite konnte nicht mehr vorgenommen werden, da sie bereits gelöscht worden war.

UPDATE 25. Juli 2012, 12.21 Uhr:

Telefonisch meldet sich bei mir ein Sprecher des BKA: „Wir haben in der Sache nie ermittelt und kennen den Sachverhalt nur aus der Presse.“

UPDATE 25. Juli 2012, 15.40 Uhr:

LKA Niedersachsen bestätigt am Telefon, dass der Screenshot vom fast kompletten Fotoalbum auf der Seite „XXX“, den ich heute morgen geschickt habe, derzeit vom LKA geprüft wird. Und da sind mehr als 25 Bilder drauf.

Von Reporterin Sandra Elgaß, Mitarbeiterin Rhein-Zeitung

Sandra Elgaß

Buhruf | Das E-Mail-Adressen-Daten-Desaster – Und Facebook so: Upps!

Facebook hat ungehörigerweise E-Mail-Adressen im Adressbuch mobiler Geräte verändert.

Facebook-Mitglieder sollten immer ein Auge auf die Daten haben: Denn das Unternehmen ändert sie schon mal klammheimlich.

Es passierte heimlich und hinter dem Rücken von fast 22,1 Millionen bei Facebook angemeldeten, deutschen Nutzern und fast 840,5 Millionen Mitgliedern weltweit – und viele haben es sogar vielleicht bis heute nicht bemerkt.

Einerseits tauschte das soziale Netzwerk ihre E-Mail-Adresse heimlich gegen eine Adresse aus, die sich aus dem Nutzernamen und „@facebook. com“ zusammensetzt. Andererseits wirkte sich das Update bei manch einem sogar auf dem mobilen Gerät aus: Dort wurden offenbar auch in den Adressbüchern E-Mail-Adressen durch die neue @facebook-Adresse ausgetauscht hat – die vorher gespeicherten E-Mail-Adressen gingen Betroffenen zufolge dabei verloren.

Die @facebook-E-Mail-Adresse lässt sich zwar im eigenen Profil ausblenden, jedoch nicht löschen (Wenn ihr jetzt fragt: „Hö? Wie geht das?“, antworte ich: „Guckt mal unten, dat Kursive „). Der Eingriff in die Kontaktlisten auf Smartphones und Co. soll laut Unternehmen nur ein bedauerlicher Unfall gewesen sein. Rückgängig machen lässt sich das aber nicht.

Facebook: Wir wollten mehr Austausch für unsere Nutzer … und das Malheur mit den Kontaktlisten: Upps!

Die Motivation für das E-Mail-Adressen-Update ist klar: Ziel des sozialen Netzwerks ist – neben der Gewinnung von persönlichen Daten der Mitglieder, die sich teuer verkaufen lassen – ein möglichst intensiver Austausch zwischen den Facebook-Nutzern. Da liegt ein eigener E-Mail-Dienst nahe. Ob die Mitglieder von Facebook diese E-Mail wollen, das fragte das Unternehmen sie vorher aber nicht.

Diese Manipulation prangerte Adobe-Mitarbeiterin Rachel Luxemburg als eine der ersten Betroffenen öffentlich an:

„Bad Facebook, No Cookie For You“

Today, a co-worker discovered that his contact info for me had been silently updated to overwrite my work e-mail address with my Facebook e-mail address. He discovered this only after sending work e-mails to the wrong address.

And even worse, the e-mails are not actually in my Facebook messages. I checked.

They’ve vanished into the ether.

For all I know, I could be missing a lot more e-mails from friends, colleagues, or family members, and never even know it.

Auf ihrem Blog beschreibt sie also, wie ein Kollege herausfand, dass ihre E-Mail-Adresse in seinen Kontakten durch die neue Facebook-Adresse ersetzt wurde. Der Kollege wollte ihr eine berufliche E-Mail-Adresse senden. Die verschwand aber im „Sonstiges“-Ordner auf Facebook. In verschiedenen Foren berichten zahlreiche weitere Menschen über dieses Phänomen.

Das soziale Netzwerk schob zuerst alles auf die „Verwirrtheit“ seiner Nutzer

Facebooks Antwort: Das passiere immer dann, wenn jemand eine E-Mail an die (jetzt unbemerkt im Adressbuch stehende) @facebook-Adresse sendet, der mit dem Empfänger NICHT DIREKT auf Facebook befreundet ist. Violet Blue vom CNET Blog Network stellte die Aussagen zusammen, mit denen Facebook erst auf den Sonstiges-Ordner verwies – das alles sei der „Verwirrung“ der Mitglieder angesichts der Nachrichtenbox-Systematik geschuldet – um dann doch einzuräumen, dass in manchen Fällen E-Mails nicht ankommen. Und zwar dann, wenn man auf Facebook eingestellt hat, dass man keine Nachrichten von Leuten bekommen möchte, mit denen man nicht verbunden ist:

However, if you’ve specified in privacy settings that you only want to receive messages from friends or friend of friends, then the message will bounce.

„Böses Facebook! Kein Keks für dich!“

Ob ihr auch von der Adressbuchänderung betroffen seid, erfahrt ihr, indem ihr die Kontakte in eurem Handy überprüft, mit denen ihr auch über Facebook verbunden seid. Schaut, ob die E-Mail-Adresse noch stimmt.

Falls eure Freunde von einer Adressbuchänderung betroffen sind, kommen ihre E-Mails vielleicht nicht an. Checkt also am besten auch mal euren „Sonstige“-Ordner in den Facebook-Nachrichten, da dort die E-Mails jener liegen könnten, deren Adressbücher geändert wurden.

Ein Grund dafür, warum einige Facebook-Mitglieder betroffen sind und andere nicht, ist derzeit noch nicht gefunden. In einem offiziellen Statement, das er auf seiner eigenen Facebook-Seite verlinkte, versuchte Andrew Bosworth, Director of Engineering bei Facebook, am Tag nach dem Bekanntwerden des Malheurs, die Wogen zu glätten: Ein Bug sei schuld, sagte er Mitarbeitern der Seite theverge.com. Man werde sich dessen sofort annehmen.

Achtung: iOS 6 Beta-Nutzer könnten betroffen sein

Achtung: Bei iOS 6, das Apple im Juni vorstellte, ist Facebook wohl noch tiefer integriert, weshalb Leute, die bereits die Beta-Version nutzen, wohl wirklich mal prüfen sollten, ob ihre Adressbücher noch stimmen. Für die betroffenen Nutzer ist es aber wahrscheinlich zu spät: Wenn die Tipps unten nicht funktionieren, müssen sich alle E-Mail-Adressen neu besorgen und speichern.

Wer zukünftig den Zugriff von Facebook auf die Kontaktliste in seinem mobilen Gerät verhindern möchte, dem bleibt nur, die Synchronisation mit Facebook abzustellen – und insofern in den sauren Apfel zu beißen, als dass sie in Zukunft auf gewünschte Effekte verzichten müssen. Dazu gehört, dass automatisch die Facebook-Profilbilder in die Kontaktlisten oder der Geburtstag in den Handy-Kalender eingefügt werden – Letzteres ist ein Effekt, der gerade mir als notorischem Geburtstagsvergesser gut gefallen hat.

Solltet ihr weitere Tipps haben, auf die ich noch nicht gestoßen bin, fühlt euch eingeladen, sie in einem Kommentar unten zu teilen!

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Service: Was mache ich denn jetzt?

  • Synchronisation von mobilem Gerät und Facebook abstellen

Auf Android-Smartphones wechselt ihr dazu in die „Kontakte“ und öffnen die Optionen. Hier könnt ihr sehen, mit welchen Diensten Ihr Handy synchronisiert ist. Stellt die Synchronisierung mit ihrem Facebook-Konto auf „Aus“. Habt ihr das neueste Systemupdate von Android installiert, tippt ihr auf „Kontakte“, dann oben auf „Telefonbuch“. Das sich öffnende Fester zeigt wiederum die mit ihrem Telefon verknüpften Internetdienste an. Macht das Häkchen hinter dem Facebook-Konto weg. Wenn ihr ein iOS-Gerät (zum Beispiel ein iPhone) nutzt, tippt ihr auf „Einstellungen“, „Datenschutz“, „Kontakte“ und deaktiviert die Synchronisation mit Facebook über den Schieberegler.

  • Wie man die neue E-Mail-Adresse in der Chronik versteckt

Zwar wird man die neu zugeteilte @facebook-E-Mail-Adresse nicht mehr los, aber sie lässt sich verbergen: Wer in seinem Facebook-Profil lieber keine oder seine alte E-Mail -Adresse anzeigen lassen möchte, klickt auf seinem Profil (der Chronik) auf „Info“,scrollt zum Kasten „Kontaktinformationen“ und klickt auf den nebenstehenden Button „Bearbeiten“. Im Feld „E-Mails“ stehen alle E-Mail-Adressen, die ihr je bei Facebook angegeben habt, plus eure neue @facebook-Adresse. Diese wurde von Facebook mit der höchsten Priorität und Sichtbarkeit angelegt – und zumindest das lässt sich ändern: Hinter den jeweiligen Adressen könnt ihr mit Klick auf das Personensymbol bestimmen, ob die E-Mail für alle sichtbar sein soll, nur für einen von euch bestimmbaren Personenkreis oder nur für euch. Stellt diese Einstellung bei der @facebook-Adresse auf „Nur ich“. Im nächsten Schritt klickt ihr auf das Symbol rechts daneben (durchgestrichener Kreis). Hier könnt ihr bestimmen, ob eure E-Mail-Adresse in eurer Chronik angezeigt oder verborgen werden soll. Stellt diese Einstellung auf „In Chronik verbergen“. Leider lässt sich die @facebook-E-Mail-Adresse nur entfernen, indem das ganze Profil endgültig gelöscht wird.

  • Gibt es einen Weg, das Adressbuch wieder herzustellen?

Ich selbst bin nicht betroffen, daher habe ich dafür keine gesicherte Lösung. Es gibt jedoch einen Vorschlag dazu von MSN, den ich euch hier einfach mal kurz übersetze, ohne Garantie darauf, dass es funktioniert.

Schritt 1: Kontakte zurücksetzen

Vor allem Google macht regelmäßig Sicherheitskopien der Kontaktlisten, für den Fall, dass etwas schiefgeht. Fast alle Android-User synchronisieren mit Google genau wie viele iPhone-Besitzer. Natürlich funktioniert diese Methode nur, wenn man die Synchronisation mit Google auch wirklich nutzt. Um auf diese Sicherheitskopien zurückzugreifen, macht man Folgendes:

  1. Synchronisation mit Facebook abstellen (siehe oben).
  2. Zur Gmail-Inbox gehen und das Gmail-Logo unter dem Google-Logo klicken. Zu den Kontakten gehen.
  3. Auf „Mehr“ klicken und dann auf „Kontakte wiederherstellen“. MSN empfiehlt, eine Kopie zu wählen, die vor dem 22. Juni gemacht wurde wann genau die Facebook-Änderung stattfand, kann MSN nicht sagen.
  4. Danach sollen laut MSN die E-Mail-Adressen, wie sie vor der Facebook-Aktion eingetragen waren, wiederhergestellt sein. So lange nicht wieder mit Facebook synchronisiert wird, bleibt das auch so.

Jenen, die ihre Daten nicht mit Google synchronisieren, rät MSN, nach Alternativen auf ihrem Computer zu suchen, und nennt bei MacBook-Nutzern zum Beispiel das Programm „Time Machine“: Adressbuch öffnen, Time Machine aktivieren und das Adressbuch auf ein Datum vor der Facebook-Aktion zurücksetzen. Wenn man danach das mobile Gerät wieder mit dem Kalender des PCs oder Notebooks synchronisiert, sollte das Problem behoben sein.

Schritt 2: Den Freunden auf Facebook anraten, ihr Facebook-Profil zu ändern

Wenn die Methode oben nicht funktioniert oder man auf die Synchronisation mit Facebook nicht verzichten möchte, muss man einfach alle seine Freunde überzeugen, die E-Mail-Adresse in ihrem Profil zu verstecken. Wie das geht, habe ich oben beschrieben.

Übrigens konnten die Autoren dieses Vorgehen auch nicht selbst testen, und bitten die betroffenen User  darum, in Kommentaren unter dem Artikel mitzuteilen, ob ihre Vorschläge funktionieren. Natürlich könnt ihr das gern auch unter meinem Blog tun.

Sandra Elgaß

Folgt auf den Arabischen nun auch der Russische Frühling?

Es gibt sie, die wenigen magischen Momente, in denen Geschichte geschrieben wird. Meist kommen sie unerwartet wie der Fall der Mauer oder 200 Jahre zuvor die Französische Revolution. All diesen Zeitenwenden ging ein schleichender Erosionsprozess der etablierten Mächte voraus. Die Basis ihrer gesellschaftlichen Stellung wurde ausgehöhlt, ihre Glaubwürdigkeit erschüttert. Parallel dazu drängte ein Heer Unzufriedener auf eine Veränderung der herrschenden Verhältnisse.

Nach dieser Logik fiel 1789 die Pariser Bastille. Nach dieser Logik brach auch der kommunistische Ostblock nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 in sich zusammen. Und letztlich folgte selbst der Arabische Frühling diesem revolutionären Urgesetz. Ereilt nun Russland ein ähnliches Schicksal, am Ende vielleicht sogar China?

Zunächst einmal lernen wir aus dem Arabischen Frühling: Die Idee von Freiheit und Mitbestimmung ist universaler, als viele Skeptiker befürchtet haben. Offenbar scheint das Bedürfnis, gerecht behandelt und von der staatlichen Ordnung respektiert zu werden, tief im Menschen verwurzelt. Dazu gesellt sich das Verlangen nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Vor allem junge Menschen haben ein feines Gespür für leere Parolen und überlebte Traditionen, mit denen korrupte Despoten ihr System der Klientel- und Misswirtschaft verschleiern. Neue Medien wie Facebook und Twitter schaffen zudem schwer kontrollierbare Kommunikations-Plattformen, die zu schnell wachsenden Keimzellen des Widerstands werden.

Vor allem gut ausgebildete, aber vollkommen perspektivlose junge Menschen haben in den nordafrikanischen Ländern jenen machtvollen Aufstand angezettelt, der bis dato sakrosankten Titanen wie den Ägypter Husni Mubarak oder den Libyer Muammar el Gaddafi aus ihren Palästen vertrieb. Letztlich wurden die gestürzten Eliten Opfer ihrer maßlosen Gier. Die dünne Fassade politischer Programmatik konnte die wahren Motive ihres Handelns nur noch notdürftig überdecken. In der Bevölkerung wuchsen Wut und Unzufriedenheit. Empörung kann eine mächtige Waffe sein, wenn sie Hunderttausende mobilisiert. Irgendwann wechselt die Angst die Seite. Ein Prozess, der derzeit in Syrien zu beobachten ist. Präsident Baschar el Assad kann seinen Niedergang wohl nicht mehr verhindern. Die Frage ist nur, wie groß das Blutbad ist, das er zuvor noch anrichtet.

Und Russland? Die Mehrheit der Russen mag noch immer Ruhe und Sicherheit wünschen, verkörpert durch einen starken Mann im Kreml. Aber die Dreistigkeit, mit der Regierungschef Waldimir Putin die ohnehin fadenscheinige Maske des Demokraten fallen ließ, hat dennoch Hunderttausende erzürnt. Nicht alle haben den Mut, auf die Straße zu gehen. Aber mehr Bürger denn je haben dem Regime dieser Tage offen die Stirn geboten. Putin hat die Aura der Unantastbarkeit verloren. Selbst wenn er sich trotzdem zum Präsidenten wählen lässt, ist er angeschlagen. Kein Repressionsapparat der Welt kann ein ganzes Volk beherrschen. Schon gar nicht, wenn dieses Volk wütend ist.

Sogar die schier allmächtigen Kommunisten Chinas fürchten sich vor dem Funken der Revolution. Sie habe Dutzende Regimegegner in die Kerker geworfen. Eine Verzweiflungstat. 2011 hat tiefe Risse ins Fundament totalitärer Regime gesprengt. Darin nistet die Hoffnung – auf die Macht der Freiheit.

Dietmar Brück

„Das Faktische überholt das Gesetzliche“: Beobachtungen beim Webmontag Hannover

Webmontag in Hannover: Treffpunkt für Internetenthusiasten, mit locker vorgetragenen Trendthemen der Internetszene. (Foto: Marcus Schwarze)

Webmontag in Hannover: Treffpunkt für Internetenthusiasten, mit locker vorgetragenen Trendthemen der Internetszene. (Foto: Marcus Schwarze)

Wollte man eine Website veröffentlichen, die sämtlichen Rechten der Leser und Pflichten des Websitebetreibers nachkäme, so müssten wir wahrscheinlich vor jedem Besuch einer jeden Website langen Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) zustimmen.

Das war nur eine der bemerkenswerten Thesen von Thomas Schwenke, Rechtsanwalt aus Berlin (http://spreerecht.de). Er sprach auf dem Webmontag in den Georgenterrassen in Hannover — einem Szenetreff hannoverscher Internetenthusiasten. Zum 14. Mal hatten Nicole Y. Männl und Tobias Glawe dazu eingeladen. Und wer sich in Hannover näher in die Internet-Szene verstricken möchte, findet hier über alle virtuellen Treffs im Internet hinaus echte Menschen zum Quatschen, Netzwerken, Zuhören, Fachsimpeln. Nicht nur aus Hannover.

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Marcus Schwarze

Texperiment: "der 7. tag" über Kommunikation im Jahr 2010

Was man eben so braucht, unterwegs. (Foto: (CC) maczter, http://www.flickr.com/photos/maczter/3008375479/)

Was man eben so braucht, unterwegs. (Foto: (CC) maczter / http://www.flickr.com/photos/maczter/3008375479/)

In voraussichtlich zwei Wochen erscheint unsere HAZ-Wochenendbeilage „der 7. tag“ zum Thema Kommunikation im Jahr 2010. Als kleines Experiment und zur Vorbereitung möchte ich Leser und Belesene, Kreative und Intensivnutzer der Kommunikationsmöglichkeiten des Webs ermuntern, daran mitzuwirken. So geht’s:

  • In diesem Google-Dokument versammeln wir Notizen, Anekdoten, Erzählenswertes aus der Kommunikation im Jahr 2010.
  • Das Thema: Wie drastisch sich die Kommunikation verändert.
  • Die Thesen und Fragen: Für viele ist es ein Spiel von Nerds, Zeitvergeudung, bedenklich wegen des Verlusts an Privatheit und information overkill. Doch immer mehr machen mit: Übers Internet wird getwittert, gefacebookt, werden neue Lesemechanismen etabliert und komplett neue Dienste und Geräte nur dafür erfunden. Eine neue Welt entsteht. Was ist daran besonders? Warum machen die das, die mitmachen? Und wie geht das? Eine Einführung. (Und nur hier in diesem Internet: als Vorbereitung darauf das Experiment.)
  • Das Ziel: den Zeitungslesern verständlich erklären, was da gerade passiert; den Nutzern einen Rahmen bieten, sich zu erklären. Ich möchte die Mechanismen eines gemeinsamen Google-Dokuments gerne dazu nutzen, um mit Eurer Hilfe den Stand der Dinge möglichst lesefördernd abzubilden. Ich nenne das: Texperiment. Mir ist klar: Dies ist nicht die Neuerfindung des Zeitungmachens, Kollegen der „Rhein-Zeitung“ und von „Welt Kompakt“ haben schon ganz ähnlich mit Lesern und Kreativen ganze Zeitungsausgaben gefüllt. Hier geht es um ein Thema: Kommunikation 2010. Und damit möchten wir drei volle Seiten im Nordischen Zeitungsformat füllen, erklären, interessant machen.
  • Versprochen: Die Worte Revolution und Web 2.0 werden höchstens einmal, Hudson River und Christian Pfeiffer/Amoklauf keinmal auftauchen.
  • Mitmachen geht ganz einfach: Eine Mail an mich unter msc@haz.de — und dann lade ich Interessierte gerne zum Mitbearbeiten und Ergänzen dieses Google-Dokuments ein. Ansonsten ist das Google-Dokument nur zum Lesen (nicht aber Bearbeiten) freigegeben. Wer mir vielleicht weniger öffentlich etwas zum Thema erzählen möchte, kann mir seine Geschichte gerne auch zumailen oder mich anrufen: Tel. +49-172-5118598.
  • So könnt ihr mitmachen, Beispiele:
    • Wie hat sich euer Leseverhalten, verglichen zum Beispiel mit der Schulzeit, zuletzt verändert?
    • Welches „digitale Ereignis“ hat euch vor Augen geführt, dass wir in einer anderen Zeit leben?
    • Seid ihr im Web schon einmal richtig auf die Nase gefallen?
    • Was sagen Nonliner über euch?
    • Welche(r) Mail/Tweet/Facebook-Eintrag hat tatsächlich euer Leben verändert?
    • Merkwürdige Erlebnisse bei formspring/chatroulette/anderen Kurzzeithypes?
  • Was alles schief gehen kann:
    • ein shitstorm, weil ich fürs Mitarbeiten kein Honorar zahlen kann;
    • ein nostorm, weil ich ganz kühn einen Redaktionsschluss bis bereits kommenden Mittwoch, 24 Uhr setzen muss;
    • vielleicht aber auch ein Füllhorn an Bemerkungen, wertvollen Hinweisen und ins Google-Dokument kopierten Geschichten von Webseiten, die das Dokument ad hoc unbrauchbar machen. Wie das so ist mit Experimenten. Gegenrecherche und Prüfung sowie gewiss manches Verwerfen wird mir das Texperiment nicht ersetzen.
Marcus Schwarze

Texperiment: „der 7. tag“ über Kommunikation im Jahr 2010

Was man eben so braucht, unterwegs. (Foto: (CC) maczter, http://www.flickr.com/photos/maczter/3008375479/)

Was man eben so braucht, unterwegs. (Foto: (CC) maczter / http://www.flickr.com/photos/maczter/3008375479/)

In voraussichtlich zwei Wochen erscheint unsere HAZ-Wochenendbeilage „der 7. tag“ zum Thema Kommunikation im Jahr 2010. Als kleines Experiment und zur Vorbereitung möchte ich Leser und Belesene, Kreative und Intensivnutzer der Kommunikationsmöglichkeiten des Webs ermuntern, daran mitzuwirken. So geht’s:

  • In diesem Google-Dokument versammeln wir Notizen, Anekdoten, Erzählenswertes aus der Kommunikation im Jahr 2010.
  • Das Thema: Wie drastisch sich die Kommunikation verändert.
  • Die Thesen und Fragen: Für viele ist es ein Spiel von Nerds, Zeitvergeudung, bedenklich wegen des Verlusts an Privatheit und information overkill. Doch immer mehr machen mit: Übers Internet wird getwittert, gefacebookt, werden neue Lesemechanismen etabliert und komplett neue Dienste und Geräte nur dafür erfunden. Eine neue Welt entsteht. Was ist daran besonders? Warum machen die das, die mitmachen? Und wie geht das? Eine Einführung. (Und nur hier in diesem Internet: als Vorbereitung darauf das Experiment.)
  • Das Ziel: den Zeitungslesern verständlich erklären, was da gerade passiert; den Nutzern einen Rahmen bieten, sich zu erklären. Ich möchte die Mechanismen eines gemeinsamen Google-Dokuments gerne dazu nutzen, um mit Eurer Hilfe den Stand der Dinge möglichst lesefördernd abzubilden. Ich nenne das: Texperiment. Mir ist klar: Dies ist nicht die Neuerfindung des Zeitungmachens, Kollegen der „Rhein-Zeitung“ und von „Welt Kompakt“ haben schon ganz ähnlich mit Lesern und Kreativen ganze Zeitungsausgaben gefüllt. Hier geht es um ein Thema: Kommunikation 2010. Und damit möchten wir drei volle Seiten im Nordischen Zeitungsformat füllen, erklären, interessant machen.
  • Versprochen: Die Worte Revolution und Web 2.0 werden höchstens einmal, Hudson River und Christian Pfeiffer/Amoklauf keinmal auftauchen.
  • Mitmachen geht ganz einfach: Eine Mail an mich unter msc@haz.de — und dann lade ich Interessierte gerne zum Mitbearbeiten und Ergänzen dieses Google-Dokuments ein. Ansonsten ist das Google-Dokument nur zum Lesen (nicht aber Bearbeiten) freigegeben. Wer mir vielleicht weniger öffentlich etwas zum Thema erzählen möchte, kann mir seine Geschichte gerne auch zumailen oder mich anrufen: Tel. +49-172-5118598.
  • So könnt ihr mitmachen, Beispiele:
    • Wie hat sich euer Leseverhalten, verglichen zum Beispiel mit der Schulzeit, zuletzt verändert?
    • Welches „digitale Ereignis“ hat euch vor Augen geführt, dass wir in einer anderen Zeit leben?
    • Seid ihr im Web schon einmal richtig auf die Nase gefallen?
    • Was sagen Nonliner über euch?
    • Welche(r) Mail/Tweet/Facebook-Eintrag hat tatsächlich euer Leben verändert?
    • Merkwürdige Erlebnisse bei formspring/chatroulette/anderen Kurzzeithypes?
  • Was alles schief gehen kann:
    • ein shitstorm, weil ich fürs Mitarbeiten kein Honorar zahlen kann;
    • ein nostorm, weil ich ganz kühn einen Redaktionsschluss bis bereits kommenden Mittwoch, 24 Uhr setzen muss;
    • vielleicht aber auch ein Füllhorn an Bemerkungen, wertvollen Hinweisen und ins Google-Dokument kopierten Geschichten von Webseiten, die das Dokument ad hoc unbrauchbar machen. Wie das so ist mit Experimenten. Gegenrecherche und Prüfung sowie gewiss manches Verwerfen wird mir das Texperiment nicht ersetzen.
Marcus Schwarze