Schlagwort-Archiv: Medien

Hartes Paygate: Rhein-Zeitung.de im Herbst 2016

Die großen Linien im Digitalen der Rhein-Zeitung zeigen weiterhin nach rechts oben – zumindest wenn man auf jene Zahlen schaut, die sich in Euro bemessen und unterm Strich stehen. So gab es im Herbst bei uns erneut Steigerungen im Digitalumsatz, sowohl über den Verkauf von Inhalten als auch über den Verkauf von Werbung. Weiterlesen

Marcus Schwarze

Die WM der Selfies war nur der Anfang: Hier kommt der neue automatische Journalismus

Vermutlich trennen uns noch Monate, höchstens ein, zwei Jahre vom automatischen Journalismus. Dann übernehmen Maschinen einen Teil der Berichterstattung. Und sie wird  durchaus lesens- und sehenswert sein. Ansätze dazu hat die Fußball-WM 2014 gezeigt.

In Tweetdeck lassen sich nicht nur Hashtags beobachten, sondern auch nur jene Beiträge filtern, die eine gewisse Anzahl Favorisierungen (Favs) und Weiterverbreitungen erhalten haben (RTs). Daraus entsteht ein neuer Blick auf die Veröffentlichungen.

In Tweetdeck lassen sich nicht nur Hashtags beobachten, sondern auch nur jene Beiträge filtern, die eine gewisse Anzahl Favorisierungen (Favs) und Weiterverbreitungen erhalten haben (RTs). Daraus entsteht ein neuer Blick auf die Veröffentlichungen – gezeigt werden nur jene mit größter Aufmerksamkeit. Da ist zwar noch ein Pornolink dabei, aber mit etwas weiterem Gehirnschmalz dürfte sich auch der für ein jugendfreies sehenswertes Lese- und Sehprogramm verfeinern lassen. (Screenshot: Marcus Schwarze)

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Marcus Schwarze

Der Like verliert seine Unschuld: Stammtischparolen bei Facebook florieren

Ein dubioses Geschäftsmodell bekam in den vergangenen Tagen starken Zulauf: Unbekannte gründen Seiten mit teilweise menschenverachtenden Stammtischparolen bei Facebook, sammeln dann massenhaft Likes bei ihrem Publikum und benennen ihre Seite später um. Anschließend nutzen die Unbekannten ihre Seiten mit vielen Likes dazu, Werbung in die Timelines jener Facebookfans zu posten, die sich ursprünglich für eine Stammtischparole aussprechen wollten. Weiterlesen

Marcus Schwarze

SWR löscht kommentarlos sein Dementi zur Nürburgring-Pleite

Der SWR hat wenige Stunden nach dem Bericht der Rhein-Zeitung zur bevorstehenden Insolvenz der Nürburgring GmbH ein Dementi veröffentlicht: Demnach sei noch nichts entschieden gewesen.

Am Mittwoch trat Ministerpräsident Kurt Beck vor die Presse – und kündigte bekanntlich die Insolvenz an.

Und so geht der SWR mit seiner Dementi-Nachricht um, die einige andere Medien übernahmen und unsere Arbeit als voreilig erscheinen ließ. Weiterlesen

Marcus Schwarze

Trailer des Tages: „Step up – Revolution“

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„Weil ich ein Määäädchen bin …“ – vielleicht liegt es daran, dass Tanzfilme zu meinem Lieblings-Kinomaterial gehören, vielleicht auch daran, dass Tanz etwas so Vielfältiges ist, das es in allen Kulturen gibt und Menschen jeden Alters verbindet, und fasziniert. Auf jeden Fall sind Filme wie „Black Swan“, „Save the last dance“ und „Burlesque“ extrem ästhetisch. Durchtrainierte halb nackte Körper, die sich in atemberaubendem Tempo und in Posen verdrehen, die kaum möglich erscheinen. Dazu fetzige Musik, viel Bass, oder leise Klänge, die unter die Haut gehen. Deshalb freue ich mich, dass meine Lieblings-Tanzreihe ein neues Mitglied bekommen hat. „Step Up 4“ läuft unter dem Titel „Revolution“ im Sommer bei uns an …

Inhalt:
Der vierte Teil von „Step Up“ spielt im heißen Miami, wo die junge Emily ihren Traum eine professionelle Tänzerin zu werden, verwirklichen will. Um ihr Ziel zu erreichen, tritt sie einer Tanzgruppe bei, die mit organisierten Flashmobs regelmäßig für Schlagzeilen sorgt. Bald verliebt sie sich in den Anführer der Tanzgruppe und die Gruppe, die bei einem Tanzwettbewerb einen großen Sponsorenvertrag gewinnen will, wird mehr für sie als nur ein Karriere-Sprungbrett. Ihr Engagement wird allerdings zur Zerreißprobe, als Emilys einflussreicher Vater mit einem Bauprojekt die Nachbarschaft der Tänzer bedroht. Die Tanzmobs werden zu einer Protestbewegung, wobei Emily ordentlich mitmischt.

Bekannte Schauspieler:
Mit dem Wechsel des Standorts wurde auch wieder der Cast von „Step Up“ ausgetauscht. Die Hauptrollen übernehmen:
Kathryn McCormick (Fame)
Ryan Guzman

Einige bekannte Gesichter aus früheren Filmen sind allerdings auch diesmal dabei, unter anderem:
Adam G. Sevani (Step Up to the streets; Step Up 3D)
Chadd Smith (Step Up 3D, Fantastic Movie)

Kinostart in Deutschland: 9. August 2012

Christina Nover

Journalist Zufall

die vierte macht moritz bleibtreu

Man nehme ein bisschen von „Das Experiment“, ein bisschen von „Baader Meinhof Komplex“, ein Spritzer von „Zettl“ und zum Schluss noch einen Schuss eines beliebigen Schatzjägerfilms; verquirlt das Ganze und schon haben wir die „Vierte Macht“. Ein Polit-Thriller, mit viel Zeigefinger, schlechtem russischen Akzent und einer Menge Wodka. Sicher nicht der beste, aber auch nicht der schlechteste von Moritz Bleibtreus Filmen …

Ein Deutscher mischt Moskau auf

Paul Jensen kann zwar kein Russisch, soll aber trotzdem irgendwie die Klatschseite eines russischen Magazins auf Vordermann bringen. Ganz ohne Hintergrund hat es den deutschen Journalisten nicht nach Moskau verschlagen, denn sein Vater hat früher lange Zeit für das Magazin gearbeitet. Der Fotograf Chris (Max Riemelt) bringt ihm das russische Nachtleben und die wichtigen Persönlichkeiten der Szene näher – doch bald schon wird Paul auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Mitten auf der Straße wird vor ihm ein anderer Journalist erschossen.

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Weil Paul seiner Kollegin imponieren will, setzt er einen kurzen Nachruf auf seine Klatschseite und landet so im Visier des Geheimdienstes. Ab diesem Zeitpunkt läuft für Paul alles aus dem Ruder. Er wird Zeuge einer Bombenexplosion in der Moskauer U-Bahn und wacht im Gefängnis auf. Plötzlich steht er unter Terrorverdacht und muss sich in der überfüllten Zelle Freunde machen, um zu überleben. Doch selbst, als er schließlich rauskommt, will er nicht schnellstmöglich nach Good Old Germany – nein! Er möchte vorher noch ein Zeichen setzen.

So arbeiten Journalisten?

„Die vierte Macht“ erschien mir als ein „Muss-Film“ für jemanden aus meinem Berufsstand, leider hatte das, was ich sehen durfte, weniger mit investigativem Journalismus, sondern mehr mit „Kommissar Zufall“ zu tun. Der verlorene Junge, der sich vom politischen Journalismus abgewendet hat, wird durch seine Erlebnisse im Gefängnis bekehrt und findet die fehlenden Puzzlestücke für seine Enthüllungs-Story rein zufällig im Chaos des Arbeitszimmers seines verstorbenen Vaters.

Doch Paul hat nicht nur Glück, er ist auch einfach wahnsinnig talentiert. Denn er schafft es ganz locker, den „Artikel des Jahrhunderts“ eben einfach mal so auf einem Hotelrechner runterzutippen. In kürzester Zeit und ohne etwas nachlesen zu müssen, schreibt er seinen Text, der dann auch ohne Gegenlesen abgedruckt werden kann. Eben ein echtes Meisterwerk, das natürlich jeder, aber auch wirklich jeder unbedingt lesen will. Da kann ich nur sagen: Hut ab!

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Gutes und schlechtes Schauspiel

Der Film war durchaus spannend und hat auch zum Nachdenken angeregt, aber war doch streckenweise sehr langatmig. Die schauspielerische Leistung ist anerkennenswert, gerade Moritz Bleibtreu macht eine gute Figur auch ohne gute Figur. Seine Performance im Gefängnis ist wirklich gut – die Angst in den Augen, die Hilflosigkeit im Gesicht, man nimmt ihn den verzweifelten Gefangenen voll und ganz ab. Schwierig fand ich hingegen den Auftritt von Max Riemelt – dessen russischer Akzent so aufgesetzt rüber kam, dass er schon fast komisch war.

Abschließendes Urteil:
Ich war schon ein bisschen enttäuscht über die deutsche Produktion. Das Grundgerüst der Geschichte ist gut, in der Umsetzung ist es aber ein bisschen zu schwerfällig, ein bisschen unglaubwürdig, ein bisschen zu gewollt. Der Punkt, an dem ich den Film nicht mehr richtig ernst nehmen konnte, war der, als Paul plötzlich zum Rätsellöser wird und auf unglaubwürdigste Art das Vermächtnis seines Vaters aufspürt. Wer sich davon nicht abschrecken lässt: „Die vierte Macht“ ist sehenswert. Düster, kritisch und gut gespielt.

Bewertung vM

Christina Nover

Folgt auf den Arabischen nun auch der Russische Frühling?

Es gibt sie, die wenigen magischen Momente, in denen Geschichte geschrieben wird. Meist kommen sie unerwartet wie der Fall der Mauer oder 200 Jahre zuvor die Französische Revolution. All diesen Zeitenwenden ging ein schleichender Erosionsprozess der etablierten Mächte voraus. Die Basis ihrer gesellschaftlichen Stellung wurde ausgehöhlt, ihre Glaubwürdigkeit erschüttert. Parallel dazu drängte ein Heer Unzufriedener auf eine Veränderung der herrschenden Verhältnisse.

Nach dieser Logik fiel 1789 die Pariser Bastille. Nach dieser Logik brach auch der kommunistische Ostblock nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 in sich zusammen. Und letztlich folgte selbst der Arabische Frühling diesem revolutionären Urgesetz. Ereilt nun Russland ein ähnliches Schicksal, am Ende vielleicht sogar China?

Zunächst einmal lernen wir aus dem Arabischen Frühling: Die Idee von Freiheit und Mitbestimmung ist universaler, als viele Skeptiker befürchtet haben. Offenbar scheint das Bedürfnis, gerecht behandelt und von der staatlichen Ordnung respektiert zu werden, tief im Menschen verwurzelt. Dazu gesellt sich das Verlangen nach Wahrheit und Wahrhaftigkeit. Vor allem junge Menschen haben ein feines Gespür für leere Parolen und überlebte Traditionen, mit denen korrupte Despoten ihr System der Klientel- und Misswirtschaft verschleiern. Neue Medien wie Facebook und Twitter schaffen zudem schwer kontrollierbare Kommunikations-Plattformen, die zu schnell wachsenden Keimzellen des Widerstands werden.

Vor allem gut ausgebildete, aber vollkommen perspektivlose junge Menschen haben in den nordafrikanischen Ländern jenen machtvollen Aufstand angezettelt, der bis dato sakrosankten Titanen wie den Ägypter Husni Mubarak oder den Libyer Muammar el Gaddafi aus ihren Palästen vertrieb. Letztlich wurden die gestürzten Eliten Opfer ihrer maßlosen Gier. Die dünne Fassade politischer Programmatik konnte die wahren Motive ihres Handelns nur noch notdürftig überdecken. In der Bevölkerung wuchsen Wut und Unzufriedenheit. Empörung kann eine mächtige Waffe sein, wenn sie Hunderttausende mobilisiert. Irgendwann wechselt die Angst die Seite. Ein Prozess, der derzeit in Syrien zu beobachten ist. Präsident Baschar el Assad kann seinen Niedergang wohl nicht mehr verhindern. Die Frage ist nur, wie groß das Blutbad ist, das er zuvor noch anrichtet.

Und Russland? Die Mehrheit der Russen mag noch immer Ruhe und Sicherheit wünschen, verkörpert durch einen starken Mann im Kreml. Aber die Dreistigkeit, mit der Regierungschef Waldimir Putin die ohnehin fadenscheinige Maske des Demokraten fallen ließ, hat dennoch Hunderttausende erzürnt. Nicht alle haben den Mut, auf die Straße zu gehen. Aber mehr Bürger denn je haben dem Regime dieser Tage offen die Stirn geboten. Putin hat die Aura der Unantastbarkeit verloren. Selbst wenn er sich trotzdem zum Präsidenten wählen lässt, ist er angeschlagen. Kein Repressionsapparat der Welt kann ein ganzes Volk beherrschen. Schon gar nicht, wenn dieses Volk wütend ist.

Sogar die schier allmächtigen Kommunisten Chinas fürchten sich vor dem Funken der Revolution. Sie habe Dutzende Regimegegner in die Kerker geworfen. Eine Verzweiflungstat. 2011 hat tiefe Risse ins Fundament totalitärer Regime gesprengt. Darin nistet die Hoffnung – auf die Macht der Freiheit.

Dietmar Brück

Rote Lauscher: die dunkle Seite der (Medien)Macht

NoW

„Drei feindliche Zeitungen sind mehr zu fürchten als 1000 Bajonette“, sagte Napoleon Bonaparte. Das wissen auch die britischen Stars und Politiker, die ihre bissige Presse oft aus Furcht mit Samthandschuhen anfassen. Vor allem Rupert Murdochs Blätter „The Sun“ und „News of the World“ (NoW) definieren im Königreich immer wieder den Begriff „Medienmacht“ neu und lassen dabei die Prominenten zittern. Zurzeit machen die roten Revolverblätter die regierenden Tories nervös, die mit ihrer Unterstützung 2010 die Wahl gewonnen haben. Der Grund: Premier David Cameron steht einigen Schlüsselspielern in Murdochs Imperium nahe, die sich scheinbar auf die „dunkle Seite der (Medien)Macht“ geschlagen haben. Darum musste sich der Tory-Chef heute im Parlament „katastrophale Fehleinschätzungen“ vorwerfen lassen.

Der Ärger begann für Cameron gestern in Kabul. Eigentlich wollte er dort über die Fortschritte im Kampf gegen die Taliban sprechen. Stattdessen beantwortete der britische Regierungschef auf einer Pressekonferenz mit Premier Hamid Karzai kritische Fragen zu einem Skandal in der Heimat, der das Ansehen seiner Regierung zunehmend bedroht. „Schockierend… wirklich entsetzlich. Die Polizei muss in diesem Fall ohne Angst und ohne Rücksicht auf Befindlichkeiten ermitteln“, sagte verärgert der schwitzende Cameron in der afghanischen Sommerhitze, während sich gerade in London die Opposition und die Medien auf seine Freundin Rebekah Brooks stürzten.

Merkt euch diesen Namen. Als Chefin von Murdochs Medienkonzern „News International“ gehört die 43-jährige Engländerin mit der auffälligen, leuchtend roten Lockenfrisur zu den mächtigsten Frauen Großbritanniens. Brooks ist angeblich ein gerne gesehener Gast im Palast ebenso wie bei Cameron in der Downing Street, der mit der ersten Frau an der Spitze der „Sun“ (2003 bis 2009) gemeinsam Weihnachten gefeiert haben soll. Jetzt fragen sich aber viele Briten, ob ihr Regierungschef nicht bei seinen Freunden wählerischer sein sollte. Denn Brooks steht im Verdacht, 2002 als Chefredakteurin von „News of the World“ in einem tragischen Mordfall illegale Recherchepraktiken ihrer Redakteure gebilligt oder zumindest toleriert zu haben.

Milly

Milly Dowlerentführt, belauscht, ermordet

Die 13 Jahre alte Milly Dowler aus Walton-on-Thames in der Grafschaft Surrey wurde in März 2002 auf dem Heimweg von der Schule entführt. Erst sechs Monate später fand die Polizei die nackte Leiche des vermissten Teenagers in einem Waldstück. Millys Mörder, der 43-jährige Türsteher Levy Bellfield, wurde vor zwei Wochen zu lebenslanger Haft verurteilt. Am Montag wurde bekannt, dass ein Privatdetektiv namens Glenn Mulcaire sich im Auftrag von NoW vor neun Jahren Zugang zu Millys Handy-Mailbox verschafft hatte, um die Zeitung mit vertraulichen Details über die andauernde Suche nach dem Mädchen zu versorgen. Mulcaire soll  jedoch nicht nur die verzweifelten Nachrichten der Eltern und Freunde auf der Mailbox abgehört, sondern auch manche davon heimlich gelöscht haben, um Platz im Speicher des älteren Mobiltelefons für neue Mitteilungen zu schaffen. Das hatte auf dem Höhepunkt der Suche die nichts ahnende Familie des Opfers und die Ermittler zu der falschen Annahme geführt, dass Milly noch am Leben und im Besitz ihres Telefons sei. Die Polizei glaubt jetzt, dass Mulcaire Beweise vernichtet und sogar unwissentlich dem Mörder geholfen haben könnte. Es ist eine überraschende neue Wende im größten Medienskandal der letzten Jahre, der seit Januar den Scotland Yard beschäftigt.

NoW1

Murdochs Erfolgsblätter

Er begann 2005, als Murdochs Massenblatt mit einer Auflage von 3,3 Millionen Exemplaren intime Details über Prinz William veröffentlichte, die der Öffentlichkeit unbekannt waren. Die Queen hatte daraufhin die Polizei alarmiert. Es stellte sich heraus, dass der damalige Hofberichterstatter von NoW, Clive Goodman, regelmäßig die Handyverbindungen der Royals gehackt hatte. Außerdem brach Goodman mit Hilfe von privaten Ermittlern in die Handy-Mailboxen von 3000 Briten ein, darunter die Filmstars Hugh Grant, Sienna Miller und Jude Law, der Ex-Fußballer Paul Gascoigne und der Abgeordnete Chris Bryant. Goodman und Mulcaire kamen 2007 ins Gefängnis. Die Affäre kochte danach auf kleiner Flamme, bis das Wochenblatt Anfang 2011 gestand, erneut Millers Telefonate belauscht zu haben.

NoW hat inzwischen 100 000 Pfund als Entschädigung an die Schauspielerin gezahlt. Im Januar trat sein früherer Chefredakteur Andy Coulson vom Posten des PR-Chefs in Downing Street Zehn zurück. Die Polizei verhaftete außerdem vier Ex-Reporter von NoW und eine Agenturjournalistin, die auf einen Prozess warten. „News of the World“ sorgte zuletzt im Juni für Schlagzeilen, als der bekannte Parlamentarier Tom Watson Murdochs Presse geheimdienstliche Aktivitäten vorwarf. Nach Watsons Informationen, die auch vom „Guardian“ bestätigt werden, haben Mulcaire und andere Detektive für NoW auch den früheren Premier Tony Blair und den Zentralbankchef Mervyn King belauscht. Sie sollen außerdem die Bankkonten von Prinz Edward und Kate Middleton gehackt haben. Ziemlich hoher Aufwand für ein wenig Klatsch und Tratsch, nicht wahr? „Ich stand unter Druck: Die wollten permanent neue Informationen haben“, sagt heute Mulcaire, dem es angeblich furchtbar leid tut. Kaum zu glauben, aber er nennt sein illegales Schnüffeln weiter „investigativer Journalismus“. So viel zu den Gepflogenheiten des britsichen Boulevards…

Brooks

Rebekah Brooks – Camerons Freundin steht unter Kritik

Im Rahmen der „Operation Weeting“ arbeiten 50 Ermittler seit Januar mit Hochdruck daran, um den Fall von „News of the World“ aufzuklären, der immer verworrener wird. Die neuen Vorwürfe im Aufsehen erregenden Fall Dowler setzten nun die Zeitung mächtig unter Druck. NoW bestreitet, systematisch das Gesetz gebrochen zu haben. „Diese Informationen sind schockierend, und sie machen mich krank“, sagte Rebekah Brooks in einer Erklärung. „Ich hoffe, alle verstehen, dass ich als Chefredakteurin damals diese schrecklichen Aktionen weder sanktioniert noch darüber überhaupt gewusst habe“. Sie will aber nicht gehen. Während in London heute die Fetzen flogen, nannte der zerknirschte Murdoch die NoW-Hackeraffäre „betrüblich und inakzeptabel“.

Zu spät. Einer nach dem anderen haben sich die alarmierten Werbekunden von NoW verabschiedet: Erst Ford, dann Virgin, Lloyds, Co-Op, Vauxhall und Halifax. Das dürfte weh tun. Das Interessante ist, dass zuvor einige Twitterer im Netz Murdoch den Krieg erklärt hatten. Sie erzeugten ein gewaltiges negatives Echo. Möglicherweise hat es die Entscheidung der erschrockenen Konzerne beeinflußt, die nicht länger mit Journalisten zusammen arbeiten wollen, denen manche Parlamentarier heute „komplettes moralisches Versagen“ vorgeworfen haben. In einer „Notdebatte“ über die roten Lauscher ging Cameron in Defensive und versprach die Einrichung einer Untersuchungskommission ein – nach dem Ende der Polizeiermittlungen. Das Problem ist nur, dass der Scotland Yard zunächst gegen sich selbst ermitteln muss. Wie heute bekannt wurde, standen angeblich mehrere korrumpierte Polizisten auf der Gehaltsliste von Andy Coulson, als dieser NoW geleitet hat. Sie sollen von der Zeitung illegal Zehntausende Pfund für Informationen über Stars erhalten haben. Die Metropolitan Police will diesen Informationen nun nachgehen.

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Rupert Murdoch: Bald nichts zu lachen?

Die Enthüllungslavine rollt weiter: Jetzt melden sich die Hinterbliebenen der Opfer bei den Bombenanschlägen in London (7.7.2005) zu Wort. Auch ihre Handyverbindungen wurden in den Tagen der größten britischen Terror-Tragödie von „News of the World“ gehackt. „Das ist entsetzlich“, sagte ein Betroffener. Außerdem soll NoW die Eltern zweier zehnjährigen Mädchen abgehört haben, die 2002 von einem Pädophilen getötet wurden. Schlimmer geht es nicht mehr. Oh doch, deutet „News International“ an. In der Lauschaffäre könnte noch mehr Dreck hochkommen, sagen die Experten. Der Skandal um den Schmuddeljournalismus wird die Briten (und uns Korrespondenten in London) also noch eine ganze Weile beschäftigen.

Alexei Makartsev