Schlagwort-Archive: TV

Spielverzögerung im TV: Die Angst beim Fernsehen vor dem Jubel

Die lauen Sommernächte werden in diesen Wochen bekanntlich häufiger durch Gekicke im Fernsehen unterbrochen. Auch weniger versierte Fußballfans lassen sich dazu hinreißen, das eine oder andere überraschende Tor mit Jubel zu begleiten.

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Marcus Schwarze

TV-Experimente: Wir schauen aufs Nichts

Auf EinsPlus, einem mir bislang unbekannten Fernsehsender von so geringer Einschaltquote wie ein Kühlschrank in der Arktis, haben sie jetzt ein Experiment veranstaltet.

Zum Eurovision Song Contest (ESC) teilten sie den Bildschirm in Hälften, zeigten links das Fernsehbild trällernder Sangesgruppen in Kopenhagen und rechts Zuschauerkommentare von Kiel über Kuala Lumpur bis Konstanz. Das las sich dann so.

EinsPlus, der Fernsehsender, blendet fast wahllos Beiträge aus Twitter und Facebook zum Eurovision Song Contest ein.

EinsPlus, der Fernsehsender, blendet fast wahllos Beiträge aus Twitter und Facebook zum Eurovision Song Contest ein.

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Marcus Schwarze

Medienwächter über „Schwer verliebt“: „Die Sendungen sind keine Elemente offenen Spotts“

Bei der Landesmedienanstalt Rheinland-Pfalz haben sich mehrere Zuschauer über die Sat.1-Sendung „Schwer verliebt“ beschwert. Ein 40-Jähriger hat nun eine Antwort bekommen. Weiterlesen

Auf Sarahs Seite

Schwer verletzt – Sarah in den Fängen der SAT.1-Kuppelshow „Schwer verliebt“

Millionen schauen Sonntag für Sonntag die Sat.1-Kuppelshow „Schwer verliebt“.  Auf der Suche nach ihrem Traummann ist auch Sarah aus Fischbach in der Nähe von Idar- Oberstein zu sehen. Doch von Liebe ist in ihrem Leben im Moment nichts zu spüren, im Gegenteil. SAT.1 macht aus der jungen Frau öffentlich eine Lachnummer. Und das will sich  die 27-Jährige nicht mehr gefallen lassen.

Die Rhein-Zeitung berichtet an diesem Wochenende ausführlich auf drei Seiten darüber, wie Sarah in die Fänge der SAT.1-Kuppelshow „Schwer verliebt“ geriet. Wie die junge Frau in dem umstrittenen TV-Format gnadenlos einem Millionenpublikum vorgeführt wird. Und wie viel Häme und Spott sie heute zu spüren bekommt, nachdem die ersten Sendungen gelaufen sind. „Oh nein, Oh, ist das peinlich … Ich wollte das nicht. Ich musste das tun“, sagt sie jetzt, wenn sie die Sendung mit sich selbst als eine der Darstellerinnen anschaut. Doch das Drehbuch der SAT.1-Produzenten sieht noch viele Szenen vor.

Vera Müller, Redakteurin der Rhein-Zeitung, im Radiointerview über Sarah und „Schwer verliebt“ von der Rhein-Zeitung

„Versendet sich“, sagen Fernsehleute häufig. Wir von der Rhein-Zeitung möchten diese Sendung nicht einfach so stehen lassen. Das, was wir dort sehen, versendet sich eben nicht, es bleibt im Umfeld der gezeigten Menschen zurück, es verletzt. Zurzeit entsteht ein Netzwerk von Menschen, die Sarah helfen wollen. Daher  haben wir für Sarah hier die Internet-Seite „aufsarahsseite.rhein-zeitung.de“ eingerichtet, auf der unter der Moderation der Online-Redaktion Leser Zuspruch und Unterstützung bekunden können – in einer Situation, die der 27-Jährigen viel Stärke abverlangt.

Die Redaktion behält sich vor, Beiträge nicht zu veröffentlichen.

Auf Sarahs Seite

Ein Moment bei Wetten, dass…? – Mit mehr Amadeis in die Zukunft springen

Mehr Amadeis für Wetten, dass? Foto: Bernd Eßling

Mehr Amadeis für Wetten, dass? Foto: Bernd Eßling

Nein, Wetten, dass…? ist nicht mehr so wie früher. Ja, die Show hat sich selbst überlebt und könnte ohne Probleme vom Bildschirm verschwinden. Und ja, Thomas Gottschalk ist mit seinem erstarrten Moderationsstil ein Ärgernis, das aber auf eine seltsame Art unverzichtbar zu sein scheint. Man muss also nicht noch einen Abgesang auf diese Show schreiben, das ist in den letzten Monaten oft genug passiert und es werden noch ein paar Folgen bis zum Jahresende. Aber vielleicht hat die Show doch eine Zukunft. Dazu muss sie aber endlich cool werden.

Am Freitag hatte ich die Gelegenheit, bei den Vorbereitungen für die Außenwette in Mainz dabei zu sein. Dabei habe ich Amadei nur kurz kennen gelernt, aber er war mir mit seiner unkomplizierten, lockeren Art sofort sympathisch. Lässig stellte er sich den Medien, antwortete so locker und arglos, dass sich der ebenfalls anwesende Olli Dietrich irgendwann veranlasst sah zu intervenieren. Der Medienprofi nahm sich den 21-Jährigen in einem Moment kurz beiseite und gab ihm ein paar gute Ratschläge. „Nicht alles erzählen“, bremste er den Berliner ein bisschen und richtigerweise ein. Amadei kommt eben aus einer Generation, in der das Teilen auch von privaten Informationen zum Alltag gehört.

Aber es sind genau solche Typen, die „Wetten, dass“ braucht, wenn es irgendwie weiter leben will. Als Amadei am Samstag durch die Laubenheimer Reithalle fegte wie der Tasmanische Teufel durch die Bugs Bunny-Cartoons, dürfte dem durchschnittlichen ZDF-Zuschauer wahrscheinlich vor Schreck das Gebiss aus dem Mund gefallen sein. Aber bei einem, der so kühn über die Hindernisse fliegt, sich – BÄM! – von einer Wand abstößt, um einen Ochser zu überwinden, werden auch jüngere Zuschauer gebannt vor dem Fernseher (oder Livestream) gesessen haben. Amadeis Auftritt, man kann es nicht anders sagen, war einfach cool, und das ist ein Wort, dass zu „Wetten, dass“ eigentlich so gut passt wie Stil zu Sarah Connor. Aber die Sendung wird sterben, wenn sie nicht cool wird. Und dazu braucht es Wetten, die auch die Generation YouTube von den Stühlen reißt.

Leute wie Amadei sind solche Typen. „Was ich kann, habe ich auf YouTube gelernt“, sagt er. Nun werden sich andere Kids dort seine Tricks abschauen. Auf der Videoplattform zeigt gerade eine ganze Generation, was sie drauf hat. Es gab sogar mal eine Art „YouTube-Wetten, dass“: Die Show „I bet you will not“ war eine zeitlang eine der beliebtesten YouTube-Shows. Zwei Hamburger Jungs ließen sich dabei immer von anderen Kids zu einer Wette herausfordern. Diese stellten irgendein Kunststück vor, zum Beispiel zehn Saltos in einer Minute zu machen und sich bei jedem Salto das T-Shirt über den Kopf zu ziehen. Einer der beiden YouTube-Typen wettete dann, dass der Trick funktionieren würde, einer dagegen. Den Verlierer erwartete eine ans Abartige grenzende Strafe, wie ein ganzes Paket Butter essen oder so. Nun ja, man muss ja nicht jeden Quatsch aus dem Web übernehmen. Aber es gibt genug Amadeis, die coole Sachen können. Davon, ob diese Leute es auch cool fänden, bei „Wetten, dass“ zu sein, wird die Zukunft der Show mehr abhängen, als davon ob Hape Kerkeling, Anke Enkelke oder sonst wer die Sendung moderiert.

Moritz Meyer

Ein letzter Moment in Gelb? Simpsons vor dem Ende, so what?

Nun also auch Lady Gaga:  Auch der berühmteste Popstar dieser Zeit wird also demnächst einen Gastauftritt bei den Simspons haben. Allein diese Meldung verdeutlicht, warum es an der Zeit ist, dass die gelbste aller Familien endlich ihre wohlverdiente Privatsphäre genießen sollte, anstatt weiter in ihrer eigenen Serie mitzuspielen. Ihren Status als originellstes Stück Fernsehen hat sie längst abgegeben. So vorhersehbar wie die mittlerweile routiniert abgefeierten Gastauftritte irgendwelcher Stars sind auch die Folgen geworden.

Die Meldung schreckte das popkulturelle Feuilleton auf: Gagenstreitigkeiten zwischen Fox und den Synchronsprechern könnten bedeuten. Komischerweise berührt mich das kaum, ja fast bin ich erleichtert. Endlich müsste ich mich nicht mehr von meinem Gewissen plagen lassen, weil ich die meisten der neuen Folgen auslasse. Ungefähr seit der 18. Staffel bin ich nicht mehr regelmäßig dabei. Einerseits ärgert mich das, weil ich immer fürchten muss, eine weitere Perle genialer Zeichentricksatire zu verpassen, einen neuen Spruch für die Ewigkeit. Natürlich sind auch in den neueren Folgen kleine Meisterwerke dabei. Aber abzählen kann man sie an einer Hand. Die Plotkonstrukte folgen längst nicht mehr einer eigenen, originellen Erzählstruktur, sondern bestehen aus bewährten Versatzstücken: Parodien bekannter Serien und Filme, Simpsons auf Reisen, Homers nächster ungewöhnlicher Job, Bart und Lisa streiten sich, es ist alles schon mal dagewesen.

Ihren Höhepunkt haben die Simpsons längst überschritten, darin sind sich alle einig. Ebenso breit ist aber der Konsens, die Simpsons seien immer noch das vermeintlich beste, was es im Fernsehen zu sehen gäbe. Vielleicht stimmt das auch. Aber das Fernsehen ist längst nicht mehr alles: Auf YouTube gibt es eine ganze Reihe Comedies, die witziger und origineller sind als Homer & Co – und die sich auch viel mehr trauen. Die Simpsons hingegen sind Teil jener Maschinerie geworden, die sie einst zu unterwandern trachteten. Die Stars müssen nicht mehr betteln, in die Serie aufgenommen zu werden. Einst galt das als popkultureller Ritterschlag, heute scheint es umgekehrt:  Die Lady Gagas dieser Welt könnten nötig sein, die sinkende Quote  der Serie noch irgendwie zu stabilisieren.

Die Simpsons sind und bleiben ein Meilenstein der TV-Unterhaltung. Ich kann sie mir immer noch in der Endlosschleife angucken, ohne dass mir langweilig wird. Aber vielleicht ist es jetzt einfach mal gut: Auf ein weiteres Star-Vehikel in der Fernsehwelt kann ich jedenfalls gut verzichten.

Moritz Meyer

Von der Gruselgruft in die Höllenhütte

Die Zeiten, in denen Tine Wittler gemütlichen Einfamilienhäusern, angefüllt mit netten, vielleicht ein wenig vom Leben geplagten Menschen, eine Generalüberholung spendierte, sind vorbei. Dem allgemeinen Trend zum „Immer lauter und greller werden“ im Fernsehen folgt auch die Wohngestalterin von RTL. Bei ihren „Einsätzen in 4 Wänden“ muss es schon mindestens eine Messie-Mutter oder ein Bastel-Opa sein, dessen „menschenunwürdiges“ (Off-Ton) Wohnumfeld ratzfatz aufgemöbelt werden muss. Zu den beiden Folgen, die neulich liefen, habe ich die folgende TV-Kritik verfasst, die am Mittwoch in der RZ erschien:

 

Früher war Tine Wittler mal so etwas wie die gemütlich-rundliche Leiterin des TV-Volkshochschulkurses „Einrichten und Renovieren“ bei RTL. Heute ist sie Conférencière eines Kuriositätenkabinetts. Ihr „Einsatz in 4 Wänden“ ist inzwischen verkommen zu einer Dokusendung aus Absurdistan. Jetzt sendete RTL gleich zwei Folgen hintereinander – eine doppelt peinliche TV-Reise ins Elend.

 

Tine Wittler: Die "Wohnexpertin" ist inzwischen auch als Therapeutin und Insektenvernichterin gefragt. Foto: RTL

Tine Wittler: Die "Wohnexpertin" ist inzwischen auch als Therapeutin und Insektenvernichterin gefragt. Foto: RTL

 

Schon die Sendungstitel weisen den Weg, den diese einst sympathische Show genommen hat: Erst sah Wittler in der „Gruselgruft der Messie-Mutter“ nach dem Rechten, dann in der „Höllenhütte des Bastel-Opas“. Die eine Wohnung verdreckt bis zum Gehtnichtmehr, die andere zugestapelt mit Holzmodellen – man ahnt, dass die roten Handschuhe, die Wittler so gern trägt, längst kein modischer Fimmel mehr sind, sondern Selbstschutz. Immer greller wird die Inszenierung der Wohnsituation der nach allen Regeln der Pseudoreportage vorgeführten Probanden. Die eigentliche Renovierung braucht nur noch knapp zehn Minuten Sendezeit, davor und danach wird viel geheult, erst vor Ekel und Scham, dann vor Freude über die eiligst normierten Wittler-„Wohnträume“.

Was soll jetzt noch kommen? Kakerlakenkammer, Wanzenwohnung oder Bakterienbude? Tine, übernehmen Sie!

 

Fallen Ihnen auch noch lustige Einsatzorte für Tine in Alliterationsform ein? Gern als Kommentar!

Tim Kosmetschke