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Weihnachten 2015: Der Hotspot

Von Marcus Schwarze

20:00 Uhr (Papa-Meldung): Ihr könnt eure neue Xbox One und das neue Handy ausnahmsweise bis 22 Uhr nutzen, aber dann ist Schluss!

Allgemeines Kopfnicken.

20:15 Uhr (Admin-Meldung): Überprüfung der heimischen Zugangssperren abgeschlossen, alle Systeme on load und auf Standby. Geräte sind zugeordnet nach „Unbeschränkt“ (Eltern und WLAN-Strom-Schnittstellen), „Kinder“ (gesperrt zwischen 22 und 6.30 Uhr), „Gastzugang“.

22:00 Uhr (Admin-Meldung): Kinder-Geräte schalten Internet um 22 Uhr erfolgreich ab. Roger.

22:05 Uhr (Papa-Meldung): Bisschen stolz drauf, wie die Kids die heimischen Netzsperren umgehen. Technik-Kompetenz!

22:15 Uhr (Admin-Meldung): Ha! Fritz Box und ich haben’s denen jetzt mal gezeigt! Der Gastzugang verzeichnete irreguläre Aktivitäten. Jetzt hat der auch das Kinder-Profil verpasst bekommen.

22:30 Uhr (Admin-Meldung): Oha, was sind denn das da für neue Geräte auf der Stromleitung!?

22:45 Uhr (Papa-Meldung): Alle Strom-Geräte mit WLAN haben das Kinder-Profil zugeordnet bekommen. Läuft.

22:50 Uhr (Admin-Meldung): Über den Freifunk-Netzzugang erscheinen drei Geräte eingeloggt.

23:05 Uhr (Papa-Meldung): Der Freifunk-Netzzugang hat das Kinder-Profil zugeordnet bekommen. Es sollten nun keine Kinder-Aktivitäten im Netz mehr möglich sein.

23:15 Uhr (Admin-Meldung): Außer dem Admin und ein paar angeschlossenen Verteilern keine Geräte mehr im Netz aktiv! Kindersicherung läuft!

Getuschel aus den Kinderzimmern. Tastaturgeklapper.

23:30 Uhr (Papa-Meldung): Die Handys kommen JETZT SOFORT in die KÜCHE!

„Aber wie kommen wir denn dann ohne Hotspot ins Internet?“

 

 

Marcus Schwarze

Favoriten im August 2012

Diese Themen und Tweets fand ich im August 2012 bemerkenswert.
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Marcus Schwarze

Der Böse Google hat nur geraucht – nicht inhaliert!

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Ilse Aigner erschauert beim Anblick des Bösen Google

Der Böse Google macht schon wieder von sich reden. Kaum war die Erregung über das angeblich unverschämte Abfotografieren kleiner Leute Gartenzwerge und großer Leute Ferraris – g’schamig versteckt hinter  Mauern und Hecken – etwas abgeflaut, gesteht der Böse Google, dass er aus Versehen private Daten aufgezeichnet hat! Nur aufgezeichnet, nicht etwa ausgewertet oder gar veröffentlicht, das erinnert an Bill Clintons „…ich habe nur geraucht, nicht inhaliert“.

Google lässt seine Street-View-Autos nicht nur Bilder aufnehmen, sondern scannt auch die Funknetzwerke, die WLANs, am Wegesrand ab. Mit solchen Daten kann man einen tollen Dienst anbieten, zum Beispiel das automatische Verorten der anfragenden PCs oder Handys bei Google Maps (Beispiel). Nun hat Google aber nicht nur die Netzwerkkennung aufgezeichnet, sondern auch ein paar Nutzdaten unverschlüsselter Netzwerke. Aus Versehen, sagt Google, irrtümlich wäre eine Softwarekomponente an Bord geblieben.

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Google Street WAHN

Kann ein Gigant wie Google überhaupt irren? Nein, meint Bundesdatenschutzmeister Peter Schaar. Als „höchst ungewöhnlich“ bezeichnete er die Erklärung, die Panne sei versehentlich geschehen. Da merkt man, dass Schaar ein ausgewiesener Verwaltungsfachmann ist, denn auf dem Amt passieren bekanntlich keine Pannen. Softwareexperten dagegen wissen, dass auch – und gerade – die unvorstellbaren Fehler irgendwann passieren werden (Murphys Gesetz). Der Volksmund spricht gelassen aus, was der Volkswirt (Schaar) verleugnet: Shit Happens! Durchaus möglich, dass eine Softwarekomponente mehr Daten aufzeichnete, als beabsichtigt war. Vermutlich hat man’s sogar bemerkt, sich dafür aber nicht weiter interessiert, weil man die Daten sowieso nicht brauchte.

„Wie viele Pannen will sich Google eigentlich noch leisten?“, fragt Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (man möchte spontan die Gegenfrage an sie richten, wie viele Pannen sich die Bundesregierung eigentlich noch leisten möchte, aber das wäre natürlich reine Polemik). Google sei über Jahre offenbar illegal in private Datennetze eingedrungen, behauptet die Ministerin. Das ist nun wirklich billige Polemik: Wer sein Funknetz unverschlüsselt senden lässt, kann seine Botschaften auch gleich per Postkarte verbreiten oder plakatieren lassen. Das ist ein Fahrlässigkeit, wie in der vergangenen Woche der Bundesgerichtshof als (und zu) Recht erkannt hat und kann eine 100-Euro-Abmahnung nach sich ziehen. Wer nicht imstande ist, ein paar Einstellungen an seinem WLAN-Gerät zu tätigen, der sollte darauf verzichten und sich ein Kabel legen (nicht um den Hals, zum PC genügt völlig!).

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Ilse Aigner bei Gebirgsschützen in Oberbayern

Tatsächlich hat Google für Bruchteile von Sekunden jeweils ein paar Kilobyte von Leuten aufgeschnappt, denen Datenschutz offensichtlich egal ist. Die ganze Aufregung um die erfolgreiche und viel Nutzen stiftende Internetfirma – die zugegeben zu oft zu leichtfertig oder blauäugig mit dem sensiblen Thema Datenschutz umgeht – ist wieder mal ein Sturm im Wasserglas. Doch gut geeignet, um mit populistischem Geschwätz von wichtigeren, hausgemachten Problemen abzulenken.

Wer sich von dem Bösen Google, neugierigen Nachbarn oder Privatdetektiven schützen will, sollte bei seinem WLAN folgende Regeln beachten:

  1. Sendeleistung so weit wie möglich reduzieren, in einer Wohnung reichen oft 25 oder weniger Prozent aus: ohne, dass Nachteile entstehen. Aber auf der Straße „sieht“ man das Netz nicht mehr, weil die Reichweite reduziert ist. Gute Router können das – und sparen dabei noch ein paar Watt Strom.
  2. Keine sprechenden Namen beim Funknetz-Namen, der SSID, wählen. Also nicht: „Netz von Ilse Aigner“, sondern zum Beispiel „Gebirgsschuetzennetz“ (siehe Foto). Man kann auf den Namen auch ganz verzichten, aber damit kommen manche PCs nicht klar und es erhöht keineswegs die Sicherheit, weil die eindeutige Kenn-Nummer des WLAN-Senders dennoch gesendet wird.
  3. Ein langes Passwort aus Ziffern, Groß- und Kleinbuchstaben als Zugangs-Passwort wählen und auf einem Zettel und/oder USB-Stick speichern, der zu Hause bleibt. Man muss das Passwort bei jedem Gerät in der Regel nur ein einziges Mal eingeben.
  4. Nur registrierten Geräten den Zugang zu gestatten, ist ein wenig umständlich dafür aber sehr sicher und erhöht die Sicherheit nur geringfügig.  Jede WLAN-Einrichtung, sei sie im PC, Smartphone oder iPad/iPod verbaut, hat eine eindeutige Kenn-Nummer: Node Number oder auch MAC-Adresse genannt. Viele WLAN-Sender erlauben es, dass sich nur Geräte, deren MAC-Adresse zugelassen wurde, einloggen können. Leider lassen sich diese Adressen per Software fälschen, so dass diese Sicherheitsmassnahme nicht gegen ernsthafte Einbrecher hilft.
Fotos: dpa; Montage: jo
Jochen Magnus