So entwickelt sich Rhein-Zeitung.de seit Einführung der verschärften Bezahlschranke

Am 1. August haben wir bei der Rhein-Zeitung unsere Bezahlschranke im Internet verschärft. Bereits nach zwei Artikeln pro Monat werden Leser gebeten, sich als Abonnenten unserer Print- oder Digitalprodukte zu authentifizieren. Vorher lag die Zahl der freien Artikel bei zehn. Auch dpa-Texte gibt es nicht mehr frei. Jetzt, einen Monat später, werten wir erste Ergebnisse aus – und machen diese bewusst transparent.

Entwicklung der Visits auf Rhein-Zeitung.de im Jahresvergleich.

Entwicklung der Visits auf Rhein-Zeitung.de im Jahresvergleich.

Erwartungsgemäß hat sich die Zahl der Visits auf Rhein-Zeitung.de nach Einführung der harten Bezahlschranke verringert. Gegenüber Juli sank die Zahl der Visits von 2,89 Millionen auf 2,41 Millionen. Das ist ein Minus von 17 Prozent.

Von besserer Aussagekraft ist der Vergleich mit dem Vorjahresmonat, weil dann saisonale Effekte wie Ferien, Feiertage, die Anzahl der Tage eines Monats und auch Sonderereignisse wie der Karneval mit ihren Ausschlägen nach oben und nach unten besser berücksichtigt werden. Dabei kommen wir zu folgendem Ergebnis: Im Vergleich zum Vorjahresmonat August 2013 zählen wir auf Rhein-Zeitung.de im August 2014 ein Plus von 6 Prozent.

Dabei handelt es sich um die Zugriffe auf www.rhein-zeitung.de und mobil.rhein-zeitung.de. Im Vorjahr gab es für Rhein-Zeitung.de das Mobilportal noch nicht. Es erscheint erst seit vergangenen Oktober automatisch, sobald man unsere Webseite mit dem Handy ansurft. Vorher bekamen diese Leser unsere www-Seite angezeigt. Von daher halten wir die addierten Zahlen von Mobilportal und stationärem Portal heute mit denen des allein verfügbaren stationären Portals vor einem Jahr für vergleichbar.

Entwicklung der Visits und Abrufe von Rhein-Zeitung.de.

Entwicklung der Visits und Abrufe von Rhein-Zeitung.de.

Im Detail ergeben sich folgende Entwicklungen. Verluste registrieren wir überproportional bei den Zugriffen aufs Mobilportal. Das ist leicht nachvollziehbar, denn auf dem Handy möchte man sich seltener als am PC authentifizieren. Dass die Zahl der Seitenaufrufe (Page Impressions, PIs) insgesamt um 12 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gesunken ist (von 10,55 Mio. auf 9,30 Mio.), ist dagegen nicht so leicht erklärbar. Es mag mit der neuen Bezahlschranke zusammenhängen, muss es aber nicht. Ähnliche Entwicklungen hatten wir in den vorangegangenen Monaten auch. Da waren singuläre Ereignisse der Grund: beispielsweise ein massiv bei Facebook geteiltes und stark kommentiertes Video über einen Hundequäler. Das sorgte für stark gestiegene Zugriffe im März und in der Folge zurückgehende Zahlen einen Monat später.

Ein Viertel mehr potenzielle Nutzer gewonnen

Voll aufgegangen ist unsere Strategie, Rhein-Zeitung.de zu einem Portal vorrangig für Abonnenten und weitere Kunden zu machen. Unsere Zwei-Artikel-Bezahlschranke hat für äußerst regen Betrieb bei unserem Kundenservice-Center geführt. Deutlich mehr Abonnenten unserer Zeitung riefen an, um ihre Zugangsdaten zu Rhein-Zeitung.de zu erfragen. Zeitweise waren die Kapazitäten am Limit – und im Ergebnis haben wir nun 22.850 registrierte Nutzer, die Rhein-Zeitung regelmäßig mit einer eigenen Kennung und Kennwort nutzen könnten. Das ist ein Plus von 4554 Nutzern (= +24,9 Prozent) gegenüber dem Vormonat (18.296). Darin enthalten sind 9231 Abonnenten (Vormonat: 8936), die fürs E-Paper bezahlen.

Bei Facebook und Twitter gab es keinen Einbruch bei den Nutzer- und Followerzahlen. Teilweise scharfe Resonanz bemerkten wir am Montag nach dem Start zwischen 7 und 11 Uhr – aber das war es dann auch im Wesentlichen. In einem konzertierten Einsatz haben unser Social-Media-Redakteur Lars Wienand und wir anderen Onliner die jeweiligen Kritiken beantwortet. Seither weisen uns nur noch vereinzelt Leser darauf hin, dass der Link-Zusatz „(für Abonnenten kostenlos)“ auf Dauer nervt.

Steigende Zahlen verkaufter Tages- und Monatspässe 

Hinzu kommen erste nennenswerte Erfolge bei den verkauften Tages- und Monatspässen. Wir verkauften im August 432 Tagespässe (Vormonat: 110, ein Plus von 293 Prozent), 72 Monatspässe (Vormonat: 32, ein Plus von 55 Prozent) und stattliche 168 Web-Abos (Vormonat 135, ein Plus von 24 Prozent). Das Web-Abo wird für die Dauer von 12 Monaten abgeschlossen und berechtigt zur vollen Nutzung von Rhein-Zeitung.de (ohne E-Paper). Es kostet 5,90 Euro im Monat. Der Monatspass ermöglicht das gleiche für einen Monat und kostet 6,90 Euro, der Tagespass 0,90 Euro. So haben wir im August 1876,90 Euro durch Online-Einzelverkäufe eingenommen – zunächst kleines Geld, das eines unter Beweis stellt: Es lohnt sich, die aufwendigen Internet-Mechaniken für den Einzelverkauf von Zugängen zu entwickeln und bereitzustellen. Und wichtiger noch: Content ist auch digital verkaufbar – selbst dann, wenn ansonsten bei Websites von Medienhäusern faktisch noch die Gratiskultur herrscht.

Fazit: Die Rückgänge bei unsere Zugriffszahlen halten sich durch die Bezahlschranke in Grenzen. Erfreulicherweise steigen sie sogar, wenn wir mit dem Vorjahresmonat vergleichen. Und wir entwickeln ein neues Gefühl bei der Arbeit für Rhein-Zeitung.de: hin zu mehr Abonnenten-Service und Leser-Klub, zu einer stärkeren Bindung zwischen unseren Lesern und uns, auch im Digitalen. Im nächsten Schritt werden wir die Darstellung unserer Website dahingehend überarbeiten.

Haben Sie dafür Vorschläge? Was fehlt, ist schwer auffindbar, zu verbessern? Bitte kommentieren Sie unten!

Von Marcus Schwarze, Rhein-Zeitung.de

[Update:] Kollegin Jennifer de Luca stellt Reaktionen zusammen

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Marcus Schwarze

22 Gedanken zu „So entwickelt sich Rhein-Zeitung.de seit Einführung der verschärften Bezahlschranke

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    1. Marcus Schwarze Artikelautor

      Werbung finanziert im Allgemeinen bei Online-Auftritten deutscher Zeitungen rund zwei Drittel im Digitalen – so auch bei uns. Darauf kann zurzeit kaum ein Medium verzichten.

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  2. Hannah

    Wenn sich ja die Qualität besonders hinsichtlich der Rechtschreibung verbessern würde dann würde man vielleicht auch bezahlen wollen. Arrogant die Hand aufhalten, von Qualität säuseln und dann Artikel zum Teil geschrieben wie von Erstklässlern, nein, so funktioniert das nicht!
    Die RZ grenzt sich inzwischen deutlich ab von den Konkurrenz Angeboten für die man nicht bezahlen muss. Schade, aber dann muss man eben auch als Koblenzer im Ausland andere Zeitungen lesen.

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    1. Marcus Schwarze Artikelautor

      Seit Einführung der verschärften Bezahlschranke bekommen wir vermehrt solche Hinweise, die auf Mängel bei der Qualität, darunter die Rechtschreibung, hinweisen. Ich meine es ernst, wenn ich hier antworte: Wir arbeiten daran. Eine stärkere Beachtung des Vier-Augen-Prinzips wird eine Folge sein. Versprochen.

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  4. Philip Koloczek

    Können Sie ergänzend auch Angaben zur Entwicklung der Werbeeinnahmen seit Einführung der „scharfen“ Paywall machen? Gibt es da Rückgänge bzw. werden die durch die Mehreinnahmen von 1800 € (über-)kompensiert?

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    1. Marcus Schwarze Artikelautor

      Ich bitte um Verständnis: Solche Geschäftszahlen, die den Verlag betreffen und auch im Konkurrenzbetrieb interessant sind, kann ich nicht einfach veröffentlichen.

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      1. Philip Koloczek

        Schade, weil das natürlich eine sehr wichtige Kennzahl wäre, um wirklich beurteilen zu können, inwiefern die Paywall ein Erfolg ist, bzw. sein kann. Die knapp 1900 € sind im Vergleich zu den rund 10.500 €, die die taz im Juli über freiwillige Zahlungen eingenommen hat (bei ca. 2,5x dem Traffic der Rhein-Zeitung) noch recht bescheiden. Wenn ich jetzt sehe, dass im August ca. 100.000 Visits im Vergleich zu den schlechten Monaten im Jahresverlauf fehlen und laut Ihrer Preisliste alleine der Superbanner 2.500 € für 100.000 Einblendungen kostet (klar, nur der „offizielle“ Preis), dann würde ich schon vermuten, dass Sie die Paywall momentan noch deutlich mehr kostet, als es Ihnen einbringt.

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  5. Moritz Meyer

    Sorgen bereiten würde mir der Einbruch bei Mobile. Imho müsste heutzutage alles getan werden, um die mobile Nutzung so einfach wie möglich zu gestalten. Die Bezahlschranke bewirkt dem ersten Anschein nach das Gegenteil. Das kann langfristig zum Problem werden. Mobile Nutzung wird die stationäre Nutzung über kurz oder lang überholen. Wenn man sich dieser Gesamtentwicklung entgegenstellt, würgt man sein Wachstum irgendwann völlig ab.

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  6. FH

    Hallo,
    es dürfte keine Stunde dauern, ein Firefox-Plugin zu schreiben, das den „lästigen“ Cookie „RF_VIEWS“ einfach löscht…;) Und so lange das niemand mancht, löschen Benutzer Cookies einfachg von Hand. Haben Sie da nicht etwas Bedenken, was Sie machen „verschärfter Bezahlschranke“ zu nennen?

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    1. Marcus Schwarze Artikelautor

      Derzeit blockieren rund 22 Prozent unserer Nutzer Cookies. Wir beobachten diese Entwicklung natürlich – und es ist nicht auszuschließen, dass wir auch daran noch feilen. Theoretisch könnte man einbauen, Texte nicht anzuzeigen, wenn kein Cookie zugelassen wird. Das ist zurzeit aber nur ein Gedankenspiel.

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  7. Pingback: Links oben: Roboter, Schranken und Foren | UNIVERSALCODE

  8. Robin

    Interessante Erkenntnisse. Gut für alle die wirklich hochwertigen Content im Internet anbieten. Spannend ist weiterhin aber noch, wie sich die Sichtbarkeit der Zeitung bei Google in der nächsten Zeit entwickelt. Hier ist ja seit August ein doch recht massiver Einbruch zu beobachten.

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  9. Denny

    Wie entwickelten sich denn die „Seiten pro Besucher“ und die „Dauer der Besuchszeit“? Das würde mehr über das Verhalten auf der Webseite aussagen und weniger die reinen Besuche mittels Klick auf einen Link zur Rhein-Zeitung.de.

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    1. Marcus Schwarze Artikelautor

      Im August hatten wir eine durchschnittliche Sitzungsdauer von 2:38 Minuten, im Juli 2:37 Minuten. Seiten pro Sitzung: 3,78 im August, 3,64 im Juli, ein Plus von 4 Prozent. (Quelle: Google Analytics)

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  10. Matthias Weber

    Zunächst einmal ganz klar: Inhaltlich ist die Rhein-Zeitung Online prima aufgestellt und bedarf keiner Kritik. Mich stört tatsächlich nur das Aussehen der Seite an sich. Also das Layout. Hier herrscht mir zu viel „Unruhe“. Das Aussehen der Mainzer AZ ist da hingegen viel ruhiger und passt sich besser für den Aufruf auf dem Tablet an. In der rechten Spalte „wandert“ auch immer die Zugriffsfläche auf das E Paper, wodurch man jeden Tag unterschiedlich weit scrollen muss. Die Einbindung der sozialen Medien hingegen finde sehr gelungen.

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    1. Marcus Schwarze Artikelautor

      Sie finden unser E-Paper übrigens regelmäßig auf der Startseite ganz oben oberhalb des Zeitungstitels in der Mitte der Seite in einer Zeile „E-Paper Blog Twitter RSS Newsletter“.

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  11. Pingback: 5 Lesetipps für den 3. September - Netzpiloten.de

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