Sexismus-Debatte: Es gibt Schlimmeres als den Brüderle!
28. Januar, 2013 von RZ-VolontäreEs volobloggt Stefanie Helsper
“Für mich ist es nicht immer angenehm, 29 Jahre alt zu sein, eine Frau und Politikjournalistin“, schreibt Stern-Reporterin Laura Himmelreich in ihrem Porträt über Rainer Brüderle.
Auch ich bin 29, eine Frau und Journalistin. Und ich muss sagen: Das ist meistens ziemlich angenehm.
Nun hatte ich bisher nicht das Vergnügen, nachts mit Rainer Brüderle an der Hotelbar zu stehen. Aber auch ich treffe natürlich ständig Politiker, Funktionäre – und Männer im Allgemeinen.
Sprüche und kleine Schmeicheleien bleiben da nicht aus, ich kann sie aber ganz gut ab. Ich schäkere sogar für mein Leben gern. Wenn dabei einer die Grenze des guten Geschmacks übersieht, zumal beschwipst und zu fortgeschrittener Stunde, bitte, ich kann damit leben – solange mein Gegenüber mir dabei nicht zu nahe kommt. Wenn es zu dicke kommt, kann ich mich wehren, Avancen zurückweisen und deutlich sagen, wenn ich mich in meiner Professionalität nicht ernst genommen fühle.
Aus solchen, wenn auch unangenehmen oder lästigen, Situationen aber zu schließen, dass ich als Frau häufig respektlos behandelt oder auf meine weiblichen Qualitäten reduziert würde, ist falsch.

Flossen weg! So deutlich ist Sexismus oft gar nicht. Es geht viel perfider. (dpa)
Das viel größere Problem ist, wenn es um Sexismus geht, für mich ein anderes. Schwierig und besonders unangenehm wird es dann, wenn es um Abhängigkeitsverhältnisse geht. Einige Beispiele aus Jahren, in denen ich eine noch jüngere Journalistin war:
Da erzählt mir der Redakteur in meinem Praktikum nach Feierabend beim Bier freudig, ich habe ihn doch „anmachen“ wollen, als ich mich über den Schreibtisch beugte. Da fragt mich der Uni-Dozent via SMS – die Nummer hat er sich wohl am Institut besorgt – „Wollen wir unsere anregende Unterhaltung nicht unter vier Augen fortsetzen?“ Und derselbe Dozent benotet später meine Hausarbeit, nachdem ich ihm nach weiteren SMS in seiner Sprechstunde zu verstehen gegeben habe, dass er mich in Ruhe lassen soll. Da macht der betrunkene Vorgesetzte mir beim Betriebsfest Komplimente und legt mir schließlich seine Hand auf den Oberschenkel.
Dann ist es nicht mehr angenehm, eine junge berufstätige Frau zu sein.
Es geht für mich nicht um Altherrenwitze, denn denen fühle ich mich emanzipatorisch gewachsen, und ich konnte mich bislang stets darüber hinweg setzen. Es geht um Belästigungen, die in einem Machtverhältnis geschehen und die Frauen in die Lage bringen, die Dinge irgendwie über sich ergehen lassen zu müssen – oder schlimmer: durch die Frauen Nachteile fürchten oder verspüren, wenn sie sich wehren. Darüber zu reden, ist wichtig und längst überfällig.
Was aber hat die Stern-Reporterin von Rainer Brüderle, der für seine Weinköniginnen-Küsse fast berühmter ist als für seine Steuerpolitik, erwartet? Ist die Rollenverteilung wirklich so: Er der Machtpolitiker, sie das junge Opfer? Alte Männer, die sich im Flirten mit jungen Frauen versuchen, sind meistens einfach peinlich und hoffentlich nur selten wirklich zudringlich.
Die Stern-Kollegin, sie konnte gehen, ihre Fragen am nächsten Tag stellen und ihren Job trotzdem gut machen. Es gibt also aus meiner Sicht Schlimmeres. Aber weil das Gott sei Dank nicht jeden Tag passiert, sondern ganz viele Kollegen und Gesprächspartner mir mit Respekt begegnen, ist es meistens ziemlich angenehm, 29 Jahre, Frau und Journalistin zu sein.
28 Januar 2013 um 14:52 Uhr
[...] [...]
28 Januar 2013 um 16:19 Uhr
[...] Kollegin demonstrierte heute eine weitaus nüchterne und in meinen Augen deutlich professionellere Sichtweise: Sprüche und kleine Schmeicheleien bleiben da (Anm.: im Umgang mit Politikern und Männern [...]
28 Januar 2013 um 16:55 Uhr
leider ist der Punkt aber der, dass die Grenzen für jede/n an anderer Stelle liegen. Was für den/die eine ok ist der anderen unangenehm. Der Punkt ist doch der, dass eben diese Grenzen respektiert werden müssen, so unterschiedlich wie sie sind. Von daher empfinde ich Ihren Post einerseits als gut, aber andererseits auch den anderen Frauen, deren Grenzen vielleicht eher erreicht sind, die Legitimation absprechend und das finde ich sehr schade.
28 Januar 2013 um 16:57 Uhr
löschen sie einfach meinen vorheriogen Kommentar, er ist nicht gut formuliert
28 Januar 2013 um 17:35 Uhr
Was ich so großartig finde an der Debatte: Wenn früher eine Frau behauptet hätte, von einem Mann sexistisch angemacht worden zu sein, hätte man ihr nicht geglaubt, Beweise von ihr verlangt (wobei ihre eigene Aussage nicht als Beweis gegolten hätte) und jedenfalls NIEMALS den Namen des Täters veröffentlicht. Jetzt hat der Stern sich getraut und auch die Rhein-Zeitung (die an dem Abend nicht dabei war) vertraut auf der Schilderund der Frau und nennt den Namen des Täters. Das ermutigt auch andere Frauen:
http://deraufschrei.wordpress.com/2013/01/27/endlich-werden-die-tater-genannt/
29 Januar 2013 um 01:04 Uhr
@unterschiede:
Sie sind da auf dem falschen Dampfer. Sexuelle Belästigung ist ein Tatbestand wie jeder andere, der anhand objektiver Kritierien bewertet werden muss und nicht anhand subjektiver Befindlichkeiten. Hier kann niemand verlangen, das jeder Mann die Grenzen kennt, wo jede einzelne Frau beginnt sich unwohl oder belästigt zu fühlen. Dazu muss Frau schon den Mund aufmachen, weggehen oder sich anderweitig wehren, im Zweifelsfall mit der klassischen Ohrfeige. Alles andere öffnet Willkür und Missbrauch dieses Tatbestands durch die Frauen Tür und Tor – noch mehr als heute schon.
29 Januar 2013 um 07:21 Uhr
[...] Stefanie Helsper von der Rhein-Zeitung plädiert für mehr Augenmaß und weniger Hysterie in der #Aufschei-Debatte: [...]
29 Januar 2013 um 07:45 Uhr
Endlich mal ein Beitrag, der den Sachverhalt differenziert betrachtet.
29 Januar 2013 um 09:27 Uhr
Grundsätzlich sollte man als Mann die Privatsphäre einer Frau achten, da gibt es kein wenn und aber.
Dazu gehört aber auch, dass in bestimmten Situationen Frauen nicht mit diesem Thema spielen sollten, wenn sie mit Zeitgenossen zu tun haben, die das nicht verstehen.
Ein “Nein” sollte ein “Nein” bleiben und nicht als “Vielleicht” verwendet werden.
Im Falle der Stern-Journalistin wirkt das ganze zeimlich arm und so, als ob ihr nichts anderes mehr eingefallen ist.
Vielleicht hat sie schon lange nichts Vernünftiges mehr geliefertes und versucht sich mit einem “Sensatiönchen” ihremn Arbeitsplatz zu sichern…
Kann man nur sagen “Arme Haut” wer das nötig hat
29 Januar 2013 um 19:22 Uhr
Wahnsinn, was diese Geschichten für Wellen schlägt. Aber es war wohl mal Zeit dafür. Schade, dass es jetzt oft verwaschen wird mit der politischen Ansichten bestimmter Parteien. Schön, dass das hier mal komplett rausgehalten wird. Danke für diesen interssanten Blickwinkel aus der “Gruppe der Betroffenen”.
30 Januar 2013 um 12:14 Uhr
Steffi, du triffst alles genau auf den Punkt. Dennoch ist die Debatte ein Zeichen.
30 Januar 2013 um 22:29 Uhr
Wenn Leute vor Dummheit schreien, gibt es einen Aufschrei. Frau Himmelreich schreit dabei besonders laut, weil sie – wie sollte sie auch – nicht kapiert, daß der Herr Brüderle nach dem Motto handelt, was kümmert es eine Eiche, wenn sich eine Sau daran scheuert.Das derzeitige Gerede über Sexismus ist eine Olympiade des Schwachsinnns und an Scheinheiligkeit nicht zu überbieten. Es gibt auch darin eine unbestrittene Olympiasierin: Frau Himmelreich!!!Sollte sie diese Zeilen lesen, erwarte ich, daß sie in ca. sechs Jahren beleidigt sein und sich entsprechend outen wird.
31 Januar 2013 um 11:00 Uhr
Typisch Deutsch:
Die chronische Verwechslung von Opfer und Tätern ist ja bekanntlich eine der bestgeübtesten deutschen Disziplinen.
Lieber macht man sich selbstverliebt und großmütig über italienische, griechische oder indische Verhältnisse her als das man mal vor der eigenen Haustüre kehren würde.
Einige Fakten zum Thema “Sexismus” und “Diskriminierung”:
- Die von rechten Ideologen (die sich das Recht zur Belästigung einfach nehmen) als angeblich in einer Opferrolle stehende weibliche Bevölkerung stigmatisiert, musste sich in Deutschland bspw. bis 1996 noch Vergewaltigungen in der Ehe gefallen lassen ohne das Strafverfolgung drohte.
- In der Koalition mit der CDU hat die FDP Hessens bspw. nicht nur die Schwarzgeldlügen von angeblichen “jüdischen Vermächtnissen” als Quelle Roland Kochs gedeckt sondern auch stillschweigen die 1998 den NSU Terrorwellen direkt vorausgehende Unterschriftensammlung der “CDU gegen Türken” gedeckt.
Jetzt bricht all dieser Unrat aus bzw. zeigt wie weit die ethisch-moralische Verrohung in der FDP bzw. großen Teilen der Gesellschaft verkommen ist.
Nicht zuletzt der Fakt, das Frauen bei gleicher oder besserer Leistung immer noch (und bei derzeitiger Anpassungsgeschwindigkeit noch die nächsten 400 Jahre) unterbezahlt und in schlechteren Positionen arbeiten zeigt wie eindeutig ungerecht und scheinbar betoniert diskriminierend diese ach so entwickelte hiesige Gesellschaft funktioniert.
Ein Herr Brüderle ist ein Dinosaurier dieser “alten Ordnung” und -da stimme ich mit der Analyse überein- sein öffentlich ausgelebter Sexismus war und ist erwartbar und für Beobachter der abgehobenen Berliner Politszene keinerlei Überraschung.
Das es auch Frauen gibt, die -wie die Autorin- meinen das sei alles nicht so schlimm.
Das ist nichts neues.
Mitläufertum ist eben leider eine ebenso bekannte Deutsche Stärke.
Die Autorin möchte ja auch beim nächsten mal wieder ein Interview mit FDP-Größen bekommen.
Die Männer sind hier explizit nicht ausgeschlossen. Auch ein Herr von und zu Guttenberg kann -wahrscheinlich trotz seiner Karriere- natürlich nichts fragwürdiges am deutschen Bildungssystem und den guten bayrischen PISA Noten erkennen.
31 Januar 2013 um 11:47 Uhr
Sexismusdebatte? Was wird allerorten darüber für Mist produziert. Ich schließe mich der Meinung an, die Frau Monika Ebeling bei Anne Will vertreten hat. Für die sexistisch geplagten Frauen hat Heiner Geißler (in der Rockerjacke) gesprochen. Ich habe geschrieben an die BamS, zweimal an den Stern und an Alice Schwarzer. Warum, weil Ihr jungen Frauen mich aufregt mit Eurer Hysterie zur Übertreibung. Die Medien brauchen wieder mal ein Thema. Damals war’s der Herr Wulff, jetzt der “Herrenwitz-Brüderle”. Die USA machen sich schon über Deutschlands größtes Problem lustg. Deutschland leidet unter Kinderfeindlichkeit und nun auch noch Männerfeindlichkeit. Wohin soll das führen? Können uns das weitere Talkshows (Illner, Lanz etc.)erklären? Westliche Frauen sind für muslimische Männer viel zu aufreizend gekleidet, in den Medien verschlimmert sich ihr Bild noch mehr. Was man da von und über Frauen zu sehen bekommt: Pfui Deibel! Eine scheinheilige Sexismus-Debatte wurde entfacht.
31 Januar 2013 um 13:18 Uhr
Warum wurde mein Kommentar herausgeschmissen? Ich habe 40 Jahre in der DDR Meinungsunfreiheit erlebt. War der Kommentar frauenfeindlich, Frau Stefanie Helsper? Was hat Ihnen nicht in den Kram gepasst oder Ihren Zensurleuten? Die STASI läßt grüßen. Ich bin nun ein Wutbürger!
31 Januar 2013 um 21:50 Uhr
Wir leben mitten in Europa im 21.Jahrhundert. Ich dachte wir halten viel von Respekt und Anstand. Allerdings vermisse ich den bei vielen Kommentaren. Man kann selbst nicht Achtung erwarten, wenn man den Gegenüber nicht respektiert. Das gilt nicht nur im Verhältnis zwischen Mann und Frau sondern auch im Strassenverkehr. Wir haben immer mehr Technik die wir nutzen können, haben wir dabei verlernt unseren Verstand zu benutzen? Natürlich bin ich dafür Frauen Komplimente zu machen, aber bitte nur wenn Sie ehrlich gemeint sind und keine Hintergedanken enthalten. Frauen welche von Ihren Chef´s angemacht werden, sollten Ihn bei der ersten Gelegenheit anzeigen. Männer zeigt endlich, daß wir die Frauen gern auf Händen tragen.
31 Januar 2013 um 22:17 Uhr
Ich verstehe beim besten Willen nicht, wieso grössere Debatten über solche Themen immer nur dann geführt werden, wenn die Täterschaft männlich und das Opfer weiblich ist. Ich persönlich hätte nämlich einiges zu melden über Sexismus/ sexuelle Belästigung im Alltag von Frauen, dem ich ausgesetzt war.
Wer dieses Thema ernst meint, kann dies nur glaubhaft machen, wenn es sachlich, unabhängig des Geschlechtes und allgemein diskutiert wird. Die grösste Schande in diesem Fall ist, dass wieder einmal systematisch alles verharmlost wird, wenn sich Männer zu Wort melden, die eine sexuelle Belästigung von einer weiblichen Person anprangern. Solange hier mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen wird, scheint die ganze Thematik nach wie vor unglaubwürdig.
02 Februar 2013 um 16:08 Uhr
Schreie wer will….
Vorbei…. Boutiquen ade… Vorbei…. Douglas nehmt die verführerischen Auslagen aus den Schaufenstern.. Vorbei.. die Frisörbesuche
Ach – wo mich das alles doch so schön gemacht hat…
Vorbei die Zeit der Komplimente die sich auf mein sorgsam erworbenes “Äußeres” bezogen….
Und warum??? Nur weil ein paar graue Wesen all das als sexistisch deklarieren! Und wehe, wer dagegen verstößt: An den Pranger mit ihm!!!
“Ach Herr Brüderle, wenn Sie mir doch einmal in einer Hotelbar begegnen würden und zu mir sagten: `Sie passen in jedes Dirndl`, auch wenn es nicht stimmt,
denn auch das ist vorbei…!
Man wird doch wohl noch träumen dürfen!
Eine enttäuschte Venus!!
04 Februar 2013 um 13:18 Uhr
Laura Himmelreich scheint ja fast schon manische Züge zu haben:
http://www.focus.de/magazin/tagebuch/helmut-markwort-handkuss-affaere-keiner-wollte-sich-am-rufmord-beteiligen_aid_912001.html
Da handelt sie fast wie ein Stalker?
Oder:
http://www.bild.de/politik/inland/se…6354.bild.html
Da betätigt sie sich fast selbst als Sexistin.
Entweder die Frau muss zum Psychiater – oder ihren Beruf wechseln. Es muss ja nicht gleich Parteisprecherin der FDP sein.