Denise _BergfeldFreude und auch Stolz bei der Rhein-Zeitung: Unsere junge Kollegin Denise Bergfeld, eine unserer Volontärinnen, hat einen der hochrangigsten Journalistenpreise in Deutschland gewonnen: Die Robert Bosch Stiftung (Stuttgart) hat ihr den Marion-Dönhoff-Förderpreis zuerkannt.

Die große „Zeit“-Herausgeberin Marion Gräfin Dönhoff gab noch zu Lebzeiten ihren Namen für den Preis, den die Robert Bosch Stiftung gestiftet hat – für junge Journalisten bei Zeitungen oder Zeitschriften, die hervorragende Medienbeiträge zum Thema „Bürgerschaftliches Engagement“ geschrieben haben. Der Preis, der an Journalisten bis 30 Jahre verliehen wird, ist mit 5000 Euro dotiert.

Preisträgerin Denise Bergfeld hat an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg in St. Augustin Technikjournalismus studiert. Seit 2008 volontiert die Diplom-Journalistin/FH in Koblenz bei der Rhein-Zeitung. Der Beitrag, für den sie an diesem Samstag in Stuttgart den namhaften Preis entgegennehmen konnte, war eine lange, einfühlsame Reportage über das Wirken des Koblenzer Vereins Tecum. Diese im Stillen arbeitende Initiative begleitet seit vielen Jahren Menschen, die einen Suizidversuch hinter sich haben oder daran denken, sich das Leben zu nehmen. Tecum hilft aber auch Menschen, die jemand Nahestehenden durch Suizid verloren oder wegen Suizidgefahr Angst um Angehörige, Freunde, Kollegen oder Mitschüler haben.

Die preisgekrönte Seite von Denise Bergfeld.

Die preisgekrönte Seite von Denise Bergfeld.

Wir bei der Rhein-Zeitung freuen uns auch deshalb sehr mit unserer begabten Kollegin, weil damit indirekt gleich mehrere Aspekte unserer redaktionellen Arbeit anerkannt werden. So stehen auch jungen Kolleginnen und Kollegen unserer Redaktion die prominentesten Plätze unserer Zeitung offen. Einzige Voraussetzung: Ihr Thema und ihr Text müssen gut sein. So erschien die Reportage von Denise Bergfeld mit dem Titel „Marthes langer Weg zurück ins Leben“ im Mai auf der ersten Seite unseres Wochenend-Journals – unserem besten und wichtigsten Platz für Reportagen zu relevanten Themen.

Noch mehr Freude bereitet uns der Preis, weil die ausgezeichnete Geschichte von Denise Bergfeld einer ganz besonderen Form von Ausbildung entsprang. Meine Kollegin Regina Theunissen, die sich seit vielen Jahren um die Ausbildung unserer Volontäre kümmert, hatte unserer Lehrredaktion einige Wochen vor der Veröffentlichung der bewegenden Geschichte von Marthe eine spannende Aufgabe gestellt: Unsere 18 Volontäre hatten bei einem internen Workshop zum Aufspüren von lohnenden Reportagethemen eine unserer Lokalausgaben zu durchforsten. Das Gespür von Denise Bergfeld bestätigte dabei die These unserer Volontärsausbilderin, dass in jeder Lokalausgabe Dutzende von vertiefenden Themenansätzen stecken – wenn man nur mit journalistischem Blick hinschaut. Alle Volontäre wurden in diesem Sinne fündig – Denise Bergfeld sogar an einem Platz der Zeitung, der dafür auf den ersten Blick eher unergiebig erscheint: In der Rubrik „Hilfe & Notfall“ auf Seite 2 des Lokalteils Cochem weckten sechs dürre Zeilen ihr Interesse. „Tecum, Verein zur Betreuung selbstmordgefährdeter Menschen: Gesprächsangebot…“ stand da. Einige karge Zeitangaben und eine Koblenzer Telefonnummer folgten diesen spärlichen Angaben, mehr nicht.

Die Rubrik von Tecum in der Rhein-Zeitung.

Die Rubrik von Tecum in der Rhein-Zeitung.

Die sechs Zeilen reichten aber aus, um das Interesse von Denise Bergfeld zu wecken. Sie wollte wissen, was es mit Tecum auf sich hatte. Neben ihrem guten Gespür aber war auch ihr langer Atem gefragt: Erst nach mehreren Gesprächen mit Vertretern des Vereins hatte sie dessen Vertrauen erworben, und erst dann ermöglichte ihr Tecum ein Treffen mit Marthe – einer jungen Frau, deren Schwester sich mit 15 Jahren das Leben genommen hatte und die dadurch selbst in eine tiefe Krise gestürzt war. Auch zu Marthe musste Denise Bergfeld erst Vertrauen aufbauen, bevor sie sich ihr öffnete – und das erzählte, was unsere damals 28 Jahre junge Kollegin dann zu einem Text verwob, der erst uns und nun auch die Jury des Marion-Dönhoff-Förderpreis „tief beeindruckte“ (Jury-Vorsitzender Gerd Appenzeller, Redaktionsdirektor des Berliner „Tagesspiegel“).

Wir freuen uns mit Denise Bergfeld – und werten den Preis auch als Auszeichnung für eine gute Volontärs-Ausbildung, die begabten jungen Journalisten wichtige Plätze in unserer Zeitung wie auch Chancen in unserer Redaktion eröffnet. Mehr noch: Wir sehen in dem  Marion-Dönhoff-Förderpreis auch eine Bestätigung für die These, dass Lokalredaktionen und Regionalzeitungen unverändert ein hervorragender Ort sind, um guten Journalismus zu lernen – vorausgesetzt, Ausbildung hat dort den nötigen Stellenwert.

Post Scriptum: Das Volontariat von Denise Bergfeld endet mit Ablauf dieses Monats. Die Rhein-Zeitung wird sie als Redakteurin übernehmen – wie auch andere junge Journalisten ihres Volontärsjahrganges, auf den wir insgesamt stolz sind.