BLOG: Alexei Makartsev

Niaqornat: Zwei Träume am Ende der Welt

Auf der Google-Karte ist Niaqornat ein Punkt im weißen Nichts. Die kleine Siedlung befindet sich auf einer Halbinsel an der westlichen Küste Grönlands, 500 Kilometer nördlich des Polarkreises. Es führen keine Straßen nach Niaqornat, das auf eine Hubschrauberverbindung zur nächsten Stadt Uummannaq und die Lieferungen eines Versorgungsschiffes im Sommer angewiesen ist. Das einsame Dorf am Ende der Welt - das sind zwei Dutzend bunt gestrichener Häuser, in denen 59 Menschen und doppelt so viele Hunde leben. Wie lange noch? Das fragte sich die britische Filmemacherin Sarah Gavron, als sie 2009 erstmals die kleine Inuit-Gemeinde besucht hat.... [...]

Alexei Makartsev

Süße Käsefüße: „Afternoon tea“ in London

Ich mochte schon immer Tee. In England habe ich gelernt, dass dieses Getränk magische Eigenschaften haben kann, als Trostspender, Muntermacher oder Konversationshilfe. „Wie immer Ihr Zustand sein mag – alles, was Sie brauchen, ist eine nette Tasse Tee”, schreibt die Sozialanthropologin Kate Fox im Buch “Watching the English“. Sie illustriert die Tee-Liebe ihrer Landsleute mit einem Beispiel: „Der Dritte Weltkrieg bricht aus, ein Atomangriff steht bevor“. Was macht ein Brite? Er sagt: „Ich setz‘ mal einen Tee auf“. [...]

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Keine Zeit zum Spielen

Mit 13 Jahren sah Rachael Ryan ihre erste Leiche. Mit 16 bekam die junge Waliserin von ihrem Vater eine Geburtstagstorte in Form eines Sargs überreicht. Das passende Geschenk war eine Stelle als Direktorin im Familienunternehmen Michael G Ryan Son & Daughters. Heute ist Rachael die jüngste Bestatterin Großbritanniens. Die „Sensenfrau“, wie sie scherzhaft von ihren Freunden genannt wird, liebt ihren „faszinierenden“ Job, sie träumt jedoch von einer späteren Karriere als Sängerin... [...]

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Wie britisch sind Sie?

Welche Blume wird am englischen Volkstrauertag getragen? Wer leitet die Debatten im Westminster-Parlament? Und wie hieß der Mann, der den Geldautomaten erfunden hat? Wenn Sie die Antworten auf diese Fragen nicht kennen, haben Sie aus der Sicht des Londoner Innenministeriums keine Ahnung vom „Britentum“ und sind deshalb nicht würdig, ein Bürger des Vereinigten Königreichs zu werden... [...]

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„Langeweile-2012“: Wo Gähnen erlaubt ist

Ein Glück, dass es Menschen wie Ed Ross gibt, die die Kunst der Entschleunigung beherrschen. Ed steht auf der Bühne der York Hall und hält einen Vortrag mit dem Titel „Wie ich meinen Toast mag“. Nach einem Exkurs in die Frühstücksrituale seiner Kindheit kommt der Brite zur Sache: „Ihr müsst den Toast auf Stufe vier bräunen und zur Vermeidung der Kondensatbildung auf der Unterseite der Brotscheiben sie zu einem ,Zelt‘ aufstellen“. [...]

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Die „Mausefalle“ bleibt immer offen

Es läuft und läuft und läuft… und jeden Tag außer Sonntag stellen sich die Zuschauer im St. Martin’s Theater die gleiche brennende Frage: „Wer war’s?“. Ein Gasthaus, zwei Morde, sechs Verdächtige und „drei blinde Mäuse“ als musikalisches Leitmotiv eines perfekt getarnten Verbrechers, der seine Opfer in eine Falle lockt – das ist die unfehlbare Erfolgsarithmetik eines nostalgischen Bühnenklassikers, der in London seinen 60. Geburtstag feiert. Agatha Christies Krimi „The Mousetrap“ („Die Mausefalle“) ist das am längsten kontinuierlich aufgeführte Stück der Welt... [...]

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Warten auf Geisterhunde im Moor

Eine der unheimlichsten Gegenden Europas liegt sechs Autofahrstunden von London entfernt. Das Buch „Haunted Britain“ beschreibt sie als eine „furchterregende Einöde, umgeben von der trostlosen Aura der Einsamkeit“. „Wenn der Wind heult und der Nebel das Moor in seine übelriechende Umarmung einhüllt, erwachen hier die Alpträume“, erzählt der Autor Richard Jones. Als ich diese Zeilen las, fragte ich mich, wie es wohl wäre, alleine eine Nacht im Nationalpark Dartmoor zu verbringen... [...]

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Chronik der Hölle

Schlimme Erinnerungen kehren zurück. Der Schock, die Verzweiflung, die Lügen im Fernsehen, die gespannten Nerven, das zermürbende Warten, die weinenden Menschen vor Absperrungungen. Schützenpanzer in den Straßen. Das unheilvolle Schweigen des Präsidenten. Rätselraten um ein mysteriöses Gas. Beschlagene Scheiben der Busse, die die reglosen Körper abtransportieren. Der Tod. Nahaufnahmen von Menschen mit zerschossenen Köpfen. Die uneinsichtige Wut der Politiker. All das in einem kleinen Wort: „Nord-Ost“. Niemand, der im Herbst 2002 in Moskau gewesen ist, wird es jemals vergessen. Eine der weltweit schlimmsten Geiseltragödien, die das Leben von 174 Menschen gefordert hat, jährt sich heute zum zehnten Mal... [...]

Alexei Makartsev

Von der fröhlichen Trübsal der Briten

Jeder weiß, dass die Sonne irgendwann explodieren und die Erde verbrennen wird. Wir alle geben am Ende unseres Lebens die Träume und Hoffnungen auf und zerfallen zu Staub. Alles wird teurer, in Afrika gibt es weiter Folter und Sklaverei. Man kriegt nur noch Geburtstagsglückwünsche, wenn sich die Freunde daran per Facebook erinnern. Es gibt viele Gründe, mit dem Schicksal zu hadern. Aber Trübsinn kann auch lustig und befreiend sein. Nirgendwo kann man so gut gemeinsam mit den anderen Bekümmerten in Schwermut schwelgen, wie im Londoner „Gloomy“-Club. [...]

Alexei Makartsev

Haarsträubend: Rapunzels Geheimnis gelüftet

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass der Mann, der Rapunzels Geheimnis gelöst hat, selbst über keine ausgeprägte Haarpracht verfügt. Professor Ray Goldstein von der Universität Cambridge lässt sich über seine Glatze keine grauen Haare wachsen. Stattdessen hilft der Physiker den Frauen in aller Welt dabei, schön auszusehen, indem er ihnen eine Formel anbietet, mit der sie haargenau das Aussehen ihrer noch nicht gebundenen Pferdeschwänze bestimmen können. Für diese haarsträubende Entdeckung wurde Goldstein jetzt mit drei Mitforschern aus England und den USA mit dem „Ig-Nobel“-Preis der Physik ausgezeichnet. [...]

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