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Ein Blick auf die Sterne: Unser Paygate der Rhein-Zeitung im April 2015

CDtAn-aUIAAl7uGDrei Dinge, die man mit einem Browser heute anstellen kann:

Manches davon mag absurd erscheinen. Andererseits ist das Internet voll von Dingen, über die …

Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wußte das nicht und hat’s einfach gemacht.

(Autor unbekannt)

So geschehen damals, als ich an einem Newsdesk in einer Redaktion saß und für mich persönlich Google Earth entdeckte. Was für eine faszinierende Idee, jeden Ort der Erde in 3D virtuell anfliegen zu können, berechnet aus älteren Satellitenfotos. Heute Alltag. Oder ein paar Jahre früher, als jemand auf die Idee kam, Videos ins Netz zu übertragen: in Zeiten von Modemgeräuschen beim „Einwählen“ ins Netz eine unerhörte Idee! Heute Alltag. Oder, vorvergangene Woche, als mir jemand von Metaio eine Virtual-Reality-Kamera von Samsung aufsetzte und ich mich plötzlich inmitten einer 360°-Theater-Aufführung befand – vielleicht auch so ein nächstes großes Ding.

Zurück im Alltag bekomme ich dann mit der Google-Cardboard-Brille aus Pappe und etwas weniger filigraner Technik übers eingehängte iPhone zumindest einen 3D-Film einer anderen Zeitung aufgerufen, den ich mir zunehmend fasziniert anschaue.


Im Alltag eines Onliners aus Koblenz ist man wie vielerorts mit mindestens einem Auge und mit großem Interesse bei diesen globalen Neuheiten und Entwicklungen. In der Praxis schlagen wir uns aber auch damit herum,

  • warum Leser M. so häufig aus seinem Zugang Rhein-Zeitung.de herausgeworfen wird;
  • wie man für einen nicht so internetfirmen Kollegen in der Redaktion einen Kurzlink anlegt; oder
  • warum beim Einstellen eines Links auf Facebook neuerdings nicht mehr das Hauptbild des Textes dazu erscheint, sondern nur noch eine Karte des Verbreitungsgebiets. Gefühlt 15 Hin-und-Her-Mails waren dazu innerhalb weniger Stunden bei uns die Folge, multipliziert mit dem CC-Verteiler ergibt sich stets eine ganz hanebüchene Aufgabe: Wie sortiert man solche interne Massenkommunikation? Dienste wie Slack und in unserem Fall Hipchat sind eine mögliche Lösung, oder ein „Ticketsystem für Probleme“: Diese Dinge gehören anders abgearbeitet.

Jeden Tag gibt es so etwas in neu. Neue Techniken, neue Chancen, neue Herausforderungen (auch bekannt als „Probleme“). Einiges davon macht dann Spaß, wenn man positiv denkt und nach vorne blickt:

  • So experimentieren meine Kollegen Jennifer de Luca, Jens Weber und ich zurzeit mit einer professionellen Drohne (keinem Spielzeug), um schon bald die Niederungen eines „Antrags auf Erteilung einer allgemeinen Aufstiegserlaubnis für unbemannte Luftfahrtsysteme ohne Verbrennungsmotor mit einer Gesamtmasse bis 5 kg“ (hier das PDF) unter uns zu lassen. Unserem Chef-vom-Dienst-Büro sei dank, dass es dies weitgehend ohne uns Onliner erledigt, sich akribisch mit allem Notwendigen und gemeinsam mit Experten in unserem Verlag damit beschäftigt.
  • Wir experimentieren auch mit einer neuen App, die für die vielen virtuellen und schlicht erweiternden Möglichkeiten zu einem einzelnen Artikel im Blatt oder im E-Paper schon bald einen neuen Türöffner aus der Zeitung heraus bereitstellt (dazu künftig mehr).
  • Und wir experimentieren weiter mit diesem ganz elementaren, aber nicht ganz so schillernd präsentierbaren Dingens namens Bezahlen: Wie sollen auf Dauer Newsangebote wie das einer Regionalzeitung nachhaltig refinanziert werden? Unsere Abonnenten sind die einen, zusätzliche Einzelverkäufe im Netz das nächste.

Mit unserem verschärften Paygate sind wir bekanntlich dabei, und nach den ersten ermutigenden Zahlen aus den vergangenen Wochen erhalten wir auch aus der Leserschaft dazu Zuspruch wie zum Beispiel hier:

In konkreten Zahlen setzt sich die Entwicklung der ersten Wochen nach der Einführung im April fort. Im Detail:
Paywall-2015-05-Detail
Paywall-2015-05 Entwicklung-2015-05 Jahresvergleich-2015-05

In der Interpretation der Zahlen aus dem April bleibt festzuhalten:

  • Bei verkauften Einzelpässen haben wir in diesem Monat eine geringfügige Steigerung
  • Bei der wichtigen Zahl der Registrierungen zählen wir erneut ein Plus von weiteren 1399 Lesern, die sich einen Zugang zu Rhein-Zeitung.de verschafft haben
  • Die Zahl der verkauften Tagespässe ist ebenso wie der Zahl der Monatspässe stark zurückgegangen
  • Hingegen ist die Zahl der Jahrespässe deutlich gestiegen.

Was bedeutet das? Einige Dutzend Leser mehr sind auch in diesem Monat bereit, sich dauerhaft für unser Webangebot Rhein-Zeitung.de zu binden. Wir haben die Usability, also die Nutzbarkeit unseres Paygates erst im April überarbeitet, von einem SAP-Katasteramt-Formular hin zu einer gefälligeren Bezahlmöglichkeit – deswegen sind konkrete Aussagen zum Erfolg dieser veränderten Eingabemaske noch zu früh. Was wir aber lernen, ist, dass sich Lesegewohnheiten mit und in der Rhein-Zeitung und auf Rhein-Zeitung.de eher stetig verändern, um nicht zu sagen: träge. Monat für Monat zählen wir aus der Masse an 170.000 Abonnenten jeweils 1400 oder 1500 neue Registrierungen für Rhein-Zeitung.de. Mit jetzt 35.576 Registrierten ist hier noch viel Luft nach oben; aber es geht eben auch nach oben. Die Stetigkeit dieser Entwicklung ist positiv. Dass die gelegentlichen Leser lieber Einzelpässe zu Artikeln kaufen statt Tagespässe, deutet auf einen Kannibalisierungseffekt hin. Wahrscheinlich ist es noch zu früh für diese Interpretation, andererseits: Kannibalisieren wir uns besser kostenpflichtig selbst mit Partnern als kostenlos über andere ohne Ertragsmöglichkeiten. Google, Blendle, demächst wohl Facebook und noch einige weitere Plattformen bieten das an oder bereiten das vor. Da entstehen neue Kioske, die wir sehr genau beobachten.

Alle unsere 170.000 Abonnenten könnten sich ohne Zusatzkosten für Rhein-Zeitung.de registrieren und dann digital das Wichtigste unterwegs, am Desktop im Büro und in unserer App RZmobil lesen. Mehr und mehr Leser verschaffen sich dafür die Zugangsdaten. Diese Basisleserschaft gilt es weiter zu aktivieren. Via Social Media und in der gedruckten Ausgabe. Wer uns nur gelegentlich über Social Media bemerkt, dem bieten wir zumindest per Bezahlung von 50 oder 90 Cent ein Eingangstor. So absurd ist es jedenfalls nicht mehr, Leser zum Bezahlen im Web zu bewegen.

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Marcus Schwarze