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Sex, Alkohol und eine halbe Abtreibung

Filmposter Blue ValentineEin Film, der mit einem toten Hund beginnt, ist niemals ein guter Film. Ich hatte bei „Blue Valentine“ nur gehofft, dass es die traurigste Szene bleiben würde. Stattdessen wurde es immer deprimierender. Jetzt könnte jemand einwerfen: „Hey, aber der hübsche Ryan Gosling spielt doch mit!“ Tja, das stimmt natürlich. Leider hat er den halben Film eine Kippe im Mundwinkel hängen, eine Halbglatze und eine Brille im Gesicht, die er aus Atze Schröders Garderobe geklaut haben könnte. Statt mit seinem Aussehen besticht er in „Blue Valentine“ eher mit seinem schauspielerischen Können. Zusammen mit seiner Filmpartnerin Michelle Williams liefert er einen erschütternden Einblick in eine Beziehung, die den Bach runter geht.

Kaum verliebt, schon schwanger

Ein Mann und eine Frau, treffen sich, verlieben sich und genießen die Zeit zusammen. Es hätte so schön werden können, wenn da nicht der grobe Ex-Freund wäre, der den beiden einen positiven Schwangerschaftstest beschert. Doch die beiden bleiben ein Paar, entscheiden sich zu heiraten und eine Familie zu werden. Leider ist ein Bund, der aus den falschen Gründen und blinder Verliebtheit geknüpft wird, oft besonders anfällig für den Abrieb des Alltags. „Blue Valentine“ zeigt das Enden und das Beginnen dieser schwierigen Beziehung in zwei Tagen voller Erinnerungen. Einmal fühlt man das Prickeln des Neuen, das Entdecken von Gefühlen, sieht das verliebte Lachen in den Augen der beiden Hauptfiguren; das andere Mal erlebt man die Schwere, die Müdigkeit des Bekannten, sieht nur Gleichgültigkeit, Enttäuschung und Verzweiflung über den Verlust der Leidenschaft.

a Keine Rettung

Es ist traurig, mitzuerleben, wie zwei Menschen voller Hoffnungen und Ideen, im Unglück versinken. Es ist deprimierend zu sehen, wie Dean, alias Ryan Gosling, versucht, durch eine Nacht in einem schäbigen Liebeshotel seiner Frau wieder näher zu kommen. Denn selbst Alkohol und „ihr Lied“ bringen nur kurzeitig einige verschwommene Gefühle zurück. Hier läuft nichts mehr nach Plan, jeder ist unzufrieden, eine gescheiterte Persönlichkeit. Das Pärchen, das wir zu sehen bekommen, lebt nur noch für das gemeinsame Kind. Ihre Liebe existiert nur noch in der Vergangenheit.

Viel nackte Haut

In „Blue Valentine“ gibt es viele außergewöhnliche Kameraeinstellungen, Perspektiven und allerhand Geruckel. Mir persönlich kam der Handkameraeffekt ein bisschen zu oft vor. Es gibt einige wenige Szenen zum Lachen, viel öfter muss man Schlucken und stellenweise entwickelt sich das Ganze zu einem Softporno – wenig Geschichte, dafür viel nackte Haut und reichlich sexuelle Handlungen. Für amerikanische Verhältnisse ist der Film extrem freizügig, außerdem gibt es eine fast vollständig durchgeführte Abtreibung zu sehen. Ich muss sagen: Immerhin – üblicherweise wird die Option einer Abtreibung bei einer ungewollten Schwangerschaft kaum in Erwägung gezogen. Dennoch wird das Ganze vielen Teenies in ähnlicher Situation wohl eher eine Abschreckung sein.

Abschließendes Urteil:

Beide Schauspieler leisten sehr gute Arbeit, sie spielen ihre Rollen leidenschaftlich und haben es geschafft, dass ich wahrlich mitgelitten habe. Die Geschichte ist aus dem Leben gegriffen und gut umgesetzt. Dennoch konnte ich an „Blue Valentine“ nur wenig Gefallen finden. Die Grundstimmung war mir zu negativ, die Kameraführung zeitweise zu hektisch und die Zeitsprünge zu konstruiert. Ich hätte mir in der Geschichte einen Lichtfleck gewünscht, eine Lösung, oder zumindest einen Lösungsvorschlag. So blieb für mich am Ende des Films nur das dumpfe Gefühl, dass Liebe weder ewig währt, noch wirklich über die Höhen und Tiefen des Lebens hinweg helfen kann. Das ist genauso traurig, wie ein toter Hund am Straßenrand.

Bewertung Blue Valentine

Filmwebseite: www.bluevalentine.senator.de/

Christina Nover